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07.03.1980

Überlegungen zum Bildschirmtext-Einsatz:Discount-Telekommunikation

PFORZHEIM - Die Idee des Mediums Bildschirmtext gewinnt in den Diskussionen der Datenverarbeitungs- und Netzwerkspezialisten immer mehr an Bedeutung. Die Überlegungen gehen dahin, den Fernsehempfänger als Informationsgerät zu nutzen und somit durch die hohen Stückzahlen desselben der DFÜ einen Markt zu erschließen, in dem sie bislang unwirtschaftlich war.

Der neue Kornmunikationsdienst Bildschirmtext hat seinen Ursprung in der Idee, den Heim-Farbfernsehempfänger zum Mittelpunkt eines Kommunikations- und Informations-systems für jedermann zu machen. In dieses Bild gehören Videorecorder und elektronische Spiele, ebenso wie die Nutzung der Austastzeilen des Fernsehbildes für eine ein-geschränkte Testübertragung und die vielfältigen Möglichkeiten des Bildschirmtextdienstes. Aus den Gegebenheiten der Fernsehempfängertechnik und des Fernsprechnetzes als Übertragungsweg wurden die wichtigsten Normen für den Bildschirmtextdienst abgeleitet:

- Aus dem Auflösungsvermögen des Fernsehempfängers leitet sich eine Textdarstellung auf dem Bildschirm von höchstens 24 Textzeilen mit je 40 Zeichen ab. Dafür stellt der in großen Stückzahlen hergestellte Fernsehempfänger die denkbar preiswerteste Form eines Datensichtgerätes dar.

- Die Festlegung auf eine Übertragungsgeschwindigkeit von 1200 Bit pro Sekunde zwischen Bildschirmtestzentrale und Terminal und 75 Bit pro Sekunde in der umgekehrten Richtung ist im interaktiven Dialog für den Benutzer gerade noch zumutbar, erlaubt aber anderseits die Konzeption besonders preiswerter Modems.

- Die Verwendung des öffentlichen Fernsprechnetzes in Verbindung mit besonders preiswerten Modems bietet eine für den vorgesehenen Zweck akzeptable Datenübertragungssicherheit und stellt wiederum eine besonders preiswerte Lösung für den gelegentlichen Benutzer dar.

Die aufgezählten Einschränkungen lassen erkennen, daß Bildschirmtest in keiner Weise in der Lage sein wird, die bisherigen Formen der Datenfernverarbeitung oder der Testkommunikation zu ersetzen. Dagegen erlaubt die konsequente Auslegung des Bildschirmtextdienstes auf niedrige Geräte- und Übertragungskosten die Realisierung von Anwendungen, in denen die bisherige Datenfernverarbeitung unwirtschaftlich gearbeitet hätte. Bildschirmtext stellt also keinen Ersatz, aber eine wichtige Ergänzung im Bereich der Datenfernverarbeitung dar.

Besonders vielversprechend erscheint der Einsatz von Bildschirmtext in Organisationen mit weit gestreuter geographischer Verbreitung und einem begrenzten Verkehrsaufkommen der Außenstellen. In manchen Anwendungsfällen kann der Umstand von Bedeutung sein, daß der Zugang zum Bildschirmtextnetz von jedem Fernsprechanschluß aus zur Gebühr eines Ortsgespräches möglich ist, und die Gebühren für die weitere Übermittlung im Bildschirmtextnetz zentral in Rechnung gestellt werden können. Beispiel hierfür wäre ein reisender Geschäftsmann, der über den Fern-sprechanschlußsinr Kunden Bestelldaten mit der Zentrale austauscht.

Organisationen, die sich dazu entschließen, für solche Anwendungsfälle Bildschirmtext einzusetzen, verfügen in aller Regel bereits über EDV-Einrichtungen oder Einrichtungen für die Datenfernverarbeitung, die dann zweckmäßigerweise als externe Computer teilnehmen. Die notwendigen Prozedur- und Datenformatanpassungen erfolgen über Datenkommunikationsrechner.

Um die Möglichkeiten von Bildsschirmtext im Bereich professioneller Anwendungen zu nutzen, ist es notwendig, geeignete Endgeräte neu zu konzipieren. Dabei ist es einerseits erforderlich, anerkannte Anforderungen an die Arbeitsplatzgestaltung zu erfüllen und andererseits Bauelemente aus der Fernsehempfängertechnik, die in großen Stückzahlen kostengünstig hergestellt werden, soweit wie möglich zu verwenden. Aus der Befragung einer Gruppe potentieller Anwender, wie beispielsweise Banken, Versicherungen, Auskunfteien, Makler, Versandhandelsfirmen, medizinischen Institutionen, Reisebüros und Industriebetrieben, lassen sich die technischen Anforderungen an die Endgeräte ableiten. Nicht betrachtet werden in diesem Zusammenhang die speziellen Anforderungen der Nachrichtenanbieter, soweit damit in erster Linie der Privatteilnehmer angesprochen wird.

Für die Ergebnisse hier einige Beispiele:

- Farbwiedergabe auf dem Bildschirm: Bei vielen professionellen Anwendungen kann auf mehrfarbige Wiedergabe verzichtet werden. Einer flimmerfreien einfarbigen Wiedergabe von guter Qualität wird besondere Bedeutung beigemessen. Allerdings kann die Verwendung von Farbe dazu dienen, Informationen hervorzuheben oder übersichtlicher darzustellen.

- Bildschirmgröße: In den meisten Einsatzfällen wird sich das Terminal in Griffweite des Benutzers befinden. Hieraus leiten sich Bildschirmgrößen ab, die wesentlich unter denen normaler Fernsehempfänger oder auch Datensichtgeräte liegen.

- Tastatur: Eine vollständige alphanumerische Tastatur wird in den meisten Anwendungsfällen benötigt.

- Druckeranschluß: In vielen Anwendungen ist die Möglichkeit zum Anschluß eines kostengünstigen, einfachen Druckers erwünscht. An den Drucker werden keine besonderen Anforderungen hinsichtlich Kopienqualität oder Archivierbarkeit gestellt.

- Verschlüsselung: In einigen Anwendungen könnte sich die Verschlüsselung von Daten als notwendig erweisen.

- Größe, Gewicht: Das Bildschirmtext-Terminal am Arbeitsplatz soll möglichst wenig Raum einnehmen. Darüber hinaus besteht Bedarf an tragbaren Terminals, mit deren Hilfe von einem beliebigen Fernsprechanschluß aus über das Bildschirmtextnetz Verbindung mit einem externen Computer aufgenommen werden kann.

Zwei Grundtypen von Terminals wurden als Ergebnis dieser Untersuchung konzipiert. Es handelt sich um ein Gerät für den Schreibtisch des Sachbearbeiters das sich weitgehend an bekannte Fernsehempfängertechnik anlehnt, und ein transportables Gerät, das durch Verwendung modernster Bildschirmtechnologie und akustischer Ankopplung an das Fernsprechnetz ein hohes Maß an Flexibilität bietet.

*Dr.-lng. Bernhard Cramer arbeitet im Forschungszentrum der Standard Elektrik Lorenz AG, Pforzheim, Fachbereich Datentechnik.