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28.02.1997 - 

PC-Software-Branche und das Börsenjahr 1996

Trotz Wallstreet-Hausse lohnt eine Wette auf Microsoft

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Kapitalausstattung der börsennotierten US-Technologieunternehmen von 300 Milliarden auf 1,1 Billionen Dollar erhöht. Der High-Tech-Sektor war damit einmal mehr "Top-Performer" im US-Branchenvergleich. Unter den Technologiewerten besonders erfolgreich schnitten die PC-Software-Hersteller ab. Allen voran natürlich Microsoft. Die Mannen um Bill Gates haben es dank einer Kursverdoppelung geschafft, in den exklusiven Club der Unternehmen vorzustoßen, die mit einem Börsenwert von mehr als 100 Milliarden Dollar gehandelt werden.

Die Erfolgsgeschichte ausgewählter PC-Software-Titel könnte 1997 ihre Fortsetzung finden. Grundvoraussetzung dafür ist ein weiterhin "produktives Umfeld" für die Wallstreet - eine weltweit anhaltende deflationäre Tendenz und dadurch bedingte niedrige Zinsen dürften ein entsprechendes Klima garantieren. Katalysator für die PC-Software-Branche ist wiederum das Internet. Die Situation ist, wenn überhaupt, vergleichbar mit den frühen 90er Jahren, als es durch die von Microsofts Windows ausgelöste "Modernisierungswelle" im PC-Business reihenweise zu positiven Gewinnüberraschungen sowohl bei den einschlägigen Hardware- als auch Softwareherstellern kam.

Das Internet dürfte nach heutigem Kenntnisstand ein Massenmedium der Zukunft sein. Sein Status heute ist - auch wenn der Vergleich etwas hinkt - dem des Fernsehens in den 50er Jahren gleichzusetzen. Immerhin wird sich jüngsten Schätzungen zufolge allein dieses Jahr im "DV-Entwicklungsland" Deutschland die Zahl der Internet-Benutzer verdoppeln - und zwar auf dann rund drei Millionen. Konservative Prognosen gehen für das Jahr 2000 von weltweit 50 Millionen an das Web angeschlossenen Teilnehmern aus; Optimisten rechnen mit 200 Millionen Menschen, die dann im Internet surfen.

Intel-Chef Andrew Grove sagte unlängst öffentlich voraus, daß die Zahl der verkauften PCs 1998 weltweit erstmals die Schwelle von 100 Millionen Stück überschreiten wird. Damit würden erstmals mehr PCs als Fernseher verkauft. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gingen etwa 70 Millionen PCs über den Ladentisch. Mit anderen Worten: Die multimediale Kommunikationsfähigkeit des PCs in Verbindung mit einem Internet-Anschluß wird aller Voraussicht nach das klassische Fernsehen verdrängen.

Doch zurück zur PC-Software-Industrie beziehungsweise zur Performance einzelner Titel im vergangenen Jahr. 1996 alles in allem nur unterdurchschnittlich abgeschnitten hat beispielsweise Adobe Systems - ein Trend, der sich bei dieser Company auch 1997 fortsetzen dürfte. Ebenfalls wenig Freude bereitete Intuit seinen Aktionären. Nach einem Spitzenwert von 75 Dollar je Aktie zum Jahreswechsel 1995/96 hat sich der Kurs des Titels im Jahresverlauf 1996 halbiert. Auch Macromedia zählte während der zurückliegenden zwölf Monate nicht gerade zu den Favoriten der Wall Street. Nach einem Hoch von 50 Dollar Anfang 1996 verlor die Notiz bis zum Dezember 1996 mehr als die Hälfte ihres Wertes.

Nicht viel anders stellte sich die Situation beim Höhenflieger der 80er Jahre, Novell, dar. Nach einem Hoch im April 1995 von über 22 Dollar brach der Aktienkurs des Netzwerk-Spezialisten im vierten Quartal 1996 auf weniger als zehn Dollar ein. Im Fahrwasser der allgemeinen Rekordstimmung an der Wallstreet konnte sich die Notiz dann immerhin auf zwölf Dollar erholen. Im wahrsten Sinne des Wortes auf dem falschen Fuß erwischt wurden auch die Borland-Aktionäre. Notierte dieser Titel Anfang 1996 noch bei über 20 Dollar, so fiel der Kurs bis November vergangenen Jahres auf fünf Dollar - also ein Minus von sage und schreibe 75 Prozent! Die Symantec-Anteilseigner hatten ihr Waterloo indes schon zum Jahreswechsel 1995/96 erlebt, als der Kurs der Aktie auf einen Wert von zehn Dollar einbrach, nachdem das Papier noch ein Vierteljahr vorher mit 32 Dollar und mehr gehandelt worden war. Seither dümpelt die Notiz zwischen zehn und 18 Dollar vor sich her.

Bei der Verteilung von Noten ist in dieser Branche allerdings immer eines zu berücksichtigen: Die einzige Substanz von Aktien der Softwarehersteller ist die Qualität und die Marktstellung der jeweiligen Produkte. Die normale Logik bei der Betrachtung von Aktiengesellschaften, deren Titel beziehungsweise der entsprechende Kursverlauf in der Regel eine gesunde Mischung aus Substanz- und Ertragsphantasie darstellen, funktioniert hier nicht. Sobald sich die Markt- respektive Ertragsposition verändert, ergeben sich nachhaltige Zweifel an der Substanz des entsprechenden Unternehmens. Deshalb sind besagte Titel durch eine weitaus höhere Volatilität (Schwankung) als andere Divendenpapiere gekennzeichnet.

Kommen wir zum Schluß noch einmal zum PC-Software-Marktführer, zu Microsoft. Unter den einschlägigen Anbietern dürfte die Gates-Truppe auch 1997 ein besonders interessantes Chance-Risiko-Verhältnis bieten. Letzteres ist schnell definiert und begründet sich vor allem durch eine sich mittelfristig abzeichnende Verlangsamung des Wachstums bei PC-Neuinstallationen. Aufgrund seiner Marktstellung ist das Unternehmen jedoch anders als etwa die Hardware-Hersteller über den Preis weniger direkt angreifbar.

Eine Wette auf den "PC-Giganten" Microsoft ist aber nicht nur eine Wette auf das Unternehmen und den PC-Software-Markt, sondern auch auf die US-Börse insgesamt. Wesentlich wohler würde man sich fühlen, die Aktie auf einem niedrigeren Niveau empfehlen zu können. Dennoch, gerade bei der Microsoft-Aktie, dem Schlüsselwert der PC-Software-Branche schlechthin, gilt der alte Börsianerspruch: Buy high, sell higher!.

Analyse

Welches IT-Marktsegment hat in den zurückliegenden zwölf Monaten welche Rolle auf dem internationalen Börsenparkett gespielt? Welche Companies zählten bei den Wallstreet-Analysten zu den Lieblingen, welche zu den Verlierern? Die COMPUTERWOCHE bringt ab sofort in unregelmäßigen Abständen eine branchenspezifische Rückschau auf den Kursverlauf der Aktien der entsprechenden Hersteller. Den Anfang macht eine Betrachtung der PC-Software-Branche.

*Arnd Wolpers ist Geschäftsführer der Vermögensverwaltungsgesellschaft CMW GmbH in München.