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14.03.2005

Ude verteidigt Münchens Linux-Entscheidung

Das Votum für Open-Source-Software war nicht politisch motiviert, sagte der Oberbürgermeister.

O?zapft is! Linux läuft in München - und jetzt?" Unter diesem Motto stand eine Podiumsdiskussion auf der CeBIT. Der medienerfahrene Münchner Oberbürgermeister Christian Ude ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, vor der versammelten Fachpresse noch einmal die Entscheidung für das Open-Source-Betriebssystem zu rechtfertigen. Diese sei nicht "ideologisch, antiamerikanisch oder rein politisch" motiviert gewesen, wie dies manche Kritiker behauptet hätten. Ausgangspunkt der Überlegungen war laut Ude vielmehr, dass der Support für das bislang eingesetzte Microsoft-Betriebssystem Windows NT "ziemlich plötzlich gekündigt" wurde. Das habe die Abhängigkeit von einem Anbieter sehr deutlich gemacht.

Um die Frage zu beantworten, welche IT-Plattform sich auf lange Sicht am besten eigne, habe man Experten hinzugezogen. Ude bezog sich dabei auf den IT-Schulungs- und Beratungsanbieter Unilog Integrata, der in einer umfangreichen Studie verschiedene Migrationsszenarien für die Stadt München verglichen und bewertet hatte. Ausschlaggebend für die Grundsatzentscheidung sei unter anderem der Wunsch gewesen, die Abhängigkeit von einem Hersteller zu verringern. Der OB sprach in diesem Zusammenhang von der "Reinstallierung marktwirtschaftlicher Verhältnisse", aber auch vom Bestreben, in puncto Sicherheit die optimale Lösung zu bekommen.

Dennoch gebe es in der Stadt "keine Aversion gegen Microsoft", wie dies gelegentlich kolportiert worden sei. Dagegen spreche schon die Tatsache, dass die rund 25000 PCs in Münchens Schulen weiterhin mit Microsoft-Programmen betrieben würden. Zum Vergleich: Im Zuge der Migration auf Linux in der Stadtverwaltung geht es um rund 14000 Arbeitsplatzrechner.

Ude räumte ein, "dass wir noch eine Mordsarbeit vor uns haben", gab sich aber zugleich optimistisch, was den weiteren Projektverlauf betrifft. Derzeit liefen in der Kommunalverwaltung mehrere Pilotprojekte, noch in diesem Jahr sei mit einer Auftragsvergabe an verschiedene IT- und Serviceanbieter zu rechnen. Die schrittweise Migration der IT-Systeme werde 2006 beginnen und voraussichtlich im Jahr 2008 abgeschlossen sein.

Die angebliche Gefahr, die von Softwarepatenten ausgehe, werde von der Open-Source-Community teilweise übertrieben dargestellt, relativierte der gelernte Jurist entsprechende Befürchtungen. Die Stadt München habe die Risiken prüfen lassen und verfolge die hitzige Diskussion um eine EU-weite Regelung gelassen.

Enttäuschende Marktzahlen

Auch die noch immer enttäuschenden Marktzahlen für Linux als Desktop-Betriebssystem konnten Ude nicht aus der Reserve locken. Auf die Frage der computerwoche, ob er entsprechende Marktstudien kenne, hatte der einstige Journalist eine entwaffnende Antwort parat: Natürlich würden ihm alle möglichen Erhebungen dazu vorgelegt, insbesondere solche, die die Linux-Entscheidung erschüttern sollten. In diesen Momenten sei er froh, dass er so wenig von der Materie verstehe. (wh)