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19.06.1998 - 

Texaner streichen auch Stellen im eigenen Haus

Übernahme DECs durch Compaq ist unter Dach und Fach

Das alte Börsengebäude in New Yorks Wallstreet war Schauplatz der Pressekonferenz, bei der die Compaq-Führungsriege die Strategie des neuen DV-Schwergewichts präsentierte. Danach stellt Firmenchef Eckhard Pfeiffer das Unternehmen auf zwei Pfeiler: Windows NT und das Internet. Für diese als Standards bezeichneten Bereiche sollen die passenden Produkte entwickelt werden, die der Kundschaft "Einfachheit, Effizienz und Flexibilität" garantierten.

Pfeiffer hat mit der Übernahme das selbstgesteckte Ziel, 50 Milliarden Dollar Umsatz bis zum Jahr 2000, praktisch schon jetzt erreicht. Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres erwartet der Firmenchef eine ausgeglichene Bilanz, im dritten Quartal wird die Übernahme Digitals bilanziert, aber bereits in den letzten drei Monaten sollen wieder Gewinne erzielt werden. Analysten erwarten hingegen schon im zweiten Quartal Verluste in Höhe von 70 Millionen Mark.

Compaq bezifferte in einem internen Papier für die DEC-Aktionäre die Restrukturierungskosten auf 1,5 bis zwei Milliarden Dollar. Nach Berichten mehrerer US-Medien, darunter das "Wall Street Journal", belaufen sich die insgesamt durch den Merger entstehenden Aufwendungen jedoch auf bis zu 5,4 Milliarden Dollar. In dem internen Schreiben teilen die Texaner auch ihre Pläne hinsichtlich der Belegschaft mit: Aufteilung und Verlagerung von Mitarbeitern und das Schließen von redundanten Fertigungsstätten. Zusätzlich zu dem schon bekannten Abbau von 15000 Mitarbeitern bei DEC, die hauptsächlich in der Produktion beschäftigt sind, wird die Compaq Corp. weitere 2000 Stellen streichen. Diese Arbeitsplätze sollen überwiegend im eigenen Haus, zu einem geringeren Teil wohl auch bei der ehemaligen Tandem Computers wegfallen. Compaq beschäftigt derzeit rund 30500, DEC etwa 53500 Mitarbeiter.

Der neue Allround-Anbieter, der durch DEC nicht nur seine Kundenbasis enorm verbreitert, kann nun weltweite Integrations-, Beratungs- und Wartungsdienste anbieten und attackiert in diesem Bereich Mitbewerber wie IBM oder insbesondere HP.

Zugleich will die Pfeiffer-Truppe im ureigensten PC-Geschäft dem Überflieger Dell einheizen und Compaq-PCs auch direkt anbieten. Dem Händlerkanal möchte Compaq noch mehr Komplettpakete offerieren, die neben Hardware auch Services enthalten. In diesem Bereich sollen verstärkt VARs eingebunden werden. Analysten sehen in der Mischung aus direkten und indirekten Vertriebswegen allerdings erheblichen Sprengstoff, insbesondere was die breite Händlerschaft der Texaner betrifft.

DECs Alpha-Chip will Compaq weiterentwickeln und zusammen mit Digital-Unix zur Basis für das 64-Bit-Computing machen. Der Vorsprung von zwei Jahren gegenüber Intels Merced-CPU soll dazu ausreichen, beide als Industriestandard zu etablieren. Analysten rechnen diesem Unterfangen, das Digital in der Vergangenheit nicht recht gelang, dank der Marketing-Kapazitäten der Texaner gute Chancen aus.

John Rose, derzeit Senior Vice-President und zuständig für das Enterprise-Geschäft, plant allerdings auch NT für die Unternehmens-DV ein. Er will Middleware entwickeln, die den Einsatz von Unix und NT vereinfacht, und sieht sich dafür gewappnet: "Digital-Unix ist das NT-freundlichste Unix am Markt", freut sich Rose. Auch in diesem Segment sollen fertige Komplettangebote für Umsatz sorgen, denn "72 Prozent aller neu eingekauften Applikationen kommen schon jetzt aus dem Regal".

Compaq als Systemintegrator

Die neue Konstellation mit Tandem und DEC sorge für breites Know-how innerhalb der Company, die jetzt über 2000 NT- und 3000 Unix-Spezialisten verfüge. Dazu kämen die 15000 Mitarbeiter, die von Microsoft Training erhalten haben. Schon jetzt gehöre Compaq weltweit zu den fünf führenden Systemintegratoren. Wie Firmenchef Pfeiffer darüber hinaus mitteilte, sollen die Tandem-Division und Compaqs Communications Products Group künftig in einer Enterprise Computing Group unter der Leitung von John Rose zusammengeführt werden.

Wie erwartet scheidet Digitals CEO Robert Palmer zum 1. Juli 1998 aus dem Unternehmen aus. Für erheblichen Unmut unter den Aktionären sorgte die Tatsache, daß Palmer sich den Abschied mit 6,45 Millionen Dollar in bar und weiteren Millionen, etwa in Form von Aktienoptionen und Übergangszahlungen, versüßen läßt. Insgesamt ist der goldene Händedruck für den Manager über 18 Millionen Dollar wert.

DEC-Manager John Rando dagegen bleibt als Senior Vice-President weiterhin für den Bereich Services zuständig. Seine Organisation verfügt derzeit über 555 Büros in 114 Ländern und beschäftigt 25000 Mitarbeiter. Sein Ziel ist es, den Umsatz der Division bis zum Jahr 2002 auf 15 Milliarden Dollar anzuheben. "Dann werden fünf von zehn Dollar des IT-Budgets für Services ausgegeben werden", glaubt Rando. 146 Milliarden Dollar investieren Unternehmen schon heute für Dienstleistungen, der Markt wachse jährlich um mehr als 40 Prozent. Umsatzträchtig sei auch das Geschäft mit Outsourcing, das bei DEC im Finanzjahr 1996/97 um 30 Prozent gestiegen sei. Den rückläufigen Trend im Bereich Wartung hofft Rando mit Hilfe der Compaq-Kundschaft umdrehen zu können.

Neuer und alter Chef von Sales und Marketing ist Compaq-Manager Mike Heil, der nun über eine 10000köpfige Verkaufsmannschaft und 200000Händler verfügen kann. Eines der Hauptziele ist Heil zufolge die "Kreation einer globalen Marke für alle Compaq-Produkte".