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18.02.2005

TV-Firma dreht Datenkrimi

Die Firma Magic Eye legte ihr Speichersystem lahm - da half nur ein Datenretter.

Ein Datenverlust kann jeden treffen. Dies musste die Fernseh- und Videoproduktionsfirma Magic Eye Videoproduktions GmbH (http://www.magic-eye.de/) aus Hürth bei Köln erfahren. Der Ausfall des zentralen Raid-Servers drohte aktuelle Projekte zu gefährden. Erst eine auf Datenrettung spezialisierte Firma, konnte verhindern, dass Fernsehzuschauer auf Folgen beliebter Sendungen wie "Genial daneben" und "Schillerstraße" verzichten müssen.

Alle Video- und Audiodaten bei der Firma liegen zentral auf zwei Raid-Systemen des Typs "X Serve" von Apple. Da aus Kostengründen nur nicht reproduzierbare Daten zusätzlich eine Backup-Sicherung erfahren können, sind auf diesen Raid-Level-5-Systemen mit einer Gesamtkapazität von etwa 2,5 Terrabyte vor allem Daten der laufenden Projekte gespeichert. "Die meisten Daten (Fernsehsendungen) verbleiben nur für ein paar Tage auf unseren Servern", so der IT-Verantwortliche Florian Peters.

Bei Umbauarbeiten an einem dieser Raid-Systeme waren kurzzeitig drei der sieben Platten ausgebaut. Fatalerweise wurde das System in diesem Zustand versehentlich gebootet. Dies führte dazu, dass der Raid-Controller anschließend zwar alle sieben 180-GB-Festplatten einzeln, aber nicht als Raid-Array erkennen konnte: Der Raid-Verbund war zerstört und die Daten nicht mehr lesbar. Von diesem Störfall waren rund 700 GB Daten betroffen, davon wurden 350 GB dringend zum Abschluss aktueller Projekte benötigt. "Wir hatten zwar das Backup aller nicht reproduzierbaren Daten, wie etwa das digitalisierte Filmmaterial, aber die verlorenen Daten zu ersetzen hätte einen extremen Zeit- und Arbeitsaufwand bedeutet", erläutert Peters.

Mit Apple hatte Magic Eye einen Platinum-Supportvertrag abgeschlossen, so dass sich das Unternehmen zunächst an den Hersteller wandte. Nach mehreren Tagen in Kontakt mit dem europäischen und später auch mit dem amerikanischen Supportzentrum stellte sich heraus, dass die Apple-Techniker aus der Ferne nicht weiterhelfen konnten.

Apple weist Kritik zurück

Die kalifornische Firma bot an, die Arrays in die USA zu schicken. Allerdings konnte der Computerbauer nicht sagen, wie lange die Datenwiederherstellung dauern würde. "Insgesamt waren wir von dem gebotenen Support leider sehr enttäuscht. Speziell die Kollegen hier in Europa konnten uns nur sehr begrenzt weiterhelfen", so Peters. Auf Anfrage der computerwoche teilte Apple mit, man sei dem Kunden mit dem Angebot, die Festplatten zu untersuchen, entgegenkommen. Der Supportvertrag umfasse keine Datenrettung.

Auf der Suche nach einer rascheren Lösungen wandte sich Peters daher an die Kölner Niederlassung der Firma Vogon (http://www.vogon.de/), die sich auf Datenrettung spezialisiert hat. Nach einer Woche war die kostenpflichtige Analyse abgeschlossen, und Magic Eye erhielt einen Kostenvoranschlag. Allerdings lagen weder der dabei geforderte Preis noch die angegebene Dauer für die Wiederherstellung in dem Rahmen, den man bei Magic Eye nach der telefonischen Vorbesprechung mit dem Datenretter als wirtschaftlich vertretbar festgelegt hatte: "Die Vorabanalyse kostete etwa 1000 Euro, der uns vorab genannte Kostenrahmen lag zwischen 3000 und 7000 Euro für die Wiederherstellung innerhalb von rund zwei Wochen." Das finale Angebot war laut Peters wesentlich Höher, weshalb er es ausschlug. Vogon teilte der computerwoche mit, Kunden könnten aus einem dreistufigen Dienstleistungsangebot mit unterschiedlichen Service-Leveln wählen, daher müssten die Kosten differenzierter betrachtet werden. Trotz eines Preisnachlasses habe Magic Eye keinen Auftrag erteilt. Peters wusste jetzt zumindest, dass eine Datenrettung prinzipiell möglich ist.

Durch die Rücksendung der Datenträger verlor Magic Eye nochmals einige Tage, so dass die Lage immer prekärer wurde: Der Abgabetermin rückte näher. Daher machte der IT-Leiter eine andere Datenrettungsfirma via Web ausfindig und stieß dabei auf CBL aus Kaiserslautern (www.cbl-datenrettung.-de).

Langwieriges Verfahren

Am 29. Oktober 2004 wurde das Problem mit CBL besprochen. Die Pfälzer holten die Festplatten zwecks Diagnose am 2. November bei Magic Eye ab.

Nachdem der Kostenvoranschlag genehmigt und der Auftrag erteilt war, begann endlich die Datenrettung. Als Erstes wurden daher sämtliche Daten gespiegelt, denn diese Firmen arbeiten nicht mit Originaldatenträgern. Es dauert lange, Rohdaten von sieben 180-GB-Platten in einem aus Sicherheitsgründen recht langsamen Verfahren zu übertragen.

Am 8. November war der Vorgang abgeschlossen, und die eigentliche Datenrettung konnte beginnen. Zur Wiederherstellung von Raid-Daten müssen die über mehrere Festplatten verteilten Informationen wieder zusammengeführt werden.

Abgabetermin eingehalten

Am 9. November erhielt Magic Eye einige Beispieldateien, damit die Experten prüfen konnten, ob die Daten verwendbar sind.

Erleichtert zurücklehnen konnte sich Peters erst am 11. November, denn an diesem Tag lagen alle aktuellen Schnittdateien und die des dringend benötigten langfristigen Fernsehprojekts auf dem Server des Datenretters. Um rasch weiterarbeiten zu können, erhielt die TV-Produktionsfirma diese Inhalte zunächst auf zwei Leihplatten und konnte so alle Abgabetermine einhalten. Magic Eye hatte diese Dienstleistungen zu Sonderkonditionen bekommen. Üblicherweise beginnen die Kosten für die Datenrettung bei 4000 Euro pro Raid. u