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29.09.1995

Uebernahme von NCR hat sich nicht ausgezahlt AT&T entlaesst seine DV-Sparte in eine ungewisse Zukunft

MUENCHEN (ciw) - Mit der Teilung des Konzerns in drei unabhaengige Unternehmen beendet AT&T das Experiment, Telefonservices und IT innerhalb eines Unternehmens zu vermarkten. Abgespalten werden die Bereiche Communication-Products und die angeschlagene Computersparte Global Information Solutions (GIS). Damit ist das Ueberleben der ehemaligen NCR in ihrer jetzigen Groesse fraglich geworden.

Die AT&T Corp. gliedert ihre Aktivitaeten in drei rechtlich, organisatorisch und finanziell unabhaengige Gesellschaften. Nur das Kommunikations-Geschaeft inklusive des von McCaw uebernommenen Mobilfunkteils sowie das Kreditkarten-Business sollen noch das traditionsreiche Logo des Telefongiganten tragen. Die 1990 fuer 7,48 Milliarden Dollar gekaufte und 1994 in AT&T GIS umgetaufte NCR Corp. muss kuenftig ohne das Tueren oeffnende Label auskommen.

In einem dritten Unternehmen mit dem Arbeitsnamen Telecommunication-Products duerften die Geschaeftsfelder Network- Systems, Nebenstellenanlagen und Consumer-Products untergebracht werden. Der Gesamtumsatz dieser Firmen soll dabei den Einnahmen der heutigen AT&T entsprechen. Auf das Telecom-Geschaeft entfallen demnach rund 49 Milliarden Dollar, auf die GIS acht bis neun Milliarden und auf die TK-Produkte weitere 20 Milliarden Dollar.

"Die AT&T will sich wieder auf ihren Kernmarkt Kommunikation konzentrieren. Die drei Firmen sind rechtlich selbstaendig und treten auch im Markt so auf", erklaerte Werner Suelzer, seit dem 8. September Vorsitzender der Geschaeftsfuehrung der AT&T Holding GmbH. Auf die Frage, ob sich AT&T damit vom gluecklosen Ausflug in die Computerbranche zurueckziehe und die AT&T GIS ihrem Schicksal ueberlasse, antwortete Suelzer: "Es ist gleichgueltig, ob ein Geschaeftsfeld als Business Unit oder als eigenstaendiges Unternehmen firmiert. Wenn keine Profite gemacht werden, sind in jedem Fall Konsequenzen zu ziehen." AT&T ruestet sich zur Zeit fuer den verschaerften Wettbewerb im US-Markt.

So werden voraussichtlich die regionalen Telefongesellschaften dem Konzern das Leben schwermachen, wenn sie demnaechst auch Weitverkehrsverbindungen anbieten duerfen - eine Domaene, die bisher MCI, Sprint und AT&T vorbehalten war. Im Gegenzug erhalten die sogenannten Long-Distance-Carrier das Recht, ins regionale Telefongeschaeft einzusteigen. Beide Gruppen duerfen ausserdem kuenftig im Fernsehkabelgeschaeft mitmischen.

Geld fuer das Kerngeschaeft

"AT&T braucht Geld fuer das Kerngeschaeft", erklaerte Herbert Fuchs, Chief Financial Officer der AT&T Holding GmbH. Um die erforderlichen Mittel zu bekommen, so erste Ueberlegungen aus unternehmensnahen Kreisen, duerften die "Braeute fuer die Boerse geschmueckt" werden. Die abgespaltenen Geschaeftsbereiche werden reorganisiert, unprofitable Felder abgestossen oder eingestellt. Ausserdem erhalten sie genuegend Kapital von der Konzernmutter, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, vermuten Insider.

Der Konzern hat offenbar den Wunsch aufgegeben, die 7,48 Milliarden Dollar wieder hereinzuwirtschaften, die die NCR- Uebernahme 1990 gekostet hat. Viele Analysten vertreten die Ansicht, dass dieser Preis fuer den DV-Hersteller viel zu hoch gewesen sei. Der damalige NCR-Boss Charles Exley habe mit Umsatz- und Gewinnprognosen gewinkt, die das Unternehmen 1995 bei mehr als zehn Milliarden Dollar Umsatz ansiedelten. Dabei hatte das damals noch proprietaere Rechner produzierende Unternehmen seinen Zenit bereits ueberschritten - erklaeren amerikanische Analysten heute. "Der hohe Preis war gut fuer die Aktionaere, aber toedlich fuer das Unternehmen. AT&T konnte bei diesem Preis keinen Return on Investment erzielen", meinte ein Insider. Zudem sei nach der Uebernahme zuwenig Geld ausgegeben worden, um die NCR wieder auf die Beine zu bringen. Ausserdem habe AT&T die Schluesselpositionen falsch besetzt.

Die DV-Sparte der AT&T wird um den Verlustbringer Nummer eins, das PC-Geschaeft, bereinigt. Bereits zum 31. Dezember 1995 stellt die GIS ihre Produktion weltweit ein. Betroffen sind vor allem die Hauptwerke in Clemson, USA, und in Augsburg. Von OEMs gefertigte Rechner sollen nur noch als Teil von Komplettloesungen angeboten werden. Weltweit muss die GIS von 42800 Mitarbeitern 8500 abbauen. In Deutschland werden 700 Mitarbeiter - 450 allein in der Augsburger PC-Fertigung - entlassen oder in den Vorruhestand geschickt.

Der Grund, warum die Muttergesellschaft derart auf die Kostenbremse trat, waren die im ersten Halbjahr 1995 aufgelaufenen GIS-Verluste von 332 Millionen Dollar(siehe CW Nr. 38 vom 22. September 1995, Seite 1).

"Ohne einschneidende Massnahmen haette sich das Minus bis zum Jahresende verdoppelt", berichtete Fuchs weiter. Man habe die Entwicklung im PC-Geschaeft verschlafen und den Margenverfall nicht wie die Mitbewerber durch verringerte Kosten auffangen koennen. Ausserdem, erklaerte Manfred Koehler, Geschaeftsfuehrer der deutschen GIS, wurde den anderen Bereichen durch die grossen Anstrengungen im PC-Sektor "zuviel Power entzogen".

Fuer die Nische zu gross

Am schlechtesten entwickelte sich das PC-Geschaeft offenbar in den USA (siehe Interview Seite 9). Die deutsche Tochter hat laut Fuchs im ersten Halbjahr 1995 nicht schlecht abgeschnitten. Dann, nicht zuletzt durch Geruechte in der amerikanischen Presse, habe man Auftragseinbrueche hinnehmen muessen. Die am Jahresanfang angepeilte Produktion von 330000 Rechnern konnte nicht gehalten werden.

Trotz des nachlassenden PC-Geschaefts haette die deutsche GIS ohne die jetzt anfallenden Restrukturierungskosten fuer Mitarbeiterabbau und Abschreibungen ein aehnlich positives Ergebnis vorlegen koennen wie 1994/95. Die Aufwendungen fuer den Mitarbeiterabbau fressen jedoch den Ueberschuss auf. Darueber hinaus verliert die deutsche GIS durch die Werksschliessung enorm an Gewicht. Die PC-Produktion trug mit 550 Millionen Mark zum Gesamtumsatz von 1,2 Milliarden Mark bei.

In Zukunft konzentriert sich das ab Ende 1996 wieder unabhaengige Unternehmen weltweit auf vier Geschaeftsbereiche. Vertikal bedienen wird man die Branchen Handel und Banken, horizontal liegt die Konzentration auf Computerplattformen - Server und Parallelsysteme - sowie auf dem Servicesektor. Ein Abschied von Servern oder Parallelrechnern sei nicht geplant. Presseberichte, wonach auch diese Bereiche unter hohen Umsatzverlusten leiden, wollte der GIS- Geschaeftsfuehrer zumindest fuer sein Taetigkeitsfeld nicht bestaetigen.

Ob der abgetrennte DV-Arm der AT&T in aehnlicher Groesse wie heute weiterexistieren kann, halten einige Analysten und Industriebeobachter fuer fraglich.

"Fuer die Nische zu gross, als Generalanbieter zu klein", urteilt ein amerikanischer Branchenkenner, der anonym bleiben will. Ausserdem haette die GIS durch die diversen Strategiewechsel viel Glaubwuerdigkeit bei den Kunden verspielt. "In diesem Fall kann man nicht mit Marktgesetzen argumentieren, es kommt einfach darauf an, was das verantwortliche Management aus dem Unternehmen macht."