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29.07.1983

Turbulenter MDT-Sommer

Einen heißen Sommer prognostizieren Branchenauguren alteingesessenen Marketendern der bundesrepublikanischen Small-Business-Computerzunft. Wenn es heißt, einige der in der Regel kapitalschwachen Familienunternehmen würden - die Mikrokonkurrenz im Nacken und die diffizile Marktlage vor Augen - baden gehen, so bezieht sich diese Prophezeiung kaum auf eine freiwillige Erfrischung im Sinne von Stärkung, sondern eher auf einen zwangsläufigen Prozeß.

Die zur Hannover-Messe erhoffte Wende konnte in MDT-Kreisen nicht vollzogen werden, wie die jüngsten Beispiele zeigen: David wurde von Ericsson geschluckt, 80 Prozent der Dietz-Anteile gingen in den Besitz von Norsk Data, und über HPR hängt noch die Wolke des Liquidationsvergleiches (siehe Seite 1). Daß HPR-Chef Gerhard Jörg noch einen potenten Partner finden könnte, will er selbst nicht glauben. Und in der Tat: Vergleicht man die "Mitgift" von David und Dietz mit der "Aussteuer" der Eschborner, stehen diese ziemlich nackt da. Sie können weder mit einem akzeptablen Auftragsvolumen, einem erfolgsversprechenden Produkt und einem gestandenen Vertriebsapparat aufwarten wie etwa David, noch haben sie das Renommee einer Dietz KG.

Doch Durchblutungsstörungen sind in der Bürocomputerzunft inzwischen symptomatisch. Die Klagelieder der Betroffenen klingen in den Ohren von MDT-Beobachtern aber schon beinahe monoton. Ihr Urteil ist denn auch vernichtend. Den Small-Business-Anbietern könne es nicht entgangen sein, daß die heile DV-Welt der 60er und 70er Jahre längst von den Mikros aus den Angeln gehoben wurde. Der drastische Hardwarepreisverfall, der zunehmende Druck von seiten der Mitbewerber sowie die allgemeine wirtschaftliche Schlechtwetterfront hätten die Überlebenschancen im Bürocomputermarkt entscheidend verändert.

Man mag den MTDlern vorwerfen, sie hätten sich nicht der veränderten Situation angepaßt, sich keine Kapitaldecke für schlechte Zeiten geschaffen und abgesahnt, bis es nicht mehr ging, aber das wäre zu einfach. Sicherlich, einige Unternehmen, hierzu zählt auch HPR, haben den Wandlungsprozeß nicht oder nicht schnell genug vollzogen, sich nicht rechtzeitig ein Stück aus dem Personal-Computer-Kuchen herausgeschnitten. Jetzt müssen sich insbesondere die kleineren Unternehmen mit den übriggebliebenen Mikro-Krumen abfinden.

Vergleichsverfahren oder Konkurse mögen die Bürocomputeranbieter derzeit schrecken, doch verglichen mit den derzeitigen Turbulenzen im Software-, Mini- oder Mainframemarkt, ging es in der MDT-Branche noch recht harmlos zu. Die Small-Business-Vertreiber konnten bisher auf eine loyale Kundschaft bauen, die das breite Programmangebot honorierte. Aber auch der Mittelstand beginnt allmählich zu rechnen.

Kommerzielle Mikros werden immer preisgünstiger und die bislang bemängelte Vielfalt bei der Standardsoftware dürfte schon bald kein Problem mehr sein. daß inzwischen auch die Softwarehäuser den kleinen MDT-Verkäufern den Rücken zukehren und sich auf lukrativer erscheinende Märkte stürzen, wie etwa CAD/CAM oder Personal Computing, erschwert die Absatzlage obendrein. Der Nachschub an neuen Programmprodukten stockt, die einst erfolgreichen Anwendungspakete vergangener Zeiten drohen zu veralten und unkomfortabel zu werden.

Das Überleben der traditionellen Bürocomputeranbieter hängt somit im wesentlichen von der Erweiterung ihres Softwareangebotes ab. Hier haben sie noch eine halbwegs gesunde Basis, hier könnten sie den Mikro-Highflyern

Paroli bieten.