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10.06.1983 - 

Sowjetische Industrie kann erst allmählich Prozeßautomatisierung nutzen:

UdSSR versucht, DV in den Griff zu bekommen

MOSKAU (VWD) - Drei Jahre nach der Verhängung des US-Embargos gegen die Lieferung technologisch hochwertiger Geräte und Ausrüstungen in die UdSSR geht die Sowjetwirtschaft bei der Ausrüstung von Betrieben und Verwaltungen mit EDV-Anlagen verstärkt zur Nutzung einheimischer Technologien über. Bei den Inlandserzeugnissen handelt es sich in hohem Maße um Weiterentwicklungen nachgebauter, früher legal eingeführter westlicher Muster, berichtet die Bundesstelle für Außenhandelsinformation (BfAI), Köln.

Die Prozeßrechentechnik in der Industrie befindet sich nach Aussage. von Juri Nesterichin, Computerexperte der sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften, erst Im Stadium des Kennenlernens der Möglichkeiten, die in der Prozeßautomatisierung stecken.

Gegenwärtig stellt die sowjetische Computerindustrie nach Angaben der Hauptverwaltung für Rechentechnik und Steuerungssysteme des Staatskomitees der UdSSR für Wissenschaft und Technik (GKNT) elektronische Universalrechenmaschinen mit einer Leistung von mehr als einer Million Operationen je Sekunde (Typenbezeichnung: ES EWM) sowie eine neue Generation von Kleinrechnern (Typ SM EWM) her. Bei den ES-Rechenanlagen soll es sich nach Auskunft westlicher Marktkenner um die Weiterentwicklung von Computern handeln, die praktisch eine Duplizierung der IBM System/360-Familie darstellten.

Die sowjetische Industrie fertigt gemäß der Bundesstelle 15 Typen komplexe digitaler Schaltungen mit Befehlszykluszeiten von 20 bis 0,01 Mikro-Sekunden sowie auf dieser Grundlage 30 Typen von Kleinrechnern, Ein-/Ausgabesteuerwerken und Hilfsausrüstungen. Fünfjahresplanzeitraum 1981/85 soll die Produktion von Mikrocomputern, die für den Einsatz bei der Automatisierung industrieller Prozesse bestimmt sind, um das 20 fache zunehmen. Zahlenangaben über den derzeitigen Kleinrechnerbestand in der UdSSR liegen allerdings nicht vor.

Mit dem Ziel der Zusammenfassung der industriellen Prozeßautomatisierungssysteme in ein einheitliches "Gesamtstaatliches Automatisierungssystem" wird nach Informationen der Kölner Sowjet-Experten in der UdSSR eine neue Form der Nutzung der EDV eingeführt: Rechenzentren zum allgemeinen Gebrauch (WZKP). Auf diese Weise soll die durchschnittliche Auslastung der EDV-Anlagen bis 1985 um 30 Prozent gesteigert werden. Gegenwärtig bestehen nach sowjetischen Angaben in der UdSSR 3150 Rechenzentren und 288 automatisierte Systeme zur Lenkung von ganzen Industriezweigen, darunter 33 bei Industrieministerien auf Unions- und Republikebene.

Die international verbreitete Praxis, wonach die Herstellerfirmen von Rechenanlagen häufig auch die Programme vorgeben beziehungsweise mitliefern, findet in der Sowjetunion keine Anwendung. Für den Betrieb der Rechner seien hier die, Vereinigungen "Sojus EWM-Komplex" zuständig, die allein zum Unterhalt von Ersatzteillagern für Wartungs- und Instandhaltungszwecke befugt waren.

Auch die in der UdSSR geltenden Preisbildungsregeln für bestimmte Komponenten von Rechenanlagen hemmten die Einführung moderner EDV-Technik. Integrierte Schaltungen mit hohem Integrationsgrad aus sowjetischer Fertigung lägen beispielsweise im Preis zehnmal höher als vergleichbare Bauelemente ausländischer Herkunft. Als Grund hierfür wird in der Regel der Kapazitätsrückstand der Halbleiterindustrie der UdSSR angeführt. Da gleichzeitig die Preise für hybridintegrierte Schaltungen in der Sowjetunion ebenso schnell fallen wie im Ausland, würden sowjetische Rechenanlagen häufig mit technisch veralteten Komponenten ausgerüstet.