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02.10.1992 - 

Privater Sender programmiert Sendeplan und Werbeeinnahmen

TV-Anbieter verläßt sich auf Unix-Rechner und -Datenbank

Seit private Fernsehsender in Deutschland den öffentlichrechtlichen Fernsehanstalten Paroli bieten, weht im TV-Business ein anderer Wind. Einer der neuen Anbieter ist die Pro 7 Television GmbH in Unterföhring bei München. Dort steuern Unix-Produkte die gesamte Programmplanung. Für die Aufbereitung aller Daten sorgen Informix-Online und -4GL sowie Wingz.

Um die Programmkonzeption optimal in den Griff zu bekommen, haben sich die Münchner entschlossen, eine DV-gestützte Sendeplanung einzuführen. Das Grobgerüst des Senders muß bereits ein Jahr im voraus feststehen. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die Mediaforschung. Bei Pro 7 ist, ein Novum bei Fernsehanstalten, die DV unmittelbar in die Abteilung Mediaforschung integriert.

Einen Großteil der Programmierarbeiten vergibt der Sender an externe Dienstleister. Mit Informix haben die Verantwortlichen einen Wartungsvertrag abgeschlossen. Die Koordination der DV-Aufgaben nimmt Bernd Herrmann wahr.

Ein grundsätzlicher Unterschied zu anderen privaten Anbietern und den öffentlich-rechtlichen, Fernsehanstalten liegt in der verkauften Sendezeit. Sie wird in der Regel je gesendete Werbesekunde berechnet. Der Kunde hat keine Garantie, daß seine Werbebotschaft auch eine entsprechende Einschaltquote erreicht. Dies sieht bei dem Münchner Anbieter anders aus. Dort zahlt der Kunde nur je 1000 erreichte Zuschauer. Die marktwirtschaftliche Innovation dieser Kontaktpreisgarantie kann nur mit DV-gestützten Mitteln erzielt werden.

Pro Jahr schalten die Kunden des privaten Senders etwa 60000 Werbespots. Sie werden täglich in 21 Werbeblöcken des Vollzeit -programms eingeblendet. All dies erfordert umfangreiche Planung jeweils für ein Jahr im voraus.

Der Sender bedient sich dazu einer heterogenen Systemwelt aus Rechnern unter Unix, MS-DOS und MS-Windows. Alle Daten über Filme und ihre Länge oder die gebuchten Werbespots liegen auf dem Unix-Datenbankserver, einer Targon 35A/50. Sie ist mit drei Festplatten 500 MByte ausgestattet. Aus Sicherheitsgründen wird halbstündlich ein Backup auf einer Sun-SPARC-Station 2 gefahren, die unter dem Unix-Derivat Sun OS läuft. Außerdem sind Daten-und Stromkanäle getrennt. Fällt die Targon einmal aus, kann über die Terminals weiter auf die Sun gebucht werden

Format spielt keine Rolle

Aus Performancegründen kommen als PCs nur 80386- und 80486-Systeme von Scotty zur Anwendung. Insgesamt sind 30 Systeme im Einsatz. Sie sind in einem Ethernet-Netzwerk mit Novell 3.0 vernetzt. Auf der Targon fungiert als Backend zur Zeit noch die SE-Engine. Die Testversuche mit der neuen Online-Engine sind jedoch so verlaufen, da jetzt die Umstellung auf Informix-Online ansteht. Die Verantwortlichen wollen das Produkt, sobald es für diese Plattformen verfügbar ist, auch auf dem Novell-File-Server und der SPARC-Station 2 von Sun implementieren.

Das relationale Datenbanksystem Informix-Online speichert Dateien beliebiger Herkunft in Feldern der Datenbank. So lassen sich neben Daten auch CAD-Grafiken, gescannte Bilder, Fernkopien, DTP-Dateien, Kalkulationsblätter, digitalisierte Sprache oder Filme in der Datenbank ablegen. Es spielt keine Rolle, in welchem Format die Dateien vorliegen. Die Datenbank besitzt für derartige Daten die neuen Feldtypen Text und Byte, die unter der Kategorie der Blobs (Binary Large Objects) zusammengefaßt werden.

Ein einziger Blob speichert bis zu zwei GB. Jede Datei, die auf

der Festplatte vorhanden ist, kann einem Blob-Feld eines Datensatzes zugewiesen werden. Diese Felder sind in variabler Länge speicherbar.

Neben den neuen Datetitypen besitzt die Datenbank aber auch neue Eigenschaften, die die Arbeit beschleunigen und sicherer gestalten können. Der Zugriff auf die Festplatte stellt die langsamste Komponente dar. Das Informix-Produkt reduziert deshalb die Plattenzugriffe auf ein Minimum, indem es Daten, die ein Anwender bereits in den Arbeitsspeicher geladen hat, anderen Anwendern direkt aus diesem heraus zur Verfügung stellt. Außerdem unterstützt Informix-Online die paralelle Verarbeitung auf Unix-Rechnern mit mehreren Prozesoren. Vor jeder SQL-Abfrage schätzt der Query Optimizer für alle möglichen Zugriffspfade, auf denen die Abfrage zu erledigen wäre, den dafür erforderlichen Zeitaufwand ab. Er entscheidet sich dann für den schnellsten Weg.

Für Verfügbarkeit der gespeicherten Daten sorgt die Plattenspiegelung. Online schreibt die Änderungen an der Datenbank

in zwei Kopien. Wenn eine davon durch einen Systemabsturz verlorengeht, steht eine zweite bereit. Die Daten werden archi -viert, während das System in Betrieb ist. Es speichert nur die Daten, die sich seit dem letzten Backup verändert haben. Aus diesen Gründen entschieden sich auch die Verantwortlichen bei

Pro 7 für den Umstieg von der Infornix-SE-Engine auf Online.

Ebenfalls auf dein Server liegt die 4GL, von Informix, mit der die Sendeplanung erstellt wird. Als Frontend fungiert Wingz, das grafische Spreadsheet von Informix. Es ist auf einer Vielzahl von Plattformen, so auch unter MS-DOS und Sun OS, verfügbar und gewährleistet damit eine Standardisierung in diesem Bereich. Die identische Oberfläche auf verschiedenen Systemen führt zu einer hohen Akzeptanz bei den Benutzern. In das System wird in Kürze auch noch ein DEC-Rechner unter Unix für die Nachrichtenredaktion integriert.

Einige ältere Applikationen wie etwa die bisher mit dem Datenbanksystem Progress erstellte Finanzbuchhaltung sind ebenfalls neu mit 4GL entwikkelt worden, Im Hard- und Softwarebereich versucht das Unternehmen, mit so wenig Standards wie möglich auszukommen.

Der Rahmenplan für die Sendungen wird in der Viertgenerations -sprache und mit Wingz erstellt. In drei Stufen läßt sich dann aus diesem Rahmen ein Basissendeplan entwickeln. Im Laufe des Jahres findet die Verfeinerung statt. Die Filmtitel, ihre Dauer, technische Angaben und die Werbeblöcke kommen, ständig aktualisieren sukzessive hinzu.

Die 4GL führt jedoch bestimmte Operationen wie etwa Rechenanweisungen nur unkomfortabel aus. In diesen Fällen kommt Wingz zum Einsatz, das Rechenanweisungen besser aufbereiten kann. Es löst Multiplan und Excel ab und spart damit eine PC-Software ein. Die bisher übliche Doppelarbeit bei der Datenausbereitung entfällt dadurch. Wingz gibt die Daten über das Data Link, die Schnittstelle, an die Informix-Engine weiter.

Die Disposition, die für die Werbespots und deren Belegung verantvortlich ist, hat jederzeit Zugang zu den Programmdaten. Sie holt sie alls dem Sendeplan, gibt Buchungen in die Datenbank ein und disponiert die Einschalt- und Belegungspläne sowie die Programmfelder. Sie schreibt die Rechnungen, die sie dann an die mit der 4GL erstellte Finanzbuchhaltung übergibt.

GfK ermittelt die Einschaltquoten

Da die Preise jeweils von der Sehbeteiligung abhängen, muß das Unternehmen seinen Kunden darüber Rechenschaft ablegen können. Dies geschieht, indem der Sender alle relevanten Daten für das Programm an die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg weitergibt. Sie ermittelt für Pro 7 und alle anderen Kunden als unabhängiges Unternehmen die Einschaltquoten. Über eine 3270-Emulation sind für jeden Sender die Daten stets abrufbar. Bereits am Morgen nach jeder Sendung liegen Grobauswertungen vor. Eine Feinanalise kann der Auftraggeber wenige Tage später abrufen.

Die GfK-Daten verwendet Pro 7 im Haus als Inmarkt-Daten weiter und archiviert sie. Vom Archiv aus lassen sich Leistungsnachweis und Leistungsanalyse stets abfragen. Die Leistungsanalysen folgen in der Regel im Anschluß an Werbekampagnen. Sie geben genauen Aufschluß über Soll- und Ist-Werte während der Aktion. Die Datenverarbeitung ist somit der Schlüssel und der Garant für die Nachprüfbarkeit der angenommenen Werbebotschaft-und nur diese wird bezahlt.

-Ulrich Parthier ist freier DV-Journalist in Eichenau bei München.