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29.06.1990 - 

Unterschiedliche Einschätzung der preislichen Auswirkungen

Über Zölle für Chips sind sich die Europäer noch immer nicht einig

MÜNCHEN (CW) - Die Branchenverbände Eurobit und ZVEI sind sich nicht einig über die von der Europäischen Gemeinschaft zu verfolgende Zollpolitik für integrierte Schaltungen. Während Eurobit seit Jahresbeginn vehement die 14-Prozent-Zölle auf IC-Importe in die EG als vermeidbare Kostenfaktoren anprangert, hielt der ZVEI Zollsenkungen für einen "Akt wirtschafticher Unvernunft".

Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. kann in der Spanne von 14 Prozent "ein Potential für kräftige Preisreduzierungen" nicht ausmachen. Der EG-Zoll bewirke bei PCs lediglich eine Preiserhöhung um 1,7 Prozent, andere Bürogeräte würden gar nur um ein halbes Prozent billiger werden, heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes.

Auf der anderen Seite sei jedoch eine "Abschöpfung von Fertigungsvorteilen der Nicht-EG-Länder" auf dem Zollwege überlebenswichtig für die europäische Halbleiterindustrie. 30 Prozent der Einkünfte müßten im Branchendurchschnitt für Forschung und Entwicklung sowie für Sachinvestitionen aufgewendet werden, was eine weitere Verringerung der wirtschaftlichen Basis, also des Marktanteiles, nicht mehr zulasse. Die European Association of Manufacturers of Business Machines and Information Technology Industry (Eurobit), der auch der Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbau (VDMA) angeschlossen ist, beurteilt die EG-Zölle vor dem Hintergrund der weltweiten Situation. Auf den GATT-Verhandlungen in Uruguay sei deutlich geworden, daß die Produzenten von Informationstechnik sich weltweit über die Schädlichkeit von Zöllen auf Computer und Bauteile einig seien. In Europa müsse dem jetzt entsprochen werden.

In seiner Eigenschaft als Eurobit-Präsident vertrat der Olivetti-Vice-President Bruno Lamborghini die Ansicht, die europäische Computerindustrie habe bereits viel zu lange unter der praktizierten Hochzoll-Politik zu leiden gehabt. Sie sei gezwungen, sich auf dem Weltmarkt mit Bauelementen zu versorgen, da es vor allem bei Speicherchips seit langem ein Produktionsdefizit in Europa gebe.

Durch den 14prozentigen Aufschlag auf ihre Einkaufspreise erlitten die europäischen Computerhersteller einen gravierenden Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz aus Japan, den USA und Kanada. In diesen Ländern werden keine Zölle auf elektronische Bauelemente erhoben. Nach Eurobit Angaben liegen die Anteile der ICs an den Herstellungskosten bei 25 bis 60 Prozent für PCs und Workstations, zwischen 25 und 45 Prozent bei Produkten der mittleren Datentechnik und bei Mainframes.