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02.03.2016 - 

TrutzBox von Comidio im Test

Trutzburg gegen Daten-Tracking

Frank Ziemann war 20 Jahre lang selbstständiger IT-Sicherheitsberater und Übersetzer englischsprachiger Fachartikel. Er ist Gründer des Hoax-Info-Service (http://hoax-info.de) an der TU Berlin, den er seit 1997 betreibt.
Mit einem Heim-Server auf Linux-Basis will ein hessisches Unternehmen seine Kunden vor Datensammlern schützen. Wir haben für Sie getestet, was die TrutzBox leisten kann.

Das kleine Unternehmen Comidio aus dem hessischen Eltville hat sich den Schutz der Internet-Nutzer vor Datensammlern auf die Fahne geschrieben. Mit der TrutzBox, einem Internet-Gateway auf Linux-Basis, bietet Comidio eine leistungsfähige Hardware-Lösung, die einfach zu bedienen sein soll. Zu schützende Rechner, Tablets, Smartphones und Smart-TVs werden an die TrutzBox angeschlossen, die alle potenziell unerwünschten Tracking-Versuche aus Werbenetzwerken ausfiltern soll. Außerdem bietet die TrutzBox einen Mail-Server mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Anonymität über das Tor-Netzwerk.

Die Hardware-Basis wird zugekauft und derzeit praktisch zum Selbstkostenpreis abgegeben. Das taiwanesische Unternehmen PC Engines bietet die Hardware unter der Bezeichnung APU1D4 als leistungsfähigeren Nachfolger seiner schon länger angebotenen ALIX-Systeme an. Auf dem Mainboard werkelt eine x86-kompatible Zwei-Kern-CPU (Bobcat) aus AMDs G-Serie (T40E) mit 1 GHz Takt und 4 GB RAM. Sie hat wesentlich mehr Leistungsreserven als die Rechenwerke in einer FritzBox oder einem Raspberry Pi. Als Massenspeicher dient eine interne SDHC-Karte mit 16 GB. Das Board bietet auch die Möglichkeit eine mSATA-SSD zu verbauen. Das Gehäuse mit einer Kantenlänge von 17 x 16 cm ist etwas über 3 cm hoch. Als nach außen geführte Anschlüsse sind dreimal LAN, zweimal USB, eine neunpolige RS232-Buchse sowie eine Buchse für die Stromversorgung (12 V) vorhanden.

Lieferumfang

Im Lieferumfang sind neben der TrutzBox ein 12-V-Steckernetzteil, ein zwei Meter langes Netzwerkkabel, ein WLAN-USB-Adapter der Firma TP-Link (TL-WN722N; 150 Mbps; 802.11b/g/n) und ein USB-Verlängerungskabel enthalten. Letzteres kann genutzt werden, um den WLAN-Adapter empfangsgünstig zu positionieren. Ein gedrucktes Handbuch gibt es hingegen nicht – lediglich eine zweiseitige Kurzanleitung für die Inbetriebnahme wird mitgeliefert. Ein ausführliches Handbuch finden Sie auf der Comidio-Website, ebenso ein Kompendium, das viele Details über die TrutzBox enthält und über die Gefahren im Internet informiert, vor denen die TrutzBox schützen soll. Das Kompendium ist auch als PDF-Datei zum Download erhältlich.

TrutzBox-Symbol im Browser
TrutzBox-Symbol im Browser

Comidio installiert eine auf Linux-Basis (Debian Jessie) selbst entwickelte Software, die über den Web-Browser bedient wird. Das Herzstück sind die Web-Filter, die der Hersteller ebenso wie die übrige Software bei Bedarf per Online-Update aktualisiert. Des Weiteren ist ein Mail-Server integriert, der den Austausch Ende-zu-Ende-verschlüsselter Mails zwischen TrutzBox-Nutzern ermöglicht. Eine Erweiterung der Mail-Funktionalität um etwa PGP-kompatible Verschlüsselung für den Austausch mit beliebigen Mail-Nutzern ist noch in der Entwicklung. Als Virenscanner ist ClamAV installiert.

Auch ein „TrutzRTC“ genanntes Video-Chat-System wird derzeit entwickelt. Es soll ähnlich wie Firefox Hello auf dem Standard WebRTC aufbauen und ebenfalls Ende-zu-Ende verschlüsselt sein. Ein wesentlicher Unterschied ist allerdings, dass der Chat-Server auf der TrutzBox laufen wird und nicht wie bei Firefox auf einem Server eines Unternehmens. Damit können, anders als etwa bei Skype oder anderen Chat-Systemen, der Hersteller oder Dritte nicht mitlauschen. Nur einer der Chat-Teilnehmer muss eine TrutzBox haben.