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30.08.1991 - 

Eventuell Minderheitsbeteiligung der France Telecom

Trotz Störmanövers aus Paris steht Sogeti zum Daimler-Deal

MÜNCHEN (qua) - Daß die Regierung Cresson von der Beteiligung der Debis AG an der Sogeti S.A. nicht begeistert sein würde, war vorauszusehen. Offenbar soll der staatliche Telefonkonzern France Telecom nun das Schlimmste verhindern, indem er die für 1995 geplante Übernahme der Sogeti-Mehrheit vereitelt. Das widerspräche allerdings den Interessen des mehrheitlich von Sogeti kontrollierten Softwarekonzerns Cap Gemini Sogeti.

Eines wird die französische Regierung nicht mehr rückgängig machen können: 34 Prozent der Sogeti-Anteile befinden sich quasi bereits in den Händen der Berliner Daimler-Benz-Tochter. "Wenn die Europäische Gemeinschaft nichts dagegen hat, und das hat sie nicht, dann kann die französische Regierung dazu nicht nein sagen", beteuert Kaj Green, Geschäftsführer der Cap Gemini SCS GmbH in Hamburg.

Wenn sie es geschickt anstellen, können Madame Cresson und ihre Mitarbeiter möglicherweise jedoch verhindern, daß Debis 1995 in den Besitz der Sogeti-Mehrheit gelangt. Einem Bericht der französischen Tageszeitung "Liberation" zufolge hat die französische Regierung die zu 100 Prozent staatliche Telefongesellschaft France Telecom angewiesen, das deutsche Angebot zu überbieten. Der Staatskonzern selbst wollte sich dazu nicht äußern.

Die Öffentlichkeitsarbeiter der Debis AG hingegen waren augenscheinlich bestens vorbereitet: Auf Anfrage verlas Pressesprecher Hans-Christian Maaß ein vorgefertigtes Statement, das er weder ergänzen noch kommentieren wollte, dessen Kernsatz jedoch einem Dementi gleichkommt: "Uns liegen keine Signale oder Hinweise vor, die die Spekulationen der französischen Zeitung 'Liberation' nähren könnten."

Informationsfreudiger gab sich die deutsche Cap-Gemini-Niederlassung. "Es ist richtig, daß einige Mitglieder der französischen Regierung es lieber gesehen hätten, wenn unser neuer Partner ein Franzose gewesen wäre", räumt Geschäftsführer Kaj Green ein. Der gebürtige Schwede leugnet auch nicht, daß Paris versucht, die von Debis angestrebten Anteile selbst zu übernehmen.

Allerdings rührt die negative Einstellung der französischen Regierung gegenüber dem ausländischen Investor nach Darstellung der beteiligten Unternehmen offenbar von einem Mißverständnis her. Unabhängig voneinander betonen sowohl Debis als auch Cap Gemini, daß sie von der Idee eines europäischen - statt eines deutschen oder französischen - Unternehmens geleitet würden. O-Ton Debis: "Daimler-Benz möchte gemeinsam mit Cap Gemini ein europäisches Unternehmen mit einem europäischen Management formen." Ähnlich klingt das bei Green: Cap Gemini wolle nicht nur eine französische Firma sein, sondern eine europäische werden.

Nach Ansicht des Cap-Gemini-Präsidenten Serge Kampf ergibt es, so Green, keinen Sinn, einen französischen Partner wie die France Telecom ins Boot zu nehmen. Außerdem spreche der Behördencharakter des Staatsunternehmens gegen eine finanzielle Beteiligung in größerem Stil. Gleichwohl pflege der Dienstleister mit seinem wichtigsten Kunden ein freundschaftliches Verhältnis. Wie Green erläutert, sprechen die beiden Unternehmen "fast öffentlich" über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit.

Außerdem überrascht Green mit der Bemerkung, es sei durchaus möglich, daß sich France Telecom an Cap Gemini Sogeti beteilige - höchstwahrscheinlich aber nur mit einer Minderheit von maximal zehn Prozent. Dagegen hätte Green auch nichts einzuwenden: "Aus meiner Sicht wäre es ideal, wenn wir einen guten Freund in Stuttgart hätten und die France Telecom dazu."

Sollte jedoch eine Finanzspritze der France Telecom die Partnerschaft mit der Debis AG ersetzen, sähe Green die Interessen der Cap Gemini Sogeti gefährdet. Die Telecom-Beteiligung wäre nur "eine Bestätigung unserer Zusammenarbeit"; in Debis sehe er hingegen einen "langfristigen strategischen Partner mit wachsendem Einfluß in unserem Konzern".

Die Bedeutung, die Debis für Cap Gemini hat, erschöpft sich laut Green keineswegs in der finanziellen Unterstützung. Die Daimler-Benz-Tochter sei auch ein starker Parnter "für die neuen und - so glauben wir - stark wachsenden Märkte Outsourcing und Kommunikation."

Diese Äußerung klingt zunächst verblüffend - angesichts der Tatsache, daß sich Cap Gemini an den Outsourcing-Aktivitäten des Debis Systemhauses nur zu einem knappen Zehntel beteiligt.

Doch Green liefert eine plausible Erklärung: Der intern CCS genannte Geschäftsbereich des Debis Systemhauses arbeite heute hauptsächlich für den Daimler-Benz-Konzern; folglich ergäbe es für Cap Gemini nicht viel Sinn, die Hälfte davon zu übernehmen. Langfristig werde Outsourcing jedoch ein wichtiger Teil des Cap-Gemini-Geschäftes sein, "und da spielt Debis eine wichtige Rolle".