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18.04.1975

Über System 32 könnte man sich lange unterhalten

-Wieviel Systeme in der Größenordnung des System 32 sind bereits im Markt installiert und wie groß schätzen Sie diesen Markt?

Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, weil das System 32 in der Preisklasse von etwa 100 000 - 150 000 Mark liegt, In dieser Größenklasse sind noch nicht viele Systeme im Markt installiert, ganz einfach weil der Preis erst in den letzten Monaten so stark nach unten gegangen ist.

- Fragen wir nach kleinen Plattensystemen bis zur Größenordnung des System 3, Modell 10.

In der Preisklasse Monatsmiete zwischen 2500 Mark und 7500 Mark stehen in Deutschland zur Zeit in etwa 4000 Plattensysteme. Marktführer ist die IBM, die etwa 2800 Systeme installiert haben dürfte, davon sind etwa 85 Prozent 3/10-Systeme und 15 Prozent Modell 3/6-Systeme. Danach kommt Nixdorf mit etwa 300 Anlagen der 880 und etwa 150 Anlagen der 900. Dann folgt Honeywell Bull mit etwa 250 Systemen, gefolgt von NCR mit etwa 200 Systemen der Century-Serie, gefolgt von MAI mit etwa 180 Installationen der Basic/Four-Serie und Singer mit zirka 100 Installationen des Systems 10 beziehungsweise des Systems 110. Etwa 70 Prozent Marktanteil von diesen 4000 Installationen fällt also auf die IBM, die restlichen 30 Prozent verteilen sich auf etwa 10 andere Hersteller.

- Wie wird sich dieser Markt entwickeln?

Von 1973 auf 1974 hatten wir in diesem Markt einen Zuwachs von etwa 1200 Systemen pro Jahr, also eine Zuwachsrate von 30 bis 35 Prozent, bezogen auf das Installationsvolumen. Dieser Markt wird jetzt durch das System 32 eine überproportionale Zuwachsrate erfahren, da nämlich die Preise von Plattensystemen sich nach unten verlagern. Plattenanlagen um zirka 100 000 bis 150 000 Mark werden jetzt echt alternativ zu Magnetkontencomputern angeschafft, weil der Preisunterschied nicht mehr allzu groß ist.

- Ist das System 32 bereits Alternative zum Magnetkontencomputer?

Der Magnetkontencomputer ist nicht tot, aber er wird sich nur bei einem niedrigeren Preis verkaufen lassen. Eine typische Magnetkonten-Konfiguration, wie zum Beispiel Nixdorf 820/15 oder Kienzle 6000/BTS oder Philips Varial kostet im Schnitt etwa 70 000 Mark für die Hardware plus 10 000 bis 15 000 Mark für die Software. Das System 32 gibt es ab

93 000 Mark. Es ist ganz klar, daß man auf Dauer mit einem Preisunterschied von weniger als 20 000 Mark keinen Magnetkontencomputer erfolgreich gegen ein Plattensystem verkaufen kann.

- Wo liegt die Schallgrenze?

Die Preise für Magnetkontencomputer werden sich um etwa 50 000 Mark einpendeln. Dann erst rechtfertigt der Preisabstand wieder, daß man einen Magnetkontencomputer anstelle eines Plattensystems einsetzt.

- Gibt es irgendwelche technischen Besonderheiten des Systems 32, die diese Anlage doch von den im deutschen Markt üblichen DT-Plattensystemen unterscheidet?

Es ist nichts - aber auch nichts - am System 32, was nicht in der einen oder anderen Form bei bestehenden Systemen schon realisiert wurde - und zum Großteil sogar besser.

- 9,1 Mio Bytes ist doch eine schöne Plattenkapazität?

Schon richtig, aber es überrascht, daß es eine nicht auswechselbare Festplatte ist. Um überhaupt die Dateien auf die Platte zu bringen, muß man über Floppy Disks laden - ein Riesenaufwand. Die Floppy Disk hat eine Kapazität von 1/4 Mio Bytes. Man braucht etwa 40 Floppy Disk-Platten, um die Festplatte mit 9,1 Mio Byte zu laden oder zu sichern. Das dauert als solches schon mal eine knappe Stunde.

- Wie sieht es bei der Software aus. IBM spricht von problemloser Programmerstellung durch das modulare Anwendungssystem MAS. Was sagt dazu der MDT-Spezialist?

Das Konzept Individualprogramme über Checklisten computerunterstützt erstellen zu lassen ist bereits ein "alter Hut" in der Mittleren Datentechnik. Dieses Konzept wird schon angewandt bei Kienzle und heißt dort EMPS, das Konzept wird angewandt bei Nixdorf und als FIRM bezeichnet. Dergleichen wurde realisiert von Philips bei den Systemen Varial und Famos. Triumph-Adler nennt die Checklisten-Programmierung Triasis. IBM ist von vornherein diesen Weg gegangen.

- MAS-Programmierung ist demnach das Beste, was man den Kunden bieten kann. Nur, wieviele solcher modularer Bausteine sind vorhanden?

MAS ist nicht unbedingt das Beste. Aber es ist der günstigste Weg mit möglichst wenig Aufwand ein Programm zu erstellen, das ein Maximum an individuellen Gegebenheiten des Anwenders abdeckt. Interessant ist, daß IBM vom derzeitigen Angebot ausgehend neben einem allgemein gültigen Lohn- und Gehaltsprogramm zunächst nur Programme für den Großhandel und für den Elektrogroßhandel anbietet. Es sieht so aus, als ob IBM ganz konsequent für das System 32 sich gezielt Branche für Branche vornehmen wird.

-. Das System 32 wird vom IBM-Geschäftsbereich Basis-Datenverarbeitung vertrieben. Welche Vertreterzahl wird sich jetzt auf die Branchen Elektrogroßhandel und allgemeiner Großhandel stürzen?

Es ist anzunehmen, daß im Bereich Basis-Datenverarbeitung der IBM etwa 150 Vertriebsbeauftragte das System 32 anbieten werden - zusammen mit den anderen Produkten, die dort vertrieben werden, wie zum Beispiel: System 3, Systeme 7 und 1800, interessanterweise fällt auch das System 360/20 in die Kompetenz des BDV-Bereichs, ebenso die 1130 und die Tabelliermaschinen.

- Das sind wohl etwa gleichviel Verkäufer wie bei den wichtigsten Konkurrenten? IBM könnte aber doch das Heer der erfolgreichen Schreibmaschinenverkäufer, die in so vielen Büros bereits ein Bein haben, für den Vertrieb des Systems 32 mobilisieren.

Das war im Herbst letzten Jahres bei IBM im Gespräch. Der Bereich Textverarbeitung bleibt jedoch nach wie vor ausgegliedert. Die EDV-Produkte werden von den zwei Bereichen DV und BDV vertrieben. Es ist aber anzunehmen, daß über den Bereich Textverarbeitung ein gutes Rückmeldesystem besteht, um den BDV-Leuten einen Wink zu geben, wenn hier erfolgsversprechende Verhandlungen anlaufen können.

- Bei den Kleincomputer-Platten-Systemen der Größenordnung IBM-System 3 hat IBM einen Marktanteil von - wie Sie sagten - 70 Prozent erzielen können. Wagen Sie eine Voraussage, wie sich der Marktanteil für Anlagen der Größenordnung System 32 entwickeln wird?

Es ist anzunehmen, daß IBM bei weitem nicht auf diesen Marktanteil kommen wird, weil die Situation heute ganz anders ist. 1970 war IBM mit Ankündigung des Systems 3 fast allein mit Anlagen dieser Größenordnung im BRD-Markt. Inzwischen drängen sich hier sehr viel mehr Anbieter, die teilweise sogar bei den kleineren Mittelbetrieben einen größeren Bekanntheitsgrad haben als IBM.

- Sie vermuten also nicht, daß IBM mit dem System 32 in der BRD einen ähnlich großen Erfolg haben wird wie mit dem System 3?

Was die BRD anbetrifft - mit ziemlicher Sicherheit nicht. Zukunftsprognosen zeigen, daß Installationszuwachs nicht mehr bei den Groß-Computern, sondern nur noch bei Computersystemen in der Größenklasse von 3000 bis 15 000 Mark Monatsmiete zu erzielen ist. Deshalb werden in diesem Markt auch mit großer Wahrscheinlichkeit noch weitere Anbieter der Groß-EDV vorstoßen. Es ist anzunehmen, daß bald auch Univac ein ähnliches System auf den Markt bringen wird. Und weitere werden folgen.