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28.04.2000 - 

Interview

"Turbulenzen an der Börse heilsam für die Industrie"

Mit Chris Horn, Chief Executive Officer des Middleware-Anbieters Iona Technologies, sprach CW-Redakteurin Karin Quack

CW: Seit Sie 1993 den Object Request Broker "Orbix" auf den Markt gebracht haben, gilt Iona Technologies als die "Corba-Company" schlechthin. Mit der "I-Portal Suite" bieten Sie erstmals ein Produkt an, das weit über die Implementierung der Corba-Spezifikationen hinausreicht. Aus dem 1991 gegründeten Startup wurde ein Unternehmen, das 100 Millionen Dollar im Jahr umsetzt. Wie hat sich Iona inzwischen verändert?

Horn: Früher haben wir unsere Produkte stets an Techniker verkauft, an Softwareentwickler, Projektleiter etc. In den letzten zwei Jahren ist es uns gelungen, den Kundenstamm auf eine Ebene auszudehnen, wo Business-Lösungen gefragt sind, beispielsweise auf die IT-Direktoren oder Chief Information Officers. Vor unserem Börsengang (im Februar 1997, Anm. d. Red.) hatten wir nur einen zentralen Vertrieb, der seine Kunden kaum zu Gesicht bekam. Heute gibt es neben dem Telefonverkauf eine weltweite Vertriebsmannschaft, die Geschäfte für Hunderttausende oder sogar Millionen Dollar abschließt.

CW: A propos Börsengang. Die Turbulenzen an der Nasdaq sind auch an Iona nicht spurlos vorübergegangen.

Horn: Das stimmt. Im Februar standen unsere Aktien auf einem Höchstwert von 102 Dollar, derzeit liegt ihr Wert bei 62 Dollar (am 24. April nur noch bei 52 Dollar, Anm. d. Red.).

CW: Wie reagieren Sie darauf, wenn das Unternehmen beinahe die Hälfte seines Börsenwertes einbüßt?

Horn: Zunächst einmal bin ich der Ansicht, dass diese Entwicklung auf die Industrie heilsam wirkt - vor allem in den USA. Dort haben die Firmen in den vergangenen Jahren sehr darunter gelitten, dass sich so viele gute Leute selbständig gemacht haben, um ein Startup an die Börse zu bringen. Der Kollaps der Aktienwerte bringt diese Leute dazu, sich so etwas zweimal zu überlegen. Hinzu kommt: Wir wollen nicht nur organisch, sondern auch durch Übernahmen wachsen, aber in den vergangenen Jahren hatten die Unternehmen keine Ambitionen, sich akquirieren zu lassen; sie wollten lieber eine milliardenschwere Marktkapitalisierung an der Börse erreichen. Nun schätzen sie diese Aussicht hoffentlich realistischer ein.

CW: Aber Ihre eigene Marktkapitalisierung hat sich ebenfalls verringert. Hemmt das nicht Ihre Investitionsbereitschaft?

Horn: Uns trifft das weniger als viele andere Softwareunternehmen. Wir erzielen Cashflow über einen anständigen Profit.

CW: Für den zeichnet - trotz Ihres neuen Zugpferds, der I-Portal-Suite - immer noch das Produkt verantwortlich, mit dem Sie groß geworden sind: Ihr Object Request Broker. Aber haben Corba und Orbix neben Enterprise Javabeans überhaupt noch eine Existenzberechtigung?

Horn: Wir verwenden die Corba-Spezifikationen, weil es sich dabei um eine wirkliche Grundlagentechnik handelt. Sie versetzt uns in die Lage, sehr große verteilte Systeme zu bauen; das kann derzeit keine andere Technik. Außerdem bietet Corba inhärente Unterstützung für viele Betriebssysteme und Programmiersprachen - nicht nur für Java.

CW: Aber diese Sprache hat sich in den meisten Unternehmen durchgesetzt.

Horn: In der J2EE-Suite finden sich tatsächlich viele Services, die auch in Corba definiert sind. Java-Programmierer mögen also sagen: Wenn ich J2EE habe, brauche ich kein Corba. Aber wir halten es für besser, J2EE auf der Basis von Corba zu implementieren, so dass beispielsweise die Java-Transaktions- oder Security-Services die entsprechenden Corba-Services nutzen. Denn die Corba-Basis ermöglicht auch den Zugriff auf vorhandene Cobol-, C++- oder PS/1-Systeme.

CW: Iona hat stets auf Standards gesetzt und die Abhängigkeit von bestimmten Anbietern gemieden. Trotzdem tolerieren Sie es, dass ein Quasi-Monopolist wie Intel Ihnen eine Finanzspritze in Höhe von 3,63 Millionen Dollar verpasst, damit Sie seinen 64-Bit-Prozessor unterstützen. Haben Sie damit nicht Ihre Seele verkauft?

Horn: Nein, nur einen kleinen Teil unserer Aktien. Außerdem müssen wir als Infrastruktur-Anbieter möglichst jede Technik unterstützen - ob Standard oder proprietär. Also hätten wir uns diesem 64-Bit-Prozessor auch ohne das Geld von Intel gewidmet.

CW: Dann war es aber sehr nett von Intel, Ihnen unter die Arme zu greifen.

Horn: Ja, tatsächlich! Ich war begeistert. Aber im Ernst: Intel hat uns nicht nur Geld, sondern auch technische Unterstützung zugesagt. Und damit fällt uns diese Aufgabe leichter.