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12.05.1995

Ueberdurchschnittlicher Einfluss der Hochschulausbildung Einkommen in der DV steigen in diesem Jahr um 2,7 Prozent

GUMMERSBACH (CW) - Kaum verziehen sich die dunklen Wolken der Rezession, steigen auch die DV-Gehaelter wieder. In den alten Bundeslaendern betraegt das Plus gegenueber dem Vorjahr laut juengster Kienbaum-Studie 2,7 Prozent, nachdem die IT-Spezialisten 1993 nur 1,5 und letztes Jahr 1,8 Prozent mehr in der Lohntuete vorgefunden hatten.

Die Gehaelter fuer die verschiedenen Positionen und Berufsbilder sind von einer Vielzahl von Faktoren abhaengig. Neben der Funktion und dem Alter (Berufserfahrung) des Mitarbeiters wirken sich laut Kienbaum unter anderem die Groesse der DV-Abteilung, die Rechnerart, Groesse und Ertragslage des Unternehmens sowie die hierarchische Einstufung auf das Gehalt aus.

"Die Gehaltsspannen sind betraechtlich", meint Erhard Schmidt, erfahrener Verguetungsexperte des Gummersbacher Beratungshauses.

So liege beim Leiter DV-Betrieb das Minimum bei 70 000 Mark und das Maximum bei 195 000 Mark pro Jahr. Systemprogrammierer verdienten zwischen 50 000 und 190 000 Mark per annum. Je tiefer die Position hierarchisch angesiedelt sei, um so dichter laegen die Loehne zusammen, da tarifliche Einbindungen oft eine engere Gehaltsspanne zur Folge haetten.

Untersucht man die Gehaelter nach dem Sitz des Unternehmens, so laesst sich nach Schmidts Beobachtung nicht nach Bundeslaendern differenzieren: "Wichtig dagegen ist die Struktur der Region, wie zum Beispiel in Ballungsraeumen von Industrie, Banken und Versicherungen." Eine Rolle spiele auch die Unterscheidung zwischen Grossstaedten und laendlichen Gebieten. Wie schon in den Vorjahren wuerden die hoechsten Gehaelter in den Grossstaedten erzielt.

1995 liegt der Gummersbacher Analyse zufolge Duesseldorf mit einer durchschnittlichen Gehaltssteigerung von elf Prozent an der Spitze, gefolgt von Stuttgart mit acht Prozent, Muenchen und Frankfurt mit fuenf Prozent Zuwachs gegenueber dem Vorjahr. In den Ballungszentren treibe eine erhoehte Nachfrage nach qualifizierten DV-Spezialisten die Verguetung in die Hoehe.

"Die Ertragslage der Vergangenheit hat einen - je nach Hierarchieebene - mehr oder weniger grossen Einfluss auf die Gehaltshoehe", glaubt Schmidt. In Unternehmen mit im Vergleich zur Branchenkonkurrenz unterdurchschnittlichen Ergebnissen werde entsprechend schlechter verdient.

Das zeige sich nicht nur bei den Gesamtbezuegen, deren Hoehe wesentlich durch die variablen, erfolgsabhaengigen Verguetungselemente bestimmt werde. Vielmehr gelte die Tendenz auch fuer die Abstufung der Grundgehaelter: Kurzfristige Ertragseinbussen machten sich zwar in aller Regel lediglich bei den variablen Verguetungskomponenten bemerkbar, die langfristige Ertragslage wirke sich aber sehr wohl auf das gesamte Gehaltsniveau eines Unternehmens aus.

Die Unternehmensgroesse, gemessen am Umsatz oder an der Beschaeftigtenzahl, sei dagegen nicht so gehaltsbestimmend, wie vielleicht angenommen werde. Grosse Unternehmen zahlten jedoch tendenziell besser und haetten zumeist die attraktiveren Zusatzleistungen.

Die Verguetungshoehe bestimmen nach den Ergebnissen der Gummersbacher Beobachter das Alter beziehungsweise die Berufserfahrung sowie die Beschaeftigtenzahl der DV-Abteilung. Die Abteilungsgroesse habe auch Einfluss auf die Chancen, in eine Fuehrungsposition zu gelangen, da Mitarbeiter eher in die Situa- tion kaemen, Personalverantwortung zu uebernehmen.

Ein Leiter DV-Betrieb, der in einem Unternehmen mit zehn DV- Mitarbeitern arbeitet, erhaelt laut Kienbaum durchschnittlich 121 000 Mark pro Jahr. Sein Kollege aus einer Firma mit ueber 100 Mitarbeitern beziehe dagegen ein um 25 000 Mark hoeheres Einkommen. Ein Anwendungsprogrammierer im Alter von 30 Jahren bekomme 66 000 Mark pro Jahr, sein 48jaehriger Kollege koenne rund 35 000 Mark mehr auf seinem Konto verbuchen.

Einfluss auf das Gehalt hat nach der Untersuchung auch das Ausmass der zu betreuenden DV-Anlage. Ein Leiter DV-Betrieb, der an einer Anlage mit 5000 Mark Wartungskosten pro Monat arbeitet, kann mit zirka 115 000 Mark pro Jahr rechnen. 19 000 Mark mehr verdient sein Kollege, der eine Anlage verantwortet, fuer deren Wartung 100 000 Mark im Monat zu bezahlen sind.

Die Ausbildung der DV-Experten hat sich permanent verbessert, stellen die Gummersbacher Berater fest. 1988 gaben 27 Prozent der Anwendungsprogrammierer die Mittlere Reife als hoechsten Bildungsabschluss und 25 Prozent Hoch- und Fachhochschule an. 1995 sind DV-Mitarbeiter in dieser Position mit Mittlerer Reife auf 22 Prozent zurueckgegangen und die Hoch- und Fachhochschueler bereits mit 40 Prozent vertreten.

Die qualifiziertere Ausbildung eroeffnet nicht nur groessere Chancen auf einen Arbeitsplatz, sie hat auch ein hoeheres Gehalt zur Folge. Die Kienbaum-Studie ergab ein um zirka 24 Prozent hoeheres Einkommen von Hochschuelern gegenueber Volksschuelern in Fuehrungspositionen. Promovierte Mitarbeiter erhalten noch einmal bis zu 10 000 Mark pro Jahr zusaetzlich.

"Alles spricht also fuer eine qualifizierte Ausbildung", urteilt Verguetungsexperte Schmidt. Schon im Hinblick auf die weiter steigenden Studentenzahlen und den damit zwangslaeufig verbundenen Verdraengungswettbewerb werde das Studium immer mehr zur Voraussetzung, um ueberhaupt Karriere machen zu koennen.

Die DV bleibt unveraendert eine Domaene der Maenner. 1995 sei lediglich der Anteil von Frauen in den Fachpositionen auf 20 Prozent gestiegen. Er betrug 1989 nur 17 Prozent. Am hoechsten lag dieser Wert bei den Berufen Datentypistin (100 Prozent), Mitarbeiterin Informationssysteme (63 Prozent) und Benutzerservice (35 Prozent). "Aber auch als qualifizierte Arbeitskraft erhaelt die Frau in der DV ein um durchschnittlich 15 Prozent geringeres Einkommen als ihr maennlicher Kollege in gleicher Position", hat Schmidt errechnet.

Weiteres Ergebnis: Ein Drittel aller DV-Mitarbeiter sind in irgendeiner Form am Unternehmenserfolg beteiligt (Tantiemen, Praemien, Boni etc.). In den Fuehrungspositionen betraegt dieser Anteil zirka zehn Prozent und in den Fachpositionen um die sieben Prozent des Gesamteinkommens.

"Mit fortschreitender Geldentwertung und steigender Steuerprogression waechst die Bedeutung nichtmonetaerer Zusatzleistungen", so Schmidt. An erster Stelle stehe die betriebliche Altersversorgung. Fast 90 Prozent aller Mitarbeiter kommen bereits in den Genuss einer solchen Firmenrente. In Grossunternehmen sei die Finanzierung der Pensionszusagen ueber Positionsrueckstellungen die verbreitetste Form. In kleineren Unternehmen dominiere dagegen die Direktversicherung.

Bei der Unfallversicherung habe sich gegenueber den Vorjahren kaum etwas geaendert. 60 Prozent der Fuehrungskraefte und 20 Prozent der Fachkraefte kaemen in den Genuss einer vom Unternehmen gezahlten Unfallversicherung, die sich auch auf den privaten Bereich erstrecke.

Ein Drittel der DV-Profis am Betriebserfolg beteiligt

Die Gewaehrung von Dienstautos werde - anders als frueher - immer weniger von betrieblichen Erwaegungen bestimmt. "Man sieht hier eine gute Moeglichkeit, vor allem Fuehrungskraeften ein steuerguenstiges Extra zukommen zu lassen", glaubt Schmidt. Die Vergabe von Firmenwagen an DV-Mitarbeiter beschraenke sich ausschliesslich auf Fuehrungsfunktionen und sei bis zu einem gewissen Grad von der Unternehmensgroesse unabhaengig. Insgesamt erhielten 50 Prozent der "Leiter Organisation und Datenverarbeitung" einen Dienstwagen. Bevorzugte Typen sind BMW 520i und Audi 100.

Zu der Kienbaum-Untersuchung trugen 308 Unternehmen mit Daten von Mitarbeitern aus 30 typischen DV-Berufen bei. Dargestellt ist in der Studie die Hoehe der Jahresgesamtbezuege, die Struktur, die Entwicklung sowie alle wichtigen Zusatzleistungen. Die Jahresgesamtbezuege setzten sich aus dem Bruttomonatsgehalt pro Jahr, Weihnachts- und Urlaubsgeldern, variablen Extras wie Praemien, Tantiemen, Boni oder sonstigen Jahresabschlussverguetungen zusammen. Darin nicht enthalten seien geldwerte Vorteile, wie sie den Berechtigten beispielsweise durch die private Nutzung von Dienstwagen entstuenden.