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29.06.2001 - 

Enterprise-Portale/Differenzierungsmerkmale für moderne Unternehmen

Überleben an der Kante des Netzes

Das Internet verändert alles - auch sich selbst und seine Unternehmenszugänge. Ein tiefer Blick in die Kristallkugel zeigt, welche Baustellen auf alte und neue Portalbauherren zukommen. Von Barry Morris*

Mit unvergleichlicher Geschwindigkeit hat sich das Internet von einem Medium für statische Marketing-Informationen zu einer allgegenwärtigen Computing-Plattform entwickelt. Wenn dieses hohe Tempo anhält, erleben wir in naher Zukunft eine tiefgreifende Evolution, die durch folgende Merkmale gekennzeichnet sein wird:

-In den kommenden Jahren wird es kommerzielle Websites, wie wir sie heute kennen, nicht mehr geben. Da Firmen zunehmend ihr Geschäft über das Internet abwickeln wollen, verändern sich ihre Web-Auftritte zu Enterprise-Portalen.

-Sobald sich die ersten Portalstrategien herausbilden, werden Unternehmen feststellen, dass sie sich mit isolierten Applikations- und Integrations-Servern nicht mehr weiterentwickeln können. Daher wenden sie sich zunehmend speziellen Portal-Servern zu, um ihre Online-Plattform zu errichten. Anbieter von Applikations-Servern, die sich diesem Schritt nicht anschließen, werden von der Bildfläche verschwinden.

-Die steigende Nachfrage nach der Geschäftsabwicklung über die verteilte Architektur des Internet wird dazu führen, dass Anwender ihre Applikationen überarbeiten müssen. Anstelle der traditionellen Anwendungen bilden sich so genannte E-Services heraus, auf deren Grundlage die neuen IT-Architekturen entworfen werden müssen.

-Servicebasierte Applikationen benötigen eine E-Business-Plattform, wie sie heutzutage noch nicht existiert. Nehmen die Transaktionen eines Unternehmens über das Internet zu, verwischen sich auch die Trennungslinien zu seinen Geschäftspartnern - je mehr E-Business ein Unternehmen betreibt, desto schneller treten diese Überschneidungen ein. Proprietäre Plattformen isolieren eine Firma.

Inzwischen ist es eine Binsenwahrheit: Selbst spezialisierte Websites, auf denen reger Handel getrieben wird, sind nicht automatisch mit einer effektiven und überzeugenden E-Business-Strategie des Unternehmens gleichzusetzen. Der Grund für den schleichenden Niedergang der Websites liegt an ihrer Position, nämlich an der Kante des Netzes ("Network Edge").

Wildwuchs der internen StrukturenIn den letzten Jahren haben Unternehmen die Entwicklung ihrer internen IT-Infrastruktur vorangetrieben. Für die meisten Anwender gilt, dass sie ein oder mehrere Betriebssysteme verwenden, die auf einer Kombination von Mainframes, Unix-Rechnern und Windows-Maschinen laufen. Hinzu kommen diverse Applikationen, mit denen die Geschäftsprozesse unterstützt werden. Wie eng die Integration der Anwendungen umgesetzt wurde, hängt vom technischen Anspruch und der "handwerklichen" Fähigkeit der IT-Verantwortlichen ab. Vervollständigt wird das Szenario durch die firmenspezifischen Inhalte, wobei sich diese in der Regel aus strukturierten Applikationsdaten sowie unstrukturierten Dokumenten, HTML-Seiten und anderen Content-Formaten zusammensetzen.

An der Außengrenze der Unternehmen schreitet die rasante Entwicklung unterschiedlichster Access-Technologien fort. Breitbandige Verbindungen erweitern den Anschluss der Endanwender, deren Nachfrage nach noch schnelleren Verbindungen wiederum die Zugangstechniken vorantreibt. Die Anzahl der Endgeräte steigt an, zudem bilden sich auch hier unterschiedliche Konzepte heraus, beispielsweise PCs, Handys oder digitale Assistenten. Aus diesem Grund sind Firmen gezwungen, für ihre potenziellen Kunden unterschiedliche Informationsformate parallel bereitzustellen. Das Wachstum der drahtlosen Verbindungen im mobilen Computing sorgt zudem dafür, dass Nutzer jederzeit und von jedem Ort auf den Content ihrer Wahl zugreifen wollen.

Die firmeninterne IT-Infrastruktur und die unterschiedlichen Access-Technologien treffen zwangsläufig an eben jener "Kante des Netzes" aufeinander. Hier müssen Unternehmen zunehmend ausgereifte und personalisierte Inhalte und Geschäftsprozesse bereitstellen. Außerhalb des Netzes tummeln sich Milliarden von Internet-Geräten, innerhalb des Netzes befindet sich der Wettbewerbsmotor der Company. Was auch immer von der Firma an der Kante des Netzes implementiert wird, muss extrem skalierbar, verlässlich, hochverfügbar und sicher sein - also immer online.

Köder für die KundenSpätestens jetzt sollte klar geworden sein, dass es sich dabei nicht um eine traditionelle Website handeln kann. Kernziel der kommenden Jahre ist eine neuartige Verwendung des Internet, um die firmenspezifischen Anforderungen an der Kante des Netzes zu erfüllen. Der Name für dieses "Phänomen" ist Enterprise-Portal. Es ist ein Kontaktpunkt und gleichzeitig auch eine Community für die Firma und ihre Mitarbeiter, Partner, Kunden oder Lieferanten. Ähnlich wie die populären Web-Portale à la Yahoo bündelt es eine Vielzahl von Informationen mittels eines Indexes und bereitet sie auf.

Der momentan übliche Web-Auftritt einer Firma dient als wichtiges Werkzeug für die Markenbildung, als eine Art Köder für die Kunden, sowie als Verkaufstresen, Vertriebskanal oder Partnerprogramm. Aktuelle Websites umfassen große Mengen an Informationen, die auf Dutzenden von Servern vorgehalten werden. Ein Enterprise-Portal hilft dabei, den Content zu organisieren, indem sich die Interessenten eine individuelle Betrachtungsweise definieren können.

Zusätzlich dazu bündelt das Portal die Werkzeuge, Anwendungen und Transaktionen, die eine Firma ihren Angestellten, Kunden und Partnern zur Verfügung stellt. Die Ansicht kann an den jeweiligen Bedarf angepasst werden, ebenso lassen sich individuelle Zugriffsrechte für Daten, Informationen und Anwendungen vergeben. Schließlich werden externe Ressourcen wie Nachrichtenquellen oder Sites für die Beschaffung eingebunden. Auf einer einheitlichen Plattform sehen damit Kunden den für sie aufbereiteten Content, Angestellte erhalten die von ihnen benötigten Werkzeuge, und Partner können über das Portal Geschäfte abschließen oder sich lediglich informieren.

Der Zugang, die Bereitstellung und die Möglichkeit zur Personalisierung bilden das Fundament dieser Portalarchitektur. Darüber hinaus ermöglichen Portale, Informationen und Prozesse sowohl der Online- als auch der Offline-Welt zu integrieren. Als Folge daraus entstehen neue Dienste und Produkte. Dafür ist es nötig, verschiedene Applikationen, Daten und Transaktionen derart zu verbinden, dass die Handlungen der Nutzer unterstützt werden.

Effizienz und FlexibilitätStimmt die Architektur, bieten Portale enorme Möglichkeiten für Unternehmen, um die Effizienz und die Flexibilität der Organisation zu steigern. Durch sie können Firmen komplett neue Geschäftsmodelle, neue Produkte und neue Verbindungen zu anderen Institutionen einführen. Gleichzeitig bedrohen schlechtes Design, isolierte Prozesse und Systemausfälle die potenziellen Vorteile eines Portals. Durch Enterprise-Portale können sich Unternehmen entweder von der Masse der Wettbewerber im Internet absetzen, oder aber etablierte Marken werden durch sie über Jahre hinweg geschädigt.

Der Erfolg baut auf einem sorgfältigen Entwurf, einer robusten Infrastruktur und einer Architektur auf, die auch durch Veränderungen der Inhalte und der Organisationsmodelle nicht an Wert verliert. Da sich Enterprise-Portale zur neuen Standardplattform des E-Business entwickeln, werden alle Maßnahmen überflüssig, die sich nicht an diesen Zielen messen lassen. Firmen, die ihren Partnern dieses Niveau an Services und Verbindungsmöglichkeiten nicht anbieten können, werden scheitern.

Wenn Enterprise-Portale die unverzichtbare Plattform werden, auf der Unternehmen sich selbst an der Kante des Netzes präsentieren, bleibt die Frage, wie diese Portale errichtet und in Betrieb gehalten werden. Applikations-Server, die heutzutage favorisierte Basis für diesen Zweck, sind unzureichend. Organisationen werden stattdessen etwas einsetzen, was die Analysten von Gartner als "Portal-Server" bezeichnen.

App-Server waren Ende der 90er Jahre ähnlich bedeutend wie zehn Jahre zuvor die Datenbank-Server. Befreiten Letztere die Entwickler von vielen Zwängen im Bereich der Datenhaltung und -verwaltung, erleichterten App-Server die Übertragung von Geschäftslogik auf die Anwendungsebene. App-Server, Komponenten und die Programmiersprache Java ergänzten sich gut, daher beflügelte jedes dieser Phänomene die Popularität der anderen.

App-Server reichen nicht ausApp-Server sind sinnvoll für Websites mit einem hohen Funktionsumfang sowie für überschaubare Kundenportale, da sie einen umfangreichen Satz an Anwendungslogik bereitstellen. Enterprise-Portale benötigen weitaus mehr, beispielsweise die Integration verschiedener Applikationen auf Mainframes, Unix-Maschinen und NT-Rechnern. Dies erfordert einen Einsatz auf Basis von Standards mit möglichst geringen Veränderungen, sowohl synchrone als auch asynchrone Verbindungen, eine flexible Modellierung von Geschäftsprozessen und schließlich Workflow-Mechanismen.

Außerdem müssen Portale umfangreiche Funktionen mitbringen, um schließlich die Web-Seiten darzustellen. Hierzu zählen Features wie die Personalisierung, die Zugriffskontrolle und das Content-Management - natürlich auf einer Vielzahl von Client-Geräten. App-Server eignen sich gut, um die Geschäftslogik abzubilden. Für die Integration der Applikationen, das Content-Management oder alle anderen entscheidenden Funktionen eines Enterprise-Portals sind sie ungenügend.

Mit steigender Nachfrage der Unternehmen nach Integrationsmöglichkeiten im Backend-Bereich haben die Anbieter von App-Servern begonnen, ihre Standardprodukte mit Integrations-Features anzureichern. Für die Errichtung eines Portals ist das der falsche Ansatz, denn letztendlich werden Anwendungsentwickler dadurch gehindert, mit der hohen Geschwindigkeit des Internet Schritt zu halten. Der Grund ist, dass dadurch der fundamentale Wechsel in der Anwendungsarchitektur ignoriert wird.

App-Server werden sich daher zu den besagten Portal-Servern entwickeln. Sie stellen Unternehmen die benötigten Funktionen zur Verfügung, um effektive Enterprise-Portale zu entwickeln, zu errichten und zu verwalten. Sie umfassen nicht nur eine Applikations-, sondern auch eine Integrationsplattform und ein spezielles Entwicklungssystem für die Web-Seiten. Mit anderen Worten: ein Kombi-Werkzeug für den Bau von Enterprise-Portalen.

Heutige Applikationen, sei es für den Mainframe oder einen J2EE-Applikations-Server, sind in der Regel als spezialisierte Anwendungen ausgelegt. Auch wenn sie mit anderen Systemen interagieren können, so bleiben sie doch isoliert. Die Integration dieser Inseln ist ein aufwändiges und teures Unterfangen. Für das reine E-Business müssen die Applikationen jedoch in der Lage sein, eng mit anderen Anwendungen, Plattformen und Umgebungen zusammenzuarbeiten.

Neue Applikationen sind gefragtDie heutigen Architekturen unterstützen diese Anforderungen allerdings nur unzureichend. Aus diesem Grund müssen Applikationen künftig von Grund auf anders konzipiert werden, damit Unternehmen die Vorteile von Enterprise-Portalen und dem Internet ausschöpfen können. Um derartig flexible Anwendungen zu entwickeln, bedarf es einer Architektur, die sich auf Services oder so genannte E-Services stützt. Mehr als bisher greifen Unternehmen künftig bei der Entwicklung auf Komponenten zurück, wobei sich diese als eine Sammlung von Services präsentieren werden.

Die Dienste sind vollkommen unabhängig von den zugrunde liegenden System-Schnittstellen und Komponentenmodellen, also auch von ihrem Ort, der Plattform und der Sprache. Ihre Verbindung erfolgt über das Standardprotokoll HTTP, die RPC-ähnliche Kommunikation läuft unserer Einschätzung nach über das Simple Object Access Protocol (Soap) ab. Applikationen, die aus E-Services (Gartner) oder Web-Services (Microsoft) bestehen, enthalten Geschäftsfunktionen und Frontend-Dienste, wodurch der Zugang zu Enterprise-Portalen für verschiedene Nutzer und ihre diversen Clients sichergestellt wird.

Zudem müssen diese neuartigen Applikationen auf eine Vielzahl von Datentypen zugreifen. Heutige Anwendungsentwickler haben in der Regel mit datenbankzentrierten Transaktionen zu tun, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass viele Anbieter von App-Servern die Aufmerksamkeit auf ihre OLTP-Fähigkeiten richten wollen. Aber die Nutzer von Enterprise-Portalen verlangen weitaus mehr als den Zugriff auf Datenbanken: Öffnet sich ein Unternehmen einem heterogenen Publikum, finden sich in seinem Portal eine Mischung aus strukturierten und unstrukturierten Daten. Daher verschiebt sich die Applikationsentwicklung von Transaktionen hin zu Interaktionen. Darin können natürlich auch weiterhin Transaktionen eingeschlossen sein, diese sind aber angereichert durch unstrukturierte Daten und Geschäftslogik.

Unabhängigkeit vom BetriebssystemDiese neuen, auf Services beruhenden Applikationen benötigen eine passende E-Business-Infrastruktur. Wurden einst die Begriffe "Infrastruktur" und "Betriebssystem" häufig synonym verwendet, wird die kommende E-Business-Infrastruktur vollkommen unabhängig vom Betriebssystem sein. Sie beruht auf Standards wie XML, Soap, UDDI (Universal Description, Discovery and Integration), J2EE und .NET. Die Infrastruktur muss extrem skalierbar und unabhängig von den verwendeten Geräten sein.

Geht man davon aus, dass auf ihr zusammengesetzte Applikationen mit Anbindung an die Backend-Systeme eingesetzt werden sollen, muss die Struktur sowohl synchrone als auch asynchrone Transaktionen und Messages verarbeiten können. Außerdem sind es Entwickler gewohnt, ihre Probleme mit unterschiedlichen Programmiersprachen auf verschiedenen Wegen zu lösen. Daher muss die Infrastruktur sowohl XML, COM/DCOM, Corba, EJB/J2EE als auch diverse Mainframe-Grundlagen wie Cics, IMS oder Cobol beherrschen.

*Barry Morris ist CEO von Iona Technologies.