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14.10.1977 - 

Sowjets versuchen Technologievorsprung der Amerikaner zu egalisieren:

Trotz Rechner-Defizit besteht die DDR, auf RGW-Computer

BERLIN (ee) - Währen die Sowjets durch Computerkäufe in dem USA zumindest versuchen, den Technologievorsprung des Westens im EDV-Bereich zu egalisieren, rüstet

die DDR ihr Rechnerpotential standhaft mit heimischen, beziehungsweise RGW-Produkten aus der ESER-Serie auf. Dies berichtet Klaus Krakat in einer Analyse der Berliner Forschungsstelle für gesamtdeutsche wirtschaftliche und soziale Fragen. Krakats Arbeit enthält im übrigen eine weitgehende Produktbeschreibung aller derzeit im Arbeiter- und Bauernparadies angebotenen Rechner. Träger der Forschungsstelle "ohne Forschungskonzept" (Krakat) ist das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen.

Die Computerindustrie der DDR wird hauptsächlich durch die beiden Kombinate Robotron (Dresden) und Zentronik (Erfurt) repräsentiert. Robotron übernimmt als Generalauftragnehmer sämtliche Leistungen, die mit, Projektierung, Einsatzvorbereitung und mit Anwendung der EDV-Technik bei allen Anwendern seiner Erzeugnisse in Verbindung stehen; insbesondere die technisch-ökonomische Anwendungsberatung, Lieferung, Montage sowie Inbetriebnahme der möglichen Gerätekonfigurationen, aller technischen Ausrüstungen sowie sämtlicher Prüf- und Meßmittel, die Bereitstellung von Systemunterlagen, die Ausbildung von EDV-Fachkräften und den technischen Kundendienst. Die Leistungen von Robotron werden von Zentronik auf dem Sektor der Klein- und Bürocomputer ergänzt. Daneben , werden in den verschiedenen Produktionsbetrieben von Zentronik EDV-Peripherie, Buchungs- und Abrechnungsgeräte sowie Rechnen- und Schreibmaschinen hergestellt.

Auf dem IX. Parteitag der SED im Mai 1976 wurde die Intensivierung der gesellschaftlichen Produktion zum entscheidenden Kettenglied der weiteren volkswirtschaftlichen Entwicklung bis 1980 erklärt. Als Hauptfaktor der Intensivierung gilt der technische Fortschritt, an dessen Durchsetzung dem Einsatz der EDV ein nicht unwesentlicher. Anteil zugewiesen wird. Unter diesem Aspekt wird die EDV zu einem Instrument und Objekt der Intensivierung, zu einem entscheidenden Mittel für eine Vervollkommnung des Leitungs- und Planungssystems der DDR. Noch konsequenter als bisher soll daher die EDV in der gegenwärtigen Fünfjahrplanperiode (1976 bis 1980) Berücksichtigung in den Planungsüberlegungen finden. Die für den Bereich der EDV bis 1980 im Planteil "Wissenschaft und Technik" festgelegten Entwicklungsziele und Schwerpunktaufgaben wurden zunächst im November 1975 in Dresden auf einer Fachtagung über die "Entwicklung und Anwendung der elektronischen Rechentechnik in der DDR", weiterhin auf Tagungen des ZK der SED in den Jahren 1976 und 1977 sowie schließlich auf dem IX. Parteitag der SED festgelegt.

Die Planungen bis zum Ende der gegenwärtigen Fünfjahrplanperiode im Jahre 1980 sehen vor, daß über 80 Prozent der neu zu installierenden Rechner ESER-EDVA der Reihe I sein sollen. Die restlichen 20 Prozent werden sich dann hauptsächlich auf Kleinrechner aus der Produktion des VEB Kombinat Zentronik und aus RGW-Ländern importierte Nicht-ESER-Anlagen verteilen.

Unter Berücksichtigung der bisher bekanntgewordenen Konzeptionen über die Entwicklung und den Einsatz der elektronischen Rechentechnik wird die Anzahl der bis 1980 verfügbaren Rechner ungefähr 2500 betragen, das heißt etwa dem gegenwärtigen Stand entsprechen. Dabei soll jedoch die Rechnerkapazität bis 1980 auf das Zwei- bis Dreifache erweitert werden. "Die Planungen sehen darüber hinaus die weitgehende Berücksichtigung von Anlagen des ESER (Reihe I und II) vor, denn nach einem ausdrücklichen Hinweis des Direktors des VEB Robotron-Zentrum für Forschung und Technik in Dresden (ZFT) gibt es für die DDR trotz des noch immer bestehenden Rechner-Defizits keinen Anlaß, eine "andere Technik als ESER-Technik zu importieren". Diese Haltung steht ohne Zweifel im Widerspruch zu der beispielsweise auch von der UdSSR gehandhabten Praxis, den enormen Eigenbedarf an leistungsfähigen Rechnern auch durch Anlagenkäufe aus den USA zu decken, um so die Vorteile des Technologievorlaufs der USA auszunutzen. In der DDR zeigten sich daher bereits gegen Ende 1975 die ersten Auswirkungen der eingeschlagenen Entwicklungsrichtung: "Über 50 Prozent der installierten EDVA-Leistungen" wurden "bereits durch ESER-Technik erbracht". Daneben sind jedoch auch Importanlagen aus westlichen Ländern und aus dem RGW sowie Anlagen aus eigener Produktion (Robotron 21, dritte Generation) im Einsatz, um vielfältige Aufgaben zu lösen. Über die genannten Einzelaufgaben hinaus werden "komplexe Organisations- und Datenverarbeitungsprojekte" bisher nur in wenigen Betrieben verwendet. Daher sehen die Planungen über die Entwicklung und die Nutzung der Rechentechnik den Aufbau und die

Realisierung spezieller EDV-Projekte in Verbindung der Entwicklung

und dem Einsatz automatisierter Leitungssysteme (ALS) nach dem Vorbild sowjetischer Leitbilder vor. Um die Realisierung der vielschichtigen Aufgaben sicherzustellen, soll nach den Planvorstellungen die Produktion von Anlagen und Geräten gesteigert und das Einsatzspektrum der EDV erheblich erweitert werden.