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15.12.2000 - 

In der IPO-Pipeline: Abaxx Technology AG

Trotz E-Business-Phantasie waren die Anleger nicht zu beeindrucken

15.12.2000
FRANKFURT/M. - Noch nicht dem Venture-Capital-Stadium entwachsen, geriet die Abaxx Technology AG vor kurzem auf dem Weg zum Kapitalmarkt ins Straucheln. Der Weg zum führenden Anbieter von modularen E-Business-Lösungen dürfte für die Stuttgarter Company jetzt noch ein Stück schwieriger geworden sein. Von Andrea Goder*

An unternehmerischer Chuzpe fehlt es den Abaxx-Gründern und -Vorständen Albert Jürgen Enders (CEO), Dirk Matzat (CFO) und Thorsten Schäfer (CTO) nicht. Trotz des angespannten Börsenumfeldes gelang es den drei Ex-Brokat-Mitarbeitern zwar, bei der US-Investmentbank J.P. Morgan, die den Börsengang federführend begleiten sollte, eine Bookbuilding-Spanne zwischen 21 und 27 Euro durchzudrücken. Der Run auf den neuen Wert blieb dann allerdings aus, so dass der Börsengang kurzerhand bis auf weiteres abgesagt werden musste.

Reserviert zeigten sich Investoren zunächst aufgrund der in Aussicht gestellten aberwitzigen Bewertung des Börsenaspiranten. Wäre die Stuttgarter Softwareschmiede am oberen Ende der Bookbuilding-Spanne platziert worden, hätte das für das Unternehmen am ersten Handelstag eine Marktkapitalisierung von fast 700 Millionen Mark bedeutet. Überbewertungen wie diese waren aber selbst in Boom-Zeiten des Neuen Marktes ungesund und stehen auch im Falle von Abaxx in keiner Relation zu den bisherigen Eckdaten des Unternehmens.

Abaxx ist ein Startup reinsten Wassers, noch keine zwei Jahre im Markt und hing finanziell noch bis vor kurzem am Tropf von mehreren Venture-Capital-Gesellschaften, die sich vor dem IPO mit 52 Prozent in das Unternehmen einkauften - und womöglich den Börsengang kräftig forciert haben dürften. Neben der britischen 3i und der Hamburger Earlybird sind erst im August dieses Jahres in einer zweiten Finanzierungsrunde die US-Investoren General Atlantik Partners bei Abaxx eingestiegen. Kritiker werteten den Schritt aufs Börsenparkett schon aus diesem Grund als überstürzt.

Was das Gründer-Trio der mittlerweile auf 185 Mitarbeiter angewachsenen Company so selbstbewußt macht, ist die hinter Abaxx stehende Technologie. Die Stuttgarter Softwerker entwickeln eine modular aufgebaute "E-Business-Suite", die es Firmen ermöglicht, ihre individuelle Internet-Strategie - angefangen von der einfachen Online-Transaktion bis hin zur kompletten E-Commerce-Plattform - zu kreieren.

Die Softwarelösung basiert dabei auf einer so genannten "Core Engine" mit Komponenten für E-Business-Systeme. Nach dem Lego-Prinzip lassen sich durch individuelle Module, auch "Engines" genannt, weitere E-Business-Funktionalitäten abdecken. Firmenchef Enders zufolge wurden bislang zehn Bausteine, darunter Shopping- und Payment-Module, entwickelt - jedes Jahr sollen drei weitere hinzukommen. Für seine E-Business-Lösung konnte der Börsenaspirant bereits Großkunden wie die Deutsche Bank und die Deutsche Bahn gewinnen. Zu den Auftraggebern gehört auch die Dresdner Bank, für die Abaxx bei der Konzeption des neuen Finanzportals mitwirkte (siehe auch "Anwender des Jahres - So sehen Sieger aus" in CW 43/00 S.87).

Trotz gewichtiger Referenzen sind die Schwaben derzeit noch stark von ihren bis dato zehn Kunden abhängig. Dennoch scheint der Wachstumsmotor des Unternehmens bereits angesprungen zu sein. Nach 3,7 Millionen Mark im letzten Geschäftsjahr sollen die Einnahmen laut CEO Enders bis zum Jahresende auf 25 Millionen Mark hochschießen. "Nur große Kunden können eine kleine Firma groß machen", gab sich der Firmenchef auf der ursprünglichen Emissionspressekonferenz in Frankfurt am Main selbstbewusst. Überschattet wird die bisherige Erfolgsstory allerdings von hohen Anlaufverlusten, die bis zum Jahresende auf über 23 Millionen Mark anwachsen sollen. Mit anderen Worten: Noch wird bei Abaxx jede Mark Umsatz mit einer Mark Kosten verrechnet. Nicht gefallen müsste der Vorstands-Crew eigentlich auch die Tatsache, dass das Gros der Umsätze derzeit noch im Projektgeschäft erzielt wird. Erst im Jahr 2003 rechnet Enders mit einem Lizenzanteil an den Einnahmen von 60 Prozent.

Ohne die dringend benötigten Mittel aus dem Börsengang müssen die Stuttgarter jetzt womöglich auch bei der geplanten Internationalisierung einen Gang zurückschalten. Geplant war, schon in den nächsten Monaten Niederlassungen in Großbritannien, Italien, Spanien und der Schweiz zu eröffnen. In den USA ist das Unternehmen bereits seit Juli mit einer Tochtergesellschaft präsent.

Jenseits des Atlantiks wird sich letztendlich auch für die Stuttgarter entscheiden, wie ernst der neue Player zu nehmen ist. In den Staaten gehören im heiß umkämpften Markt für E-Business-Applikationen vor allem Unternehmen wie Broadvision, ATG, Vignette oder Intershop zu den Wettbewerbern von Abaxx. Marktforschungsinstitute wie IDC prognostizieren diesem Branchensegment bis 2003 ein jährliches Wachstum von bis zu 80 Prozent. Ein Standard für modulbasierte E-Business-Lösungen fehlt allerdings bislang. Ob es Abaxx mit seiner auf der Sun-Norm Java-2EE basierenden Architektur gelingen wird, sich gegen bereits etablierte Spieler durchzusetzen, bleibt aber abzuwarten.

Für den geplatzten Börsengang von Abaxx dürfte jedenfalls nicht nur das schwierige Börsenumfeld verantwortlich sein, sondern auch die Tatsache, dass das New-Economy-Unternehmen noch nicht wirklich börsenreif ist. Fakt ist, dass der Stuttgarter Senkrechtstarter noch mitten in der Aufbauphase steckt und bis auf weiteres rote Zahlen schreibt. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg rechneten in ihrer IPO-Studie frühestens im Jahr 2003 mit ersten Gewinnen (siehe Abbildung). Einmal mehr ein Bespiel dafür, welch ungesunde Relationen vermeintlich schlüssige Businesspläne der New Ecomomy in sich bergen.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb: Blick in die Kristallkugel: Die Wachstums- und Ertragsprognosen von Abaxx vermitteln eine gehörige Portion Optimismus. Quelle: Landesbank Baden-Württemberg