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Günstige Kosten, aber kaum ausgereifte Services und Zubehörprodukte


27.09.1991 - 

Trotz seiner Kinderkrankheiten ist ISDN eine DFÜ-Alternative

Die ISDN-Diskussion ist geprägt von den Herstellern, die ein Zauberwerkzeug für das Büro der Zukunft darin sehen wollen. Dem Anwender indes bietet sich ein verwirrendes Bild, so daß er sich verunsichert abwendet, um auf schlüsselfertige Lösungen zu warten. Dabei gibt es heute schon Einsatzmöglichkeiten, die nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich interessant sind. Eine davon beschreibt Thomas Schwickart*.

Der Vorteil dieser Lösung ist, daß sie existiert, funktioniert und Kosten spart: Die Theodorus Niemeyer Holland Tabak GmbH ist ein mittelständisches Handelsunternehmen, das Rauchtabak importiert und flächendeckend in der Bundesrepublik vertreibt. Für die operationellen Systeme des Finanzwesens, der Auftragsabwicklung und der Distribution ist ein Datenverarbeitungssystem Bull DPS 7000 mit 20 Terminals und 6 GB Plattenspeicher im Einsatz. Die anstehenden Aufgaben werden weitestgehend mit Standardsoftware gelöst. Marketing-Aufgaben und Unternehmensplanung werden durch PC-Lösungen unterstützt.

Der lange Weg durch die Instanzen

Die ISDN-Lösung, die hier geschildert werden soll, setzt an bei einem organisatorischen Problem, das die Versorgung der beiden Standorte Düsseldorf und Ratingen (Luftlinie zirka 15 Kilometer) mit Leistungen der DV betrifft. Die aus räumlichen Gründen ein Betrieb der DV-Anlage in Düsseldorf nicht in Frage kommt, ist der Zentralrechner in Ratingen installiert. Die in Düsseldorf befindlichen zehn Terminals und einige PCs sind mit dem Zentralrechner über zwei Cluster-Controller durch zwei Standleitungen (HfD) mit einer Geschwindigkeit von jeweils 9600 Bit/s verbunden. Die jährlichen Kosten dafür belaufen sich auf 17000 Mark.

Die Überlegung ging nun dahin, ob es nicht möglich wäre, die hohe Geschwindigkeit eines ISDN-Anschlusses, der dazu noch eine günstigere Gebührenstruktur aufweist, für diese Verbindung zu nutzen. Rechnerisch würden sich bei 200 stündigem Betrieb im Monat Kosten von jährlich etwa 10 000 Mark ergeben, also eine Einsparung von etwa 40 Prozent.

Eine Anfrage nach einer derartigen Lösung bei Bull wurde vor nunmehr etwa 18 Monaten abschlägig beschieden. Eines Tages erschienen Anzeigen, die Geräte, genannt Terminal-Adapter, anpriesen, die auf der einen Seite die herkömmliche (V24-)Schnittstelle boten, auf der anderen Seite eine ISDN-Schnittstelle. Spiegelbildlich an ein ISDN-Netz angeschlossen, müßte mit diesen Adaptern also das Problem zu lösen sein - mit dem Vorteil der gleichen oder höheren Geschwindigkeit bei deutlich reduzierten Kosten. Eine Nachfrage beim Inserenten ergab eine noch bessere Wirtschaftlichkeit, da das Gerät in der Lage sein sollte, beide Kanäle der ISDN-Schnittstelle zu nutzen, was die Investitionen für die Adapter gesenkt hätte.

Nun begann der lange Weg durch die Instanzen. Immerhin waren vier Partner zusammenzubringen: die Deutsche Telekom, der Computerhersteller Bull, der Adapterhersteller und der Anwender. Die Spezialisten bei Bull waren der Meinung, daß die Lösung technisch funktionieren sollte. Als nächstes also eine Anfrage bei der ISDN-Beratung der Telekom: Dort war man sehr kooperativ, es kamen zwei Herren, einer von der ISDN-Seite und einer, der sich mit Datenkommunikation auskannte. Bei der Diskussion der Lösungsmöglichkeit kamen Bedenken auf, ob der Adapter in der Lage sein würde, das ISDN-Protokoll ohne Nebenstellenanlage zu bedienen. Ein Anruf beim Hersteller bestätigte das Problem (das inzwischen gelost sein soll).

Die Suche nach einem Adapter begann von neuem. Schließlich wurden wir bei der Firma Elmeg in Peine fündig. Nachdem noch einmal detailliert durchgesprochen worden war, was der Adapter leisten mußte, wurde wieder die Telekom aktiviert. Auch hier gab es technisch keine Bedenken mehr. Allerdings konnte der Adapter nur einen ISDN-B-Kanal bedienen, was eine Lösung mit vier statt mit zwei Adaptern erforderte. Es war nun noch die Gebührenseite zu klären. Erstaunlicherweise ergab sich hier eine weitere Einsparung: Es gibt im ISDN-Dienst die Möglichkeit, eine semipermanente Verbindung zu schalten, wodurch die Gebühren zwischen zwei definierten ISDN-Anschlüssen pauschaliert werden. Die Pauschalgebühr beträgt zur Zeit in der Nahzone 274 Mark im Monat. Das entspricht den Kosten von 80 Stunden Verbindungszeit bei einem Zeittakt von 240 Sekunden je Einheit Ó 23 Pfennige. Einsparung: 140 Mark pro Monat.

Wir bestellten also zwei ISDN-Anschlüsse, je einen in Düsseldorf und in Ratingen, sowie zwei Terminaladapter. Bei Elmeg war man so kulant, die Rücknahme der Adapter im Falle des Nichtfunktionierens zuzusagen. Nach etwa 6 Wochen waren beide Anschlüsse installiert, in Düsseldorf bereits nach 3 Wochen. Die erste Überraschung kam mit der Fernmelderechnung. Die semipermanente Verbindung war schon berechnet, bevor die Gegenstelle eingerichtet war. Für die Zeit, in der die Gegenstelle noch nicht eingerichtet war, wurden die Verbindungsgebühren allerdings storniert.

Nun begann der eigentliche Test. Den Adaptern beigepackt war zwar eine Bedienungsanleitung, doch wer nicht schon vorher an ein oder zwei Modemanpassungen verzweifelt ist und die V24-Schnittstelle nicht näher kennt, dürfte zunächst einige Probleme haben, den Adapter richtig einzustellen. Doch auch das gelang bis zum Abend des ersten Tages. Hier war eine Eigenschaft des ISDN-Anschlusses hilfreich: Er besteht aus zwei logisch separaten Telefonanschlüssen, die miteinander über das Amtsnetz in Verbindung treten können. Das ergibt eine ideale Testkonfiguration, bei der beide Endgeräte nebeneinander stehen können.

Zunächst wurde der Anschluß mit zwei PCs mit dem in Windows 3.0 integrierten Terminalprogramm getestet. Hier entfaltete der Adapter seine Stärken. Ob Wahlverfahren nach V25bis oder Hayes, ob synchron oder asynchron, halbduplex oder vollduplex, alles funktionierte nach richtiger Adaptereinstellung problemlos. Geschwindigkeiten sind in den üblichen Schritten bis 19 200 Bit/s einstellbar.

Mit diesen Erfahrung gingen wir an den eigentlichen Test der Verbindung zwischen der TCU und dem Datanet der DPS 7000. Das Wählverfahren wurde auf V25bis eingestellt. Bei der Adaptereinstellung "Festverbindung" wird die eingespeicherte Rufnummer automatisch angewählt, sobald der Terminalcontroller hochgefahren wird. Parameter im Vorrechner wurden nicht umgestellt, es war nach wie vor Standleitungsbetrieb generiert. Das Ergebnis war verblüffend: Es funktionierte auf Anhieb. Beim Abschalten der TCU wurde die Verbindung dann automatisch gelöst.

Nach einem Probebetrieb von drei Tagen, der ohne Störungen verlief, wurde die nächste Etappe angegangen, der Test der semipermanenten Verbindung (SPV). Auch diese Betriebsart beherrscht der Adapter. Hierbei werden von der Telecom in der Vermittlungsstelle die beiden Nummern der zu verbindenden Teilnehmer eingegeben. Dabei ist die Protokollierung auf dem D-Kanal anders als bei einer gewählten Verbindung.

Wie beim Einrichten einer DFÜ-Verbindung nicht anders zu erwarten, gab es schließlich doch noch Probleme: Zunächst war von Seiten der Telecom die SPV für diesen Fall nicht richtig eingerichtet, da die Endgeräte-Auswahlziffern (EAZ) mit angegeben werden mußten. Danach erst konnte die Verbindung aufgebaut werden. Schwierigkeiten bereitete auch, daß aufgrund der Signalisierung beide Seiten versuchten, eine Verbindung aufzubauen, wodurch die jeweils andere Seite nicht ansprechbar war. Hier half eine Umgenerierung des DATANET auf eine Wählverbindung in der Art, daß erst durch den ankommenden Ruf (R1) das entsprechende DTR-Signal auf der Hostseite gesetzt wurde. Nun wollte der bis dahin so willige Adapter nicht mehr. Er schaffte es nicht, sich mit seinem Bruder auf der Gegenseite zu synchronisieren. Hier half ein neuer Satz EPROMs der Firma Elmeg.

Ein dreiwöchiger Test begann. In der Anwendung war kein Unterschied zur Standleitung festzustellen. Wir entschieden uns nach dieser Periode, den Echtbetrieb mit zunächst einer Leitung aufzunehmen. Eine Standleitung wurde also angemietet, das Modem sollte abgeholt werden.

Nun kam Mr. Murphy mit seinem Gesetz in Spiel. Er mußte gehört haben, was wir vorhatten: An dem Tag, an dem das Modem demontiert werden sollte, brach der ISDN-Verkehr völlig zusammen. Die Verbindung brach alle fünf bis zehn Minuten ab; an Arbeit war nicht zu denken. Der Datennetz-Koordinator der Bundespost half uns in letzter Minute, den Abbau der Standleitung zu verhindern. Die Fehlersuche begann. Ein Protokollspezialist der Telekom stellte mit einem Aufzeichnungsgerät Verbindungsabbrüche auf der Leitung fest. Dieser Fehler konnte durch Maßnahmen in der Vermittlungsstelle behoben werden.

Wir waren Mißtrauisch. Vielleicht war Murphy noch da? Er war. Die Verbindung brach am Tag zwei- bis dreimal zusammen. Zu oft, wie wir fanden. Diesmal lag der Fehler im Terminaladapter. Nach Beschaffung neuer EPROMs bei Elmeg hatten wir zwei Wochen lang keinen Abbruch der Verbindung mehr. Seither setzen wir die Lösung standardmäßig auf einer Leitung ein. Probleme sind nicht mehr aufgetreten.