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02.02.1996

Tue Gutes und rede darueber

Christoph Witte

Nicht selten betrachten Unternehmenslenker die DV-Abteilungen ihrer Haeuser als teures, aber notwendiges Uebel. Da sie weder genau wissen, welche Leistungen die IS-Teams erbringen, noch, was diese kosten, streichen sie die DV-Budgets zusammen und leihen Outsourcing-Beratern ein offenes Ohr. Bewusst sind Topmanagern nur die Probleme, die IS-Abteilungen aufwerfen, anstatt sie zu loesen. Sie gelten oft als ineffektiv, zu teuer und zu allem Ueberfluss auch noch nicht geneigt, dem Endanwender zu helfen.

An dieser geringen Wertschaetzung leiden DV-Abteilungen vor allem aus zwei Gruenden: Sie betreiben kein eigenes Marketing, und sie verstehen sich zuwenig als Dienstleister.

Anstatt sich als Service-Provider zu profilieren, betrachten sich viele DV-Abteilungen als Gralshueter der Technologie. Da niemand ausser ihnen weiss, welches Equipment etwas taugt, wollen sie pruefen und entscheiden, welche Maschinen auf dem Schreibtisch des Endanwenders stehen, von welchen Servern er seine Informationen bezieht und womit sie bearbeitet werden. Die Wuensche der Nutzer und die Beduerfnisse des Unternehmens bleiben dabei oft unberuecksichtigt. In Reinform findet sich diese Attituede selten, aber eine gewisse Arroganz gegenueber den Fachabteilungen ist leider noch immer gang und gaebe.

Das Bewusstsein, ueber Herrschaftswissen zu verfuegen und dieses mit niemandem teilen zu wollen, erklaert auch das fehlende Marketing von DV-Abteilungen. Sie verzichten auf Erlaeuterungen und Ueberzeugungsarbeit, weil - so die Einstellung vieler DV-Teams - Anwender in Fachabteilungen ohnehin keine Ahnung haben, also zu ihrem Glueck gezwungen werden muessen. Dass die Unkenntnis der Fachabteilungs-Manager und -Mitarbeiter ihre Ursache in schlechter DV-Didaktik hat, wird leider zu oft vergessen - ein Teufelskreis.

Weil der erste Lehrsatz der meisten PR-Buecher, "Tue Gutes und rede darueber", nicht beherzigt wird, stoehnt jeder Anwender schon bei der Einfuehrung einer neuen Textverarbeitung auf. Dass die neue Software die Integration von Tabellen und Grafiken erlaubt, hat ihm ja keiner erklaert. Aehnliches gilt, wenn auch im groesseren Rahmen, zum Beispiel fuer die Implementierung eines Data-Warehouse. Der Anwender registriert mit etwas Glueck zwar den besseren Zugriff auf historische Daten. Die damit geschaffenen Moeglichkeiten zum Mikro-Marketing oder zur nachfragegerechteren Produktion duerften ihm allerdings genauso verborgen bleiben wie der immense Aufwand an Geld und Arbeitskraft, mit dem das neue System bezahlt wurde.

Auf DV-Shops, die die Fachabteilungen nicht als Kunden betrachten, denen sie marktgerechte Dienstleistungen zu marktueblichen Preisen bieten koennen, kommen schwere Zeiten zu. Nicht nur die Nutzer machen Druck, auch das Management verlangt zunehmend konkrete Ergebnisse. DV-Controlling ist vielen kein Fremdwort mehr. Trifft die Prognose der Gartner Group zu, dann werden bis zur Jahrhundertwende 75 Prozent der IS-Organisationen ausgelagert sein, die nicht marktorientiert agieren.