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29.03.1996

Ueber den Rubikon in eine ungewisse Zukunft gehen

Nach Monaten des Zauderns hat Novell, wie es scheint, Mut gefasst, den Rubikon zu ueberschreiten und Microsofts Internet- Herausforderung anzunehmen. Der wenig ueberzeugenden Hilfstruppen wie Appware, Unixware oder Wordperfect entledigt, geben sich die Mannen um Novell-Boss Bob Frankenberg wieder siegessicher.

Es muss sich jedoch erst noch zeigen, ob die Siegeshoffnungen der Netzwerker nicht auf toenernen Fuessen stehen. Denn die Phalanx der Java-Legionen besteht bisher nur in den Phantasien der Marketiers, waehrend das Microsoft-Bollwerk aus Back Office und monolithischen Desktop-Applikationen bereits Realitaet ist.

Die Zukunft von Novell haengt zudem noch von vielen Unwaegbarkeiten ab. Braucht die DV-Welt wirklich einen vierten Sicherheitsstandard von Novell und Openmarket fuer den elektronischen Kommerz im Internet? Kochen nicht bereits Microsoft und Net- scape ihr eigenes Sueppchen, vom Entwurf der Kreditkartenunternehmen Visa und Eurocard ganz zu schweigen? Und hat Novell, gestaerkt durch die Allianzen mit Sun und Openmarket, wirklich die Kraft, das spaete Auftreten als Internet-Company glaubhaft zu vermarkten? Womit wir wieder bei den Geruechten ueber eine moegliche Fusion zwischen Netscape und Novell waeren. Ein Zusammenschluss, der, mit Java im Hintergrund, die Marktmacht haette, zu schaffen, was Opendoc und Corba seit langem vergeblich versuchen: eine Alternative zu Microsoft zu sein, die der Gates-Mannschaft endlich das Fuerchten lehrt.

Doch bei allen Damokles-Schwerten, die ueber der Zukunft von Novell schweben, ist eines zu begruessen: Nach hausgemachten Schlappen wie etwa mit Unixware oder Wordperfect setzen die Netzwerker nun auf strategische Allianzen und versuchen nicht mehr alles im Alleingang. Als ein Zeichen hierfuer kann die Net-2000-Initiative gewertet werden. Anstatt das Rad - wie bei Appware - neu zu erfinden, binden die Netzwerker nun bereits bestehende Programmier-Tools in ihre Entwicklungsumgebung ein. Damit versetzen sie Anwender in die Lage, ohne grossen Lernaufwand Applikationen fuer Netware-Netze zu entwickeln.

Damit die Botschaften der wiedererweckten Novell Inc. bei den Kunden ankommen, waere fuer das deutsche Novell-Management einmal der Besuch eines Crash-Kurses in Sachen Marketing bei der Konkurrenz in Unterschleissheim ratsam. Denn waehrend Microsoft das Einmaleins der Werbung - siehe NT oder Exchange Server - gut beherrscht, verstecken sich die Duesseldorfer hinter zu vielen technischen Wenns und Abers. Mit dem zweifelhaften Erfolg, dass Produkte wie Groupwise oder Powerline gut gehuetete Geheimnisse sind. Sicherlich, Powerline ist noch nicht marktreif, doch wie soll ein Anwender Vertrauen zu einer Company bekommen, die ihm das Smart Global Network verspricht, ohne zu verraten, welches die "Enabling Technologies" sind?