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16.03.1990 - 

CeBIT-Informationsbörse und Riesenshow für Große

Trotz Unübersichtlichkeit kann kaum jemand auf einen Besuch verzichten

Lohnt sich die CeBIT-Teilnahme überhaupt? Für die Veranstalter ist das natürlich eine völlig überflüssige Frage. Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben - die Hannover-Messe CeBIT wächst von Jahr zu Jahr - sowohl, was die Ausstellerzahl betrifft, als auch in bezug auf das Besucheraufkommen. Andererseits will die Kritik an der CeBIT nicht verstummen: Vielen Ausstellern wird die Sache allmählich zu aufwendig, nicht wenige Besucher beklagen den "Rummel" in Hannover - das Verhältnis zur CeBIT ist bei beiden Gruppen durch eine Art von Haßliebe geprägt.

Die Besucher stehen in jedem Fall vor dem Problem, daß selbst ein ganzer Stab von Messe-Freiläufern niemals in der Lage sein wird, sich über ein bestimmtes Anwendungsgebiet, geschweige denn über DV-Trends, tatsächlich umfassend zu informieren und dabei auch noch den Brutto-Input um die unvermeidlichen Marketing-Beigaben zu reduzieren. Viele CeBIT-Besucher früherer Jahre haben davon die Nase voll und nutzen andere Wege der Informationsbeschaffung. Andere möchten die Chance nicht missen, über Vergleichsmöglichkeiten, an einem Ort konzentriert, verfügen zu können. Diese Anwender haben das Problem der Input-Selektion gelöst, sind mit ihrer Lösung zufrieden und plädieren daher für die CeBIT.

Mir bietet ein Messebesuch die Gelegenheit, ganz konkrete Themen möglichst schnell, umfangreich und informativ abwickeln zu können. Wenn ich ein bestimmtes Produkt, zum Beispiel ein Tool, aussuchen muß, dann notiere ich mir drei oder vier Hersteller, gehe gezielt auf sie zu und lasse mir ihre Angebote vorführen. Diese drei oder vier Termine müßte ich ansonsten im Laufe von Wochen oder Monaten zusammenstellen und wahrnehmen.

Einen Informations-Background muß ich mir allerdings bereits vorher beschafft haben. Man sollte nicht unbedarft auf die CeBIT gehen; man benötigt ein bestimmtes Primär- oder Basiswissen, sonst hat der Besuch keinen Wert. Man kommt dann mit einem Kopf voller Informationsmaterial aus der Messe heraus und hat in bezug auf seine eigentlichen Fragen und Probleme nichts erreicht.

Wenn ich Informationsmaterial benötige, kann ich mir das natürlich auch von den Firmen schicken lassen. Im konkreten Fall hilft mir das aber nicht weiter. Ich möchte den persönlichen Kontakt mit dem Anbieter aufnehmen - möglichst nicht mit Vertriebsmenschen, sondern mit Leuten, die etwas von der Sache verstehen -, und diese Gelegenheit finde ich auf der CeBIT in konzentrierter Form vor. Ich kann meinen Fragenkatalog in zwei Tagen abarbeiten. Das ist also auch eine Frage der Kostenminimierung.

Letztes Jahr wollte ich mir zum Beispiel ein Dump-Analyse-Tool besorgen. Ich habe mich im Vorfeld informiert, welcher Hersteller so etwas bietet, und bin auf sieben oder acht Lieferanten gekommen. Die habe ich dann mit meiner Checkliste aufgesucht und mich 15 oder 20 Minuten über jedes Produkt informieren lassen. Dabei ist dann mindestens die Hälfte aufgrund nicht erfüllter K.o.-Kriterien ausgeschieden. Die restlichen Anbieter - drei oder vier sind übriggeblieben - habe ich dann zu mir eingeladen oder habe sie direkt besucht.

Die CeBIT ist sicherlich mit das Beste, was im deutschen DV-Umfeld an Messen geboten wird. Aus meiner Abteilung fahren Bereichsverantwortliche mit den Schwerpunkten Systementwicklung, Technical Support einschließlich Telekommunikation und Software sowie Operating nach Hannover.

Diese Mitarbeiter bereiten sich inhaltlich auf ihren Messebesuch vor, vorrangig natürlich auf Themen, die bei uns im Hause als Planungskonzept anstehen, Man fährt nicht hin und sagt: "Let?s go and see!" - Allerdings machen wir in den meisten Fällen keine Terminabsprachen, sondern entwickeln bestimmte Vorstellungen von den Ständen, die besucht werden sollen. Mit diesen Vorstellungen als Filter suchen wir dann die Firmen aus, die wir kontaktieren. Zum Schluß, wenn die anstehenden Themen abgearbeitet sind, gehen meine Leute dann noch ein bißchen herum und entdecken unter Umständen das eine oder andere.

Aus meiner Sicht ist die CeBIT nicht der Platz, an dem man bereits Details erarbeitet und Geschäfte tätigt, sondern eine Anlaufstelle, um Informationen zu bekommen und künftige Partner zu selektieren. Man besorgt sich das technische Material, das bekanntlich en masse geliefert wird, spricht die Verhandlungspartner kurz an und trägt ihre Visitenkarten zusammen.

Das, was uns als Anwender eigentlich interessiert, erfahren wir nach der Messe bei uns im Büro in Einzel-Meetings. Es sind so viele Messebesucher dort, daß die armen Leute auf den Ständen sich den einzelnen gar nicht lange genug zuwenden können.

Große, sehr aufwendige Stände sind eigentlich das gleiche wie jede andere Form von Werbung: Was da passiert, ist zum großen Teil das Heraushängen des Firmen-Images. Wenn man alles ein bißchen kleiner machen würde, benötigten die Firmen nicht so große Werbeetats, und vielleicht würden die Kunden das sogar am Preis merken.

Bei manchen Ausstellern, die sich besonders großartig präsentieren, könnte man auf die Idee kommen, daß sie es nötig haben, von weniger guten Produkten abzulenken. Es ist wie beim Window-shopping: Vorne viel, hinten gar nichts. Weniger könnte durchaus mehr sein; es müßte nur fachlich qualifiziert gebracht werden.

Ich finde allerdings, daß die CeBIT ihren Stellenwert nicht zu Unrecht hat, und daß sie eine Einrichtung bleiben sollte.

Wir werden auf der CeBIT vertreten sein. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Man informiert sich bei den Herstellern, mit denen man im Alltag zu tun hat, was es an Neuheiten gibt. Natürlich wird man auch außerhalb der Messe laufend über Neuentwicklungen unterrichtet aber es ist unabdingbar, Kontakt zu den Ansprechpartnern zu halten. Außerdem kann man bei der Gelegenheit das ganze Umfeld, also die Produkte, mit denen man sonst wenig zu tun hat, betrachten.

Mit Sicherheit gibt es eine Art Präsenzpflicht im Sinne von "Gesichtspflege". Verschiedene Hersteller treten normalerweise nicht mit uns in Kontakt, weil wir keine Geschäftsverbindungen mit ihnen haben. So ist es auch die Funktion der großen Stände, daß sie diese Kontaktaufnahme erleichtern. Eine Quelle für harte, aktuell verwertbare Information durch Fachleute sind sie in der Regel allerdings nicht.

Eine inhaltliche Vorbereitung auf den CeBIT-Besuch betreiben wir nicht; eigentlich machen wir nur Termine, um damit die Zeit auf der Messe sinnvoll ausnutzen zu können. Dazwischen bleibt dann meistens noch etwas Luft, sich andere Präsentationen anzuschauen, die gerade auf dem Weg liegen. Wir planen jedoch keine Zeit ein, in der wir uns ohne terminliche Orientierung einfach nur umschauen.

Die CeBIT zeichnet sich aus meiner Sicht durch eine Ballung von Spezialangeboten an Hard- und Software auf engem Raum aus. Dadurch, daß gerade das Softwareangebot sich ständig vergrößert, wird diese Seite der Präsentationen allerdings recht unübersichtlich. Wenn man bestimmte Lösungen sucht, müßte man eigentlich von Hersteller zu Hersteller gehen, um sich einen Marktüberblick zu verschaffen. Das kann man aber unmöglich leisten. Sehr viele kleine Firmen haben zwar unter Umständen eine Lösung anzubieten, aber die muß man erst mal finden.

Ich glaube nicht, daß aufgrund der Präsenz von Großfirmen auf Messen wie der CeBIT irgendwelche Investitionsentscheidungen getroffen werden. Der Riesenaufwand ist durch die Imagefrage motiviert. Wenn eine Firma ihren Messestand reduziert, steht sofort die Frage nach ihrer Kreditwürdigkeit im Raum. Die Unternehmen können oft gar nicht zurück. - Imagepflege ist also ein Punkt, der andere sind die Streicheleinheiten, welche auf Großmessen an die guten Kunden verteilt werden.

Ich war im letzten Jahr mit der ganz konkreten Zielvorstellung auf der CeBIT, meinen Wissensstand über den Bereich Software-Engineering zu komplettieren. Schon im Vorfeld habe ich Unternehmen ausgewählt, deren Tools mich, was ihre Leistungsfähigkeit und ihren Entwicklungsstand angeht, besonders interessierten. Ob ich dieses Jahr hinfahre, weiß ich noch nicht, weil derzeit kein konkreter Informationsbedarf, keine Zielvorgabe existiert. Im letzten Jahr war ich mit dem Ergebnis zufrieden; schließlich hat man in der Regel keine Schwierigkeiten, die ausgewählten Firmen ausfindig zu machen. Wenn aber jemand zur CeBIT fährt mit dem Ziel, sich einen Gesamtüberblick über die Informationsverarbeitung zu verschaffen, wird er schnell mit Material erschlagen über Produkte, die zwar ausgestellt, aber unter Umständen noch nicht einmal realisiert sind.

Auf der CeBIT mache ich den mittleren Auswahlschritt: Ich gehe mit einer Grobübersicht der Anbieter auf die Messe und schränke dort die Menge durch persönliche Gespräche ein, bin also nicht auf Papierinformationen angewiesen. Wenn ich geschickt frage, bekomme ich auch Schwächen eines Produktes heraus. Von den Übriggebliebenen hole ich dann zu Hause die Detailinformationen ein.

Natürlich ist die Messe auch eine Show für Großunternehmen. Ich käme nie auf die Idee, zum Nixdorf-Stand zu gehen, um mir da die ganz tollen Sachen anzuschauen. Für mich als Berater bringen sie nichts; ich glaube aber schon, daß sie ein Forum für Anwender sein können. Wenn Vorstände sich auf den Ständen ihrer Systemhersteller treffen, kann schon etwas Positives dabei herauskommen. Für uns als Bezieher von Dienstleistungen der Informationsverarbeitung sind solche Groß-Präsentationen jedoch vernachlässigbar.

Ich habe zwar einige Sachen, die ich mir gern ansehen würde, weiß aber noch nicht hundertprozentig, ob ich zur CeBIT gehen werde. Ich bin deshalb noch unschlüssig, weil ich finde, daß mittlerweile die Überschaubarkeit nicht mehr gegeben ist.

Normalerweise habe ich als CeBIT-Besucher einerseits eine Liste mit Punkten, die ich gern abarbeiten möchte, und vereinbare womöglich entsprechende Termine. Andererseits habe ich bisher auch immer einige Zeit damit verbracht, mir spontan einige Sachen anzuschauen.

Was mich am meisten interessiert, nämlich der Bereich Systemprogrammierung, ist auf der CeBIT eigentlich nur schwach vertreten.

Außerhalb der Messe hat man hier doch bessere Möglichkeiten, sich Informationen zu verschaffen. IBM ist natürlich da, aber es fehlt an Anbietern von Fremdsoftware für die Großsysteme.

Ich bin seit Jahren nicht auf der CEBIT gewesen, weil es nichts mehr bringt. Ich informiere mich aus anderen Quellen. Es reicht mir, was ich täglich an schriftlichen Produktinformationen auf den Schreibtisch bekomme. Die CeBIT ist zu groß und zu unübersichtlich; schon die Vororientierung ist bei der großen Anzahl an Ausstellern ein Problem.

Es kann ja sein, daß manch einer Wert darauf legt, sich einfach sehen zu lassen. Ich beurteile eine Messe allein nach ihrem Informationspotential. Wenn das nicht vorhanden ist, gehe ich nicht hin.