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24.02.1989 - 

CeBIT-Sonderschau "MultiNet" zeigt offene Kommunikation in einem heterogenen Netz (Teil 2):

Trotz ISO-Protokollen noch TCP/lP-Prägung

24.02.1989

Das komplexe Feld der Datenkommunikation ist nach wie vor erklärungsbedürftig. Viele Haken und Ösen scheinen das Gebiet zu verschließen viele Wege und Lösungsansätze schaffen eher Verwirrung, als daß sie Klarheit schaffen. Die MultiNet-Show auf der- CeBlT in Halle 14 beansprucht für sich Aber die Präsentation getesteter Produkte auf der Basis des Arpa-Protokolls TCP/IP den richtigen Migrationspfad in die OSI-Zukunft zu weisen. Im folgenden. zweiten Teil dieser Artikelfolge legt der Autor, Karl Reinhart * den Schwerpunkt auf Anwendungen (siehe auch die Produktübersicht auf den Selten 22 und 23).

Eine Kommunikation vernetzter Rechner bedeutet im Grunde immer eine Übertragung von Daten beziehungsweise Dateien und Programmen. Der Begriff Netzwerkbetriebssystem ist eigentlich irreführend, da es kein Betriebssystem gibt, das auf den Kabeln des Netzes abläuft. Gemeint ist das Betriebssystem auf dem Server für die Rechner im Netz.

Damit eine Kommunikation erfolgreich durchgeführt werden kann, müssen sich die Partner auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. In der Datenkommunikation existieren Protokolle, die die einzelnen Funktionen und ihr Handling festlegen. Das ISO-7-Schichtenmodell ist das Standardmodell, nach dem sich jede moderne Kommunikationssoftware einteilen läßt.

Die unteren vier Protokollebenen beschäftigen sich mit dem Transport der Daten. Als Dienst stellen somit an dem Übergang zur Schicht 5 die darunterliegenden Schichten den Transport sicher. Beim Datentransport sind zwei verschiedene Techniken zu unterscheiden: die gesicherte Punkt-zu-Punkt-Verbindung. In Multivendornetzen stehen hierfür die Protokolle TCP und IS 8073 das 4 zur Verfügung. Grundsätzlich verschieden hiervon ist das verbindungslose Handling in Schicht 4, angeboten durch die Protokolle UDP und IS/DIS 8602. Den Autoren dieses Artikels sind zur Zeit keine Implementierungen des letztgenannten Norm-Entwurfs bekannt.

Verbindungsloses

Handling ohne Quittung

Eine kurze Erläuterung: Im Gegensatz zur Punkt-zu-Punkt-Verbindung, wo eine Anwendung auf einem Rechner mit einer korrespondierenden Anwendung auf einem anderen Rechner Daten austauscht, läßt das verbindungslose Handling zu, eine Nachricht an mehrere oder alle anderen Partneranwendungen zu schicken. Jedoch wird hier der Empfang nicht quittiert. Die darübersitzende Anwendung muß die Sicherungsmechanismen selbst erbringen. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt einerseits in der größeren Performance und andererseits in der Möglichkeit Broadcast-Nachrichten (eine an alle) zu versenden.

Im folgenden werden die im Rahmen von CeBIT MultiNez vorgestellt Als erstes diejenigen, die heute über den Transportprotokollen TCP und UDP, die beide auf dem Internetprotokoll IP aufbauen, zur Verfügung stehen.

Die häufigsten Anwendungen sind das File-Transfer-Protokoll FTP und das virtuelle Terminal-Protokoll Telnet. FTP gestattet neben dem gesicherten Übertragen von Dateien und Programmen zusätzliche Funktionen wie das Löschen von Dateien, die Ausgabe von Dateiübersichten, das Anlegen von Dateiverzeichnissen und deren Löschung etc. Textdateien werden im MS-DOS-Format übertragen und in der Empfangs- beziehungsweise Sendeanlage umgesetzt. Das virtuelle Terminal-Protokoll gestaltet es, sich auf einem fernen Rechner anzumelden und dort zu arbeiten, so als wäre das Terminal direkt damit verbunden, jedoch auch mit den damit einhergehenden Nachteilen wie nicht angeglichenen Zeichensätzen und verschiedenen Betriebsmodi wie block- oder zeichenorientiert. Daher wird oft mit Telnet eine Terminalemulation anderer Terminaltypen mit angeboten. Bei Unix-Systemen untereinander reicht oft ein einfaches Umdefinieren der Terminalvariablen und ein Großteil der Anwendungen kann laufen.

Die elektronische Post in TCP/IPNetzen wird mit dem Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) und sendmail realisiert. Dies erlaubt im Gegensatz zu FTP das Versenden einer Nachricht an einen Teilnehmer, dessen Rechner nicht aktiv ist oder dessen Password nicht bekannt ist.

Zur Kommunikation in Netzen mit Unix-Rechnern werden meistens die sogenannten r-Kommandos benutzt: rcp (wie FTP, jedoch ohne Sicherungsprotokoll), rlogin (wie Telnet), rsh (Abschicken eines Kommandos an einen fernen Rechner), rtar (Ansprechen eines fernen Disketten- oder Bandlaufwerkes). Diese Anwendungen nutzen TCP.

Weitere r-Kommandos wie rwho (Ausgabe der im Netz aktiven Benutzer), ruptime (Status der Rechner im Netz) und rhosts (Rechneradressen) sind Kommandos zur Ausgabe von Informationen, die mittels UDP-Broadcasts transportiert werden.

Anwender muß

neue Kommandos lernen

Um die bisher erwähnten Kommunikationsanwendungen zu nutzen, muß der Anwender neue Kommandos beziehungsweise Varianten von Kommandos lernen. Im Gegensatz dazu erlauben die Kommunikationsanwendungen der "zweiten Generation", mit bekannten lokalen Kommandos, Programmen und Anwendungstechniken netzweit zu arbeiten.

Ein erstes Beispiel hierfür ist X-Windows. In jedem Fenster auf dem Bildschirm kann eine Applikation von einem anderen Rechner im Netz dargestellt und bedient werden.

Ein transparentes Kommunikationsprodukt auf Dateiebene ist NFS (Network File System). Mit Hilfe dieses verteilten Dateisystems kann der Anwender im Netz verteilte Dateien und Programme so nutzen, als ob sie lokal am eigenen Rechner vorhanden wären. Der Anwender kann diese mit seinen bekannten (lokalen) Kommandos, Programmen und Anwendungen nutzen. Dabei steht für ihn der gesamte im Netz vorhandene Speicherplatz zur Verfügung, soweit ihm die Berechtigung eingeräumt wurde.

Die bisher beschriebenen Kommunikationsanwendungen benutzten als Transportprotokoll TCP respektive UDP. Die Zukunft herstellerübergreifender Vernetzung wird jedoch von ISO-Protokollen geprägt sein, die zum Teil noch verabschiedet werden müssen. Die bisher verabschiedeten Protokolle zeichnen sich im Gegensatz zu ihren Vorgängern unter anderem durch einen größeren Leistungsumfang aus.

Deutlich wird dies am Beispiel der elektronischen Post nach X.400. Diese derzeit wohl bekannteste ISO-Anwendung ermöglicht dem Anwender - im Gegensatz zu SMTP, das nur einfache Textdateien übertragen kann - beliebige Informationen an den Adressaten als Anhang einer Meldung zu senden. Verglichen mit der normalen Briefpost bedeutet dies: X.400 definiert das Kuvert und nicht den Inhalt der elektronischen Nachricht. X.400 wird sicher in der nahen Zukunft die Standardanwendung für elektronische Post sein.

FTAM (File Transfer and Management) ist das ISO-Protokoll zur direkten- Daten- und Dateiübertragung. Auch hier sind gegenüber seinem "Vorläufer" wesentliche Verbesserungen und Erweiterungen vorgenommen worden. Zum Beispiel bietet FTAM die Möglichkeit, Teile einer Datei zu übertragen, Inhalte ferner Dateien zu verändern sowie Attribute von fernen Dateien zu lesen und zu verändern.

Trotz des Aufkommens der ISO-Protokolle beziehungsweise der allgemeinen Übereinstimmung, diese in der Zukunft zu unterstützen, ist offene Kommunikation immer noch sehr stark geprägt durch TCP/IP. Die Gründe hierfür liegen in der historisch bedingten weiten Verbreitung von TCP/IP-Netzen, der großen Implementierungsbreite (TCP/IP-Anschlüsse stehen für fast alle EDV-Systeme zur Verfügung) sowie der großen Attraktivität für den Anwender durch die Vielzahl der verfügbaren Anwendungen.

Somit stellt sich die Frage nach dem "Wie" einer Migration zu der zukünftigen ISO-Welt. Diese wird im nächsten Artikel beantwortet.

(wird fortgesetzt)

*Karl Reinhart ist ein Geschäftsführer der MultiNet Services GmbH, Pulheim/Köln.