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27.06.2008

Trotz Stress - Weiterbildung ist Pflicht

Ein voller Terminkalender seiner Mitarbeiter beeindruckt Esprit-Manager Norbert Kauer nicht. Er verlangt im CW-Gespräch mit Hans Königes* vor allem vom Nachwuchs ständige Weiterbildung.

CW: Wie kam es zu Ihrem Förderungsprogramm für den IT-Nachwuchs?

KAUER: Der Ausgangspunkt war, dass Esprit Consulting auf der Suche nach jungen Beratern war, um das Wachstum zu sichern. Deshalb entstand im Rahmen eines Management-Workshops die Idee, vermehrt Absolventen einzustellen, die wir dann über ein Juniorenprogramm an das Projektleben heranführen. Das größte Problem stellten dabei zunächst die knappen internen Ressourcen dar. Erfahrene Berater müssen als Mentoren viel Zeit investieren, um eine intensive Betreuung der Junioren gewährleisten zu können - und dies war ein erklärtes Ziel. Nach den ersten beiden Programmen hat Esprit die Erfahrung gemacht, dass sich diese Investitionen lohnen, denn bereits nach wenigen Monaten zeigte sich, dass die Neuausgebildeten gute Projektarbeit leisteten.

CW: Aus welchen Elementen besteht Ihr Programm?

KAUER: Wir unterscheiden eine fachliche und eine soziale Ebene: Auf der fachlichen gibt es eine Grundausbildung in der Beratung. Den Junioren wird dabei das Handwerkszeug für ihre Beraterlaufbahn wie die Einführung in das Projekt-Management oder die Prozessoptimierung mitgegeben. Außerdem bekommen sie erste Einblicke in Projekte. Auf sozialer Ebene werden sie besonders auf Teamfähigkeit, Moderation und Kommunikation geschult.

CW: Was unterscheidet Ihr Einstiegsmodell von dem anderer Arbeitgeber?

KAUER: Die jungen Berater lernen am besten durch den Einstieg in ein Projekt, deshalb versuchen wir sie so schnell wie möglich in laufende Vorhaben zu integrieren. Wichtig ist uns aber, dass wir sie nicht allein lassen, sondern dass sie im Projekt immer einen erfahrenen Esprit-Mitarbeiter als Ansprechpartner haben. Viele große Beratungsunternehmen spannen junge Mitarbeiter oft so schnell in Projekte ein, dass ihnen keine Zeit für Weiterbildungen bleibt - gerade am Anfang des Berufslebens ein großer Fehler. Wir vermeiden dies dadurch, dass unsere Junioren an allen Workshops und Schulungen teilnehmen müssen, auch wenn sie bereits in einem Projekt arbeiten.

CW: Wie sieht die Ausbildung aus?

KAUER: In den ersten drei Monaten findet vor allem klassisches Training statt. Beispielsweise durchlaufen die Teilnehmer Workshops zu den Themen MS Office, Präsentation und Moderation, Projekt- sowie Zeit-Management. Außerdem stellen sich die verschiedenen Beratungsbereiche vor und übergeben den Trainees erste Aufgaben wie Marktuntersuchungen, Benchmarkings und Konkurrenzanalysen. Dabei läuft alles wie in einem realen Kundenprojekt ab: Methodisch sauber, strukturiert und zeitnah sind die Aufgaben zu erledigen und für die jeweilige Zielgruppe aufzubereiten. Die jungen Leute stellen zum Beispiel in einem Prozess dar, wie die firmeneigene Kostenpolitik funktioniert, oder erstellen Service-Level-Agreements für SAP- Anwendungen. Aber auch fachlich werden die Junioren fit gemacht: Es gibt Lerneinheiten zu IT-Strategien, IT-Architekturen, Beschaffungsprozessen, Vertriebs- und Marketing-Strategien sowie fundiertes Branchenwissen der verschiedenen Beratungsbereiche.

CW: Welche Chancen haben Quereinsteiger?

KAUER: Wir beschäftigen Mitarbeiter aus allen Studienrichtungen: Informatiker, Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure, aber auch Psychologen, Archäologen, Soziologen und sogar Mitarbei-ter, die ein Musikstudium absolviert haben. Aber eine starke IT-Affinität ist in jedem Fall eine ganz wesentliche Voraussetzung. Darüber hinaus sind uns Flexibilität, gute Kommunikationsfähigkeit, eine hohe Lerngeschwindigkeit sowie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, besonders wichtig.

CW: Würden Sie sich wieder für eine Beraterlaufbahn entscheiden, wenn Sie heute noch einmal anfangen könnten?

KAUER: Ja, denn die Arbeit in einer Unternehmensberatung ist sehr abwechslungsreich und spannend. Verschiedene Projekte stellen immer wieder neue Herausforderungen dar, die einem sowohl in der fachlichen wie auch persönlichen Entwicklung weiterhelfen. In großen Unternehmen gibt es häufig lange Entscheidungswege und starre Hierarchien, als externer Berater ist man da flexibler. Deshalb ist es für mich ein klarer Vorteil, in einem kleinen Unternehmen zu arbeiten.

CW: Ziemlich rosarat, dieses Leben.

KAUER: Natürlich hat das Beraterleben auch Nachteile: Häufig übernachtet man wochenlang im Hotel - das ist auf die Dauer anstrengend. Angesichts der hohen Reisetätigkeit muss man viel Energie aufwenden, um seine persönlichen sozialen Bindungen aufrechtzuerhalten.

CW: Und was war die größte Herausforderung in Ihrer aktiven Projektlaufbahn?

KAUER: Mein erstes Projekt: Ich kam als BWL-Absolvent mit Versicherungshintergrund in ein Projekt bei einer großen Versicherung und musste in PL/1 programmieren, obwohl ich zuvor nie programmieren gelernt hatte. Es war eine wirkliche Herausforderung, aber ich habe sie angenommen und mich durchgekämpft. Diese Einstellung hilft mir auch heute noch in schwierigen Projektsituationen.

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