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08.11.1996 - 

25 Jahre Mikroprozessor

Trotz großer Erfolge muß sich Intel Kritik gefallen lassen

Als die Fairchild-Mitbegründer Gordon Moore und Robert Noyce Mitte 1968 die Start-up-Firma Intel - damals noch unter dem Namen N M Electronics - aus der Taufe hoben, wollten sie weiter nichts als Speicherchips auf Halbleiterbasis entwickeln. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen 1969 einen Umsatz von 565000 Dollar, der hauptsächlich aus der Vermarktung des "Schottky"-RAM stammte.

In den Forschungslabors tüftelte in diesem Jahr jedoch ein junger Ingenieur, Marcian "Ted" Hoff, an einer Auftragsarbeit ganz anderer Art. Busicom, ein japanischer Hersteller von Rechenmaschinen, hatte zunächst in Eigenregie versucht, aus zwölf elektronischen Einzelchips einen programmierbaren Tischrechner zu konstruieren, und war daran gescheitert. Nun sollte Hoff das Problem lösen. Was aus seinem Labor herauskam, veränderte die DV-Welt: Der "4004"-Prozessor, die erste programmierbare CPU auf einem Chip.

Der einzige Nachteil der Erfindung lag darin, daß Busicom dem Intel-Management 60000 Dollar Honorar gezahlt hatte - und damit Eigentümer des 4004 war. Als die Japaner 1971 in finanzielle Schwierigkeiten gerieten, kaufte das Intel-Management - auf Druck von Ted Hoff - die Urheberrechte "für weniger als 60000 Dollar", wie Bob Noyce zugab, zurück.

Zunächst hatte auch Intel wenig Freude an der Entwicklung. Der Industrie war der 200-Dollar-Prozessor zu teuer. Intels Marketing-Strategie war damit abgesteckt: Erst einmal mußte Bedarf geweckt werden. Den Intel-Bossen war klar, daß nur eine Vielzahl von Anwendungen den Durchbruch bringen konnte. Um potentielle Software-Entwickler zu gewinnen, gab ihnen Intel ein Entwicklungs- und Simulationswerkzeug in die Hand. Die "Blue Box", ein PC-ähnlicher Computer, erzielte zeitweise mehr Umsatz als der Verkauf der Prozessoren.

Der Durchbruch kam 1974 mit Intels "8080"-CPU, der in sechs Monaten den 8-Bit-Markt eroberte und dem "TMS1000" von Texas Instruments den Rang ablief. Zeitgleich betraten mit Zilog und Motorola weitere Halbleiterfirmen die CPU-Arena. Insbesondere Motorolas 16-Bit-Prozessor "68000" bedrohte die Intel-Geschäfte, da er schneller war und bessere Grafikfähigkeiten hatte. So verbündete sich Intel, möglicherweise unter dem Druck von IBM, mit dem Newcomer Advanced Micro Devices (AMD), der die Peripheriebausteine lieferte. Später sollten sich beide gegenseitig mit Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen überziehen.

Mitte der 70er Jahre begann man, Tischcomputer auf Basis der Mikroprozessoren zu entwickeln. Altair, Commodore, Tandy oder Apple hießen die ersten Hersteller. Spannend begann das Jahr 1981, als die IBM Corp. ihren PC vorstellte, der mit dem "8088" und Microsofts DOS-Betriebssystem arbeitete.

Die Allianz Microsoft/Intel - heute häufig als "Wintel" bezeichnet - sollte die erfolgreichste der DV-Branche werden.

Big Blues Entscheidung für Intel als CPU-Lieferant führt man allgemein auf das Programm "Operation Crush" zurück, mit dem die Grove-Company Boden wiedergewinnen wollte, den man an Motorola verloren hatte.

Wie eindrucksvoll das gelang, ist bekannt: 1983 wurde erstmals die Umsatzmilliarde (Dollar) überschritten, ein Jahr später verkaufte man bereits Waren für über 1,6 Milliarden Dollar, 1990 wurde der Vier-Milliarden-Umsatz knapp verpaßt. Für das erste Halbjahr 1996 meldete das Unternehmen Verkäufe in Höhe von 9,26 Milliarden bei einem Gewinn von knapp zwei Milliarden Dollar.

Mit der unter dem Namen "Red-X" bekannt gewordenen Kampagne versuchte Intel, die Kundschaft zum Umstieg von der 286-Architektur auf die neue 32-Bit-Lösung zu bewegen. Zusammen mit dem Slogan "Intel inside" sorgte sie dafür, daß der Name mit dem verrutschten "e" heute auch der Privatkundschaft geläufig ist.

Mit der Einführung der 32-Bit-CPU "386" gelang ab 1987 nicht nur der Eintritt in das Server-, sondern auch in das Unix-Geschäft. Im August 1990 starteten Intel und PC-Unix-Marktführer Santa Cruz Operation, an der sich Microsoft mit 20 Prozent beteiligt hatte, ein Programm zur Herstellung der Binärkompatibilität für 386er und 486er Unix.

Zusammen mit Compaq, HP, Zenith und AST entwarf Intel ab 1988 ein neues Bus-System, das als Konkurrenz zu IBMs Microchannel etabliert werden sollte: Der 32 Bit breite EISA-Bus war geboren.

Eine bedrohliche Allianz für Intel braute sich 1991 zusammen. IBM, Apple und Motorola beschlossen, unter dem Codenamen "Taligent" Hard- und Softwareprodukte zu schaffen, die auf Big Blues Power-Architektur aufbauen sollte. Auf dem kostengünstig herzustellenden RISC-Prozessor sollte als Betriebssystem neben dem Mac-OS auch OS/2 laufen und die Dominanz von Intel und Microsoft im PC-Geschäft beenden. Beide können den IBM-Software-Entwicklern danken, daß diese damit bis heute nicht reüssierten.

Erstmals Kritik an der Firmenpolitik kam Ende 1994 auf, als sich beim damaligen Topprozessor Pentium ein Fehler in der Fließkommaeinheit herausstellte und Intel den Fehler zunächst bestritt. Erst auf Druck einer breiten Öffentlichkeit lief ein Austauschprogramm an.

Derzeit erregt ein anderer Umstand die Gemüter: der steigende Absatz von ganzen Intel-Hauptplatinen. Bereits seit rund fünf Jahren ist das Unternehmen dazu übergegangen, nicht nur CPUs und passende Chipsets anzubieten, sondern fertige Systemplatinen. Damit macht man den Prozessorkunden Konkurrenz, was PC-Produzenten mit eigener Entwicklungsabteilung erbost: Nicht nur, daß sich Mitbewerber die Entwicklungskosten sparen, sie sind möglicherweise auch schneller am Markt, da Intel bei Einführung neuer Prozessoren auch gleich die fertigen Platinen - in gewünschten Stückzahlen - liefern kann.

1994 fing Intel mit der "Xpress"-Architektur an, Pentium-Chips auf Prozessorkarten zu packen. Damals gestand Intel, daß in den USA bereits 30 Prozent aller PC-Server mit solchen Boards arbeiteten. Verärgert darüber war beispielsweise Compaq-Chef Eckard Pfeiffer, der im gleichen Jahr enge Kontakte zum Clone-Anbieter AMD knüpfte. Nach Aussagen von Intel-Europachef Hans Geyer gehen aber nur fünf bis zehn Prozent der Prozessoren in die Platinenfertigung, "um die Markteinführung neuer CPUs zu gewährleisten".

Das nächste Ziel hat Firmenchef Andrew Grove schon ausgegeben: Die Funktion "Fernsehen" soll in einen multimedialen PC integriert und das universelle, interaktive Kommunikations- und Arbeitssystem der Zukunft werden - mit und ohne Internet.