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10.01.1986 - 

Neue Hardware-Generationen verändern Rechenzentren:

Turnkey-Lösung überfordert reinen DV-Spezialisten

BONN - Hohen und vielseitigen Anforderungen muß der Anbieter von Turnkey-Lösungen für RZ-Einrichtungen gewachsen sein. Mit Hard- und Software-Know-how allein ist es da für VDRZ-Geschäftsführer Wolfgang Stürwohld noch lange nicht getan. Wichtig seien bei der Ausgestaltung eines Rechenzentrums beispielsweise auch Umweltschutz, Energieversorgung und Lärmschutz.

Entschließt sich ein Anwender, einen Lieferanten von Turnkey-Lösungen bei der Lösung seiner DV-Aufgaben einzuschalten, so hat er für alle Bereiche der DV nur mit einer Firma zu tun. Der Lieferant stellt aus dem Angebot der Hardwarelieferanten eine bedarfsgerechte Konfiguration zusammen und sorgt für Lieferung und Aufstellung der Geräte beim Auftraggeber. Dieser Vertragspartner sorgt für eine fachgerechte, technische Vorbereitung der Maschinenräume und für eventuell nötige bauliche Veränderungen. Darüber hinaus hat er die Aufgabe, die Applikations-Software den Erfordernissen des Anwenders entsprechend zu planen und zu entwickeln; hierzu gehört weiterhin das Testen und Implementieren auf dem Hardware-System. Schließlich gehört zu den Aufgaben des Lieferanten eine umfassende Dokumentation und die Ausbildung und Schulung des Bedienungs-Personals, um einen erfolgreichen Einsatz des gesamten Systems sicherzustellen.

Auf Beschreibung und Bewertung achten

Während viele Anwender nur Teile eines Turnkey-Angebotes in Anspruch nehmen, weil sie schon DV-Erfahrung haben oder sogar eigene Anlagen besitzen, sind Erstanwender auf die gesamte Angebotspalette angewiesen, die ein Turnkey-Anwender zur Verfügung hat.

Dabei sollte zunächst auf eine genaue Beschreibung der erforderlichen Hard- und Software sowie auf eine Bewertung der verschiedenen Konfigurationsalternativen geachtet werden. Alsdann ist eine Auswahl und Zusammenstellung der optimalen Hardware nach eingehender Beratung mit dem Anwender unter Berücksichtigung ihrer gegenwärtigen Bedürfnisse, dem momentanen und zukünftigen Arbeitsanfall, der benötigten Antwort- beziehungsweise Bearbeitungszeit sowie der zukünftigen Ausbau- und Rationalisierungsmöglichkeiten notwendig. Außerdem sollte der Anbieter Empfehlungen über den optimalen Software-Mix, etwaige Standards, Subroutinen und Dateien sowie Spezialanwendungen ausarbeiten, um dem Anwender eine "maßgeschneiderte Lösung" an die Hand geben zu können, Als eine weitere Prämisse muß das Vorhandensein von Referenzen angesehen werden, denn nachweisbare Erfahrungen sind zur Durchführung von Analysen, Designaufgaben, Dokumentationen, Aus- sowie Fortbildungsprogrammen und Implementierungsarbeiten auf allen technischen und kommerziellen DV-Sektoren vonnöten.

In bezug auf die bauliche Installationsvorbereitung und -durchführung stehen folgende Aspekte im Vordergrund:

- optimale Konfigurationszusammenstellung unter Berücksichtigung räumlicher Restriktionen;

- Beachtung und Erfassung von umweltschützerischen Gesichtspunkten;

- Energieversorgung und Verkabelung;

- Lärmschutzmaßnahmen,

- Design der Peripherie-Architektur;

- Lagergestaltung unter Beachtung besonderer gesetzlicher Auflagen (BDSG);

- Einbeziehung von versicherungstechnischen Erfordernissen, was häufig in Zusammenarbeit mit anderen Zulieferfirmen geschehen kann.

Nicht vergessen werden darf darüber hinaus eine ausgereifte Organisationsstruktur im Bereich der Projektkontrolle und des Berichtswesens. Projektkontroll-Routinen, technischer Sachverstand und gutes Management sind die Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Turnkey-Projekt. Der einschlägige Ablaufplan sollte unter anderem festgelegte Einschnitte im Entwicklungsplan, regelmäßige Fortschrittsberichte, exakt nachvollziehbare Budgetkontrolle, eine nachweisbare und zielgerichtete Vorgehensweise unter Beachtung des Projektzieles sowie wirkungsvolle Kommunikations- und Korrekturmöglichkeiten enthalten.

Das Bedienungspersonal muß geschult und fortgebildet werden, und es sind Maßnahmen zur Erhöhung der Akzeptanz des geplanten Systems bei dem betroffenen Personenkreis zu ergreifen. Daneben kommt es auf eine umfassende Dokumentation des technischen Systems wie auch der implementierten Software an. In diesem Zusammenhang können auch Procedure- und Operation-Manuals angebracht sein. Und schließlich und endlich enthält ein gutes Turnkey-Angebot auch die Ausarbeitung und Erstellung von Vermittlungsverträgen unabhängig von Garantie- und Gewährungspfichten.

Die Konzentration auf einen Anbieter mag zunächst nachteilig erscheinen. Wenn jedoch die Auswahlkriterien beachtet und verifiziert werden, so bieten sich sowohl im administrativen als auch im technischen und finanziellen Bereich erhebliche Vorteile.

Warum personelle Ressourcen vorhalten

Die Aufgabe der Koordination und der Terminplanung liegt ausschließlich in den Händen des Anbieters. Gerade bei den derzeit im Markt befindlichen Anlagen ist Applikations-Software überwiegend von Dritten erstellt worden, während die Hersteller in erster Linie die Systemsoftware bereitstellen. Die Suche nach geeigneter Applikations-Software sowie deren Implementierung und Test entfallen und reduzieren so Kosten, Zeitaufwand und Risiken. Warum etwa sollte der Anwender personelle Ressourcen vorhalten, die nur spezielle Aufgaben in der Einführungsphase wahrnehmen, im normalen Rechenbetrieb jedoch kaum noch ausgelastet werden können.

Der Ablaufplan eines "Turnkey"-Projektes sollte im wesentlichen nach folgenden Punkten gestaltet werden:

1. Das Pflichtenheft, das heißt, die genaue Spezifikation der Anforderungen und Leistungen, die das Turnkey-System abdecken soll, ist zwingende Voraussetzung. Dabei sollte Unterstützung von seiten des Lieferanten gewährt und in Anspruch genommen werden.

2. Der Zulieferer legt eine Auflistung der Hardware-Konfiguration und der nötigen Software vor, wobei darauf zu achten ist daß die geplanten Anwendungen spezifiziert sind und mit den Anforderungen übereinstimmen.

3. Nach der Genehmigung durch den Anwender wird die Hardware geordert und der Vertrag über das Turnkey-Projekt unterzeichnet.

4. Das Projekt-Team wird zusammengestellt, dabei sollte wenigstens ein Mitglied des Teams aus der Firma des Kunden stammen, damit nach Abschluß des Projektes auch innerhalb der Firma Sachverstand zur Verfügung steht.

5. Die Phase des Systementwurfs beginnt mit ausführlichen Gesprächen zwischen dem Turnkey-Haus und allen auf der Anwenderseite beteiligten Gruppen.

6. Die genaue Systemplanung wird definiert und nach Vorlage abgezeichnet, dabei ist der Softwareetat und der exakte Programmbedarf festzulegen.

7. Die Maschinenanlage wird angeliefert, Finanzierungs- und Versicherungsvereinbarungen werden erfüllt.

8. System- und Anwendungssoftware stehen jetzt bereit.

9. Das Testprogramm für das gesamte System tritt in Funktion, dabei ist die sorgfältige Dokumentation für den Anwender unabdingbar.

10. Die gesamte Software wird implementiert und nach Demonstrationsvorführungen dem Anwender zum Eigentest zur Verfügung gestellt. Mit dem positiven Abschluß der Testläufe erfolgt die Abnahmebestätigung.

11. Das Trainingsprogramm für den Mitarbeiter des Kunden beginnt etwa zu diesem Zeitpunkt.

12. Danach gilt das Turnkey-Projekt als abgeschlossen. Es erfolgt eine entsprechende Bestätigung und Abnahmeerklärung.

13. Software-, Garantie- und Wartungsverträge werden abgezeichnet.

Räumliche Trennung ein praktisches Problem

Im Rahmen der RZ-Gestaltung gilt es auch, die Auswirkungen neuer

Hardware-Generationen im Auge behalten.

Die Hardware-Elemente einer DV-Anlage werden nun schon seit geraumer Zeit ständig kleiner, leistungsfähiger und vergleichsweise unempfindlicher. Interessant hierbei ist, daß die Fertigung der entsprechen den Elemente (Chips und Winchester-Plattenlaufwerke) im Gegensatz hierzu ständig aufwendiger und komplizierter werden (Stichwort: staubfreie Umgebung, Fertigung per Roboter und ähnliches).

Die zu beobachtende Miniaturisierung bei gleichzeitiger Leistungssteigerung findet allerdings ihre natürlichen Grenzen in der Fingerfertigkeit und der Sehschärfe des Bedieners. Tastatur und Bildschirm bilden heute und wohl noch für eine Reihe von Jahren die Instrumente, mit denen der Benutzer beziehungsweise Bediener mit der Maschine kommuniziert oder, wie heute gern gesagt wird, im Dialog steht. Bemerkenswert ist, daß der Begriff "Dialog" strenggenommen erst dann gerechtfertigt ist, wenn die Sprachein- oder -ausgabe möglich ist. Neuartige Datenerfassungsmethoden, wie etwa die Barcodelesung, der Einsatz von Lesestiften und die Menüsteuerung mit Hilfe der sogenannten Maus sowie die Schaffung neuer Systemsteuerungsmöglichkeiten mit Hilfe von Macro-Befehlen, erleichtern es den DV-Fachleuten zunehmend, die gewachsenen Anforderungen an das Leistungsvermögen des jeweiligen Systems zu erfüllen. Weitere Beispiele für die Erleichterung der Arbeitsabläufe sind in der zunehmend eingesetzten Fenstertechnik in Kombination mit Plasmabildschirmen zu finden.

Die Möglichkeit, Teile von DV-Anlagen und Bedienerplätzen räumlich zu trennen, sind heute technisch kein Problem mehr, leider jedoch in der Realität nicht immer durchführbar. Der Handling-Aufwand ist durch den zunehmenden Einsatz von Magnetplatten als Massenspeicher und der damit verbundenen Abkehr von Bandstationen inzwischen stark reduziert worden. Das Problem der Lärmentwicklung bei Druckern ist durch Schallschluckeinrichtungen oder den Einsatz von Non-Impact-Techniken grundsätzlich lösbar, scheitert aber häufig an den hierfür einzusetzenden finanziellen Mitteln. Das Rechenzentrum des Jahres '85 unterscheidet sich von dem des Jahres '80 im wesentlichen durch die veränderten Aufgaben, die eine DV-Anlage abzuwickeln hat. Die zunehmende Dezentralisierung und Entwicklung von Online-Anwendungen und der verstärkte Einsatz von PCs in Terminal-Funktionen weist dem Zentralrechner in zunehmendem Maße Host-Funktionen zu, also das Vorhalten großer Datenbestände sowie die Abwicklung der nach wie vor erforderlichen umfangreichen Batch-Anwendungen. Eine logische Folge dieser Entwicklung ist der Rückgang des direkt im RZ beschäftigten Personalbestandes, so daß aus diesem Blickwinkel gesehen die Frage der Ergonomie sich in Zukunft stärker auf die Bildschirmarbeitsplätze und die sogenannte Benutzeroberfläche der Applikations-Software richten wird, also auf den Anwender vor Ort und nicht so sehr auf die Systemspezialisten im RZ, die im übrigen auch schon weitgehend online arbeiten, also nicht mehr direkt "neben der Maschine sitzen".