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30.10.1992 - 

Das Engagement der Anwender könnte hoher sein

Trotz MO-Laufwerken und Flopticals: Bei PCs ist das Backup via Streamer gang und gäbe

In puncto Datensicheriheit verfahren viele Anwender nach dem Sankt-Florians- Prinzip. Kontinuierliches Back-up führt meist nur der durch, dem schon einmal Daten unwiederbringlich im Orkus verschwanden. Auf mangelnde oder schlechte Backup -Hard- und Software kann das zurückhaltende Engagement der Anwender keinesfalls zurückgeführt werden. Denn die Auswahl an ausgereiften Lösungen ist groß, wie die Marktübersicht zeigt.

Vergleicht man die Marktentwicklung bei den Festplatten mit der bei Streamern, wird schnell deutlich, wie unsensibel die Anwender in puncto Datensicherheit sind. 1990 wurden weltweit an die 22 Millionen Festplatten an den Kunden gebracht. Die Massenspeicher auf Magnetbandbasis haben laut US-Marktforschungsinstitut.

Freeman daran aber nur einen Anteil von um die 2, I Millionen

Die Gefahr, wichtige Geschäftsdaten durch Defekte oder andere Ursachen zu verlieren, ist jedem Computer inhärent. Doch die astronomisch hohen MTBF-Zeiten der Festplatten wiegen Anwender in vermeintlicher Sicherheit: Auf 100 000 Stunden MTBF spezifiziert beispielsweise Conner die Kato-Serie, und Fujitsus M2652 mit 1,6 GB Speicherkapazität kommt gar auf 200 000 Stunden. Doch fast die Hälfte aller US Unternehmen mußte in den vergangenen zwei Jahren durch Computerdefekte erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen, wie die amerikanische Beratungsfirma Ernst & Whinney ermittelt hat. Rund zehn Prozent der Ausfälle verursachten Kosten von mehr als 50 000 Dollar weil Daten zu rekonstruieren oder erneut zu erfassen waren. Spätestens dann ärgert sich der Anwender, daß er nicht zumindest von den wichtigsten Daten Sicherheitskopien gezogen hat

Wer nur einen Standalone-PC mit 20- oder 40-MB-Festplatte besitzt, kann die wichtigsten Daten und seine Systemkonfiguration durchaus auf Disketten archivieren. Floppies sind eindeutig das preisgünstigste Speichermedium und recht resistent gegen Hitze sowie Feuchtigkeit; zahllose Schreib- und Lesezugriffe machen ihnen nichts aus. Doch abgesehen davon, daß man bereits bei einer 40 MB Festplatte zum Diskjockey wird - Studien belegen, daß die Lust am Backup deutlich sinkt, wenn es zuviel Zeit kostet - , spielt auch die Koerzitivkraft des Beschichtungsmaterials der Datensicherheit möglicherweise einen Streich. Zur "ruhenden" Datensicherung eignen sich Floppies daher nur bedingt.

Beschichtungen aus Barium-Ferrit

Die Koerzitivkraft wird in Oersted angegeben und weist sowohl auf die Magnetisierbarkeit als auch auf die zeitliche Beständigkeit eines Mediums hin. Einfach ausgedrückt: Je höher die Koerzitivkraft, desto enger lassen sich die Bits "zusammenpacken", ohne daß Signalverluste im Lauf der Jahre zu befürchten wären. Heutzutage sind für Disketten Beschichtungen aus Kobalt modifiziertem Eisenoxid mit einer Koerzitivkraft von 700 bis 750 Oersted üblich. Die nächste Diskettengeneration besitzt Beschichtungen aus Barium-Ferrit mit einer Koerzitivkraft von 700 bis 950 Oersted.

Auf jeden Fall empfehlen Diskettenhersteller, die Daten auf den Medien mindestens einmal pro Jahr umzukopieren, damit die Magnetisierung, die aufgrund der Lagerung abnimmt, wieder aufgefrischt wird. Als Speichermedium für professionelle Anwender könnten jedoch die 2,88 -MB- Medien und vor allem die neuen Flopticals, die sich bereits am Markthorizont abzeichnen und dem Anwender pro Diskette 20 MB an Speicher kapazität offerieren, durchaus interessant werden.

Zunehmend attraktiv für die Datensicherung werden auch magneto -

Laufwerke (MO), die sich technisch gesehen hervorragend zur Archivierung eignen. Aufgrund ihrer Schreib- und Lesetechnik sind sie vor Headecrashes gefeit; auf einer Scheibe lassen sich bis zu 650 MB an Daten speichern, und im Vergleich zu den magnetischen Medien haben sie ein wesentlich besseres Langzeitverhalten. Ein Verkaufshemmnis ist allerdings immer noch der Preis, obwohl Marktauguren seit Jahren prognostizieren, er werde in absehbarer Zeit auf vertretbares Niveau fallen. Auch sind die Standardisieruagsbemühungen in Sachen MO nicht sehr weit gediehen, so daß der Kunde dem einmal gewählten Hersteller die Treue halten muß, wenn er sich keine Inkompatibilitätsprobleme einhandeln will.

Traditionell wird das Backup jedoch mit Streamern gefahren. Hier stehen, je nach Bandkassette, Modelle mit Speicherkapazitäten zwischen 40 MB und 4 GB zur Auswahl. Sie arbeiten wie Kassettenrekorder, das heißt, ein Magnetband wird am Schreib- und Lesekopf vorbeigeführt, auf das die Informationen dann in einem sequentiellen Datenstrom aufgezeichnet werden. Verwendet werden 1/4 oder l/2-Zoll-Bänder unterschiedlicher Länge. Am gebräuchlichsten ist wohl die l/4-Zoll-Technik: Von den l990 ausgelieferten 2,1 Millionen Einheiten gingen 1,6 Millionen auf ihr Konto.

Wer sich einen QIC-konformen Streamer kauft, ist in jedem Fall auf der sicheren Seite. Die Abkürzung steht für Quarter-Inch Cartridge Drive Standards. Dieses Komitee, das Anfang der 80er Jahre aus der Taufe gehoben wurde, hat für einheitliche Schnittstellen, Aufzeichnungsformate und -kapazitäten gesorgt. Ständige Mitglieder dieser Interessengemeinschaft sind unter anderem Archive, Mountain Computer, Tandberg, Sony, Teac und 3M .Assoziiert sind ferner Unternehmen wie IBM, Hitachi, Philips und Sysgen.

Die meisten QIC-Formate erfordern keine vorformatierten Bänder; die Daten werden einfach spurweise aufgezeichnet .Ist das Bandende erreicht, läuft es rückwärts, und das Gerät beschreibt die nächste Spur. Das Inhaltsverzeichnis für jede Aufzeichnung steht am Dateianfang. Da es keine Informationen über die Lage der Verzeichnisse gibt, kann die Suche nach einer bestimmten Datei allerdings bis zu 30) Minuten dauern. Einige Hersteller umgehen diese Wartezeit, indem sie ihrer Backup-Software ein Gesamtverzeichnis aller Dateien beigeben. Da die QlC-Norm nur das physikalische Aufzeichnungsformat festlegt, nicht aber die logische Speicherung der Daten, können QlC-Bänder oft nur von dem Gerät beziehungsweise dem Programm gelesen werden, mit dem sie zuvor geschrieben wurden. Es empfiehlt sich, vor einer endgültigen Kaufentscheidung die Probe aufs Exempel zu machen, wenn Sie in Ihrem Unternehmen noch andere Streamer einsetzen und der Neue auch die alten Bänder lesen soll.

Im Gegensatz zu Disketten oder MO-Medien sind Magnetbänder wesentlich empfindlicher und daher vor allem für eine "ruhende" Datensicherung gedacht. Trotz aller Qualitätsverbesserungen ist das Bandmaterial nicht für allzu häufiges Spulen geeignet: Die Wärme und der ständige Zug dehnen das Band. Um die Auswirkungen dieser Belastung gering zu halten, haben die Hersteller in zwischen mit zusätzlichen Features das korrekte Wiedereinlesen sehr gut abgesichert. Tandberg Laufwerke beispielsweise springen im Fall eines Lesefehlers in eine "Reread"-Routine. Dazu wird nach dem erfolglosen lesen eines Blocks das Band zurückgespult und der Kopf jeweils um eine Viertelspurbreite unter- oder oberhalb der Spurmitte positioniert. Somit kommt der Hersteller nach eigenen Angaben auf eine nicht korrigierbare Fehlerrate von weniger als 1O hoch - 15 Fehlern pro Bit. Das heißt, bei einer Cartridge, die mit 525 MB Daten randvoll beschrieben ist, kann ein fehlerhaftes Bit auftreten. Damit läßt sich durchaus leben.

Für l/4-Zoll-Bandlaufwerke gibt es Kassetten im DC2000- und DC6000 Format. Erstere offerieren Kapazitäten zwischen 40 und 120 MB, letztere zwischen 120 MB und 1,4 GB. Die meisten Hersteller geben die Kapazität anstelle der drei Nullen im Produktnamen an: Eine DC2120 entspricht danach der DC2000-Norm und bietet eine Speicherkapazität von 120 MB.

Floppy-Streamer-Lösung für kleine Datenmengen

DC2000 Streamer werden via Floppy -Schnittstelle an den Rechner angeschlossen und passen daher auch größenmäßig in den Einschub eines Diskettenlaufwerks. Wie die Floppies müssen die Magnetbänder zunächst formatiert werden Für 1 MB ist dabei rund eine Minute zu veranschlagen. Und noch einen Nachteil hat die Floppy -Streamer-Lösung: Da der Floppy-Controller oft nur zwei Kanäle besitzt, wird es problematisch, wenn der PC bereits über zwei Diskettenlaufwerke verfügt. Entweder kaufen Sie sich dann einen Controller mit vier Kanälen, oder Sie entscheiden sich für ein multiplexfähiges DC2000-Laufwerk, das sich mit dem Floppy-Laufwerk einen Kanal teilt.

Die Floppy-Streamer-Lösung eignet sich vor allem für kleinere Datenmengen, denn die Datentransferrate ist mit durchschnittlich 500 000 Bit nicht berauschend. Sie müssen beim Streamerkauf also darauf achten, daß Ihr intendiertes Gerät mit der maximalen Übertragungsgeschwindigkeit des Controllers klarkommt.

Ein DC6000-System wird dagegen via SCSI-Port oder über eine herstellerspezifische Schnittstelle am PC angeschlossen. Dadurch ist ein schneller Datentransfer mit 3 und 6 MB möglich. Wer heute Backup macht, verwendet vor allem Streamer. MO-Laufwerke warten immer noch auf den Durchbruch.