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10.01.2006

Übernimmt Hewlett-Packard CSC?

Mit der Akquisition könnte HP im Servicemarkt aus dem langen Schatten von IBM treten. CW-Bericht, Joachim Hackmann
Zusammen mit CSC würde HP zum zweitgrößten Anbieter von Projekt- und Outsourcing-Diensten.
Zusammen mit CSC würde HP zum zweitgrößten Anbieter von Projekt- und Outsourcing-Diensten.

Der IT-Anbieter und -Dienstleister HP steht möglicherweise vor der größten Akquisition seit der Compaq-Übernahme im Jahr 2002. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge arbeitet HP zusammen mit der Private-Equity-Firma Blackstone an einem Übernahmeangebot für den IT-Dienstleister CSC. Demnach hofft das CSC-Management, aus einem Verkauf mindestens zwölf Milliarden Dollar zu erlösen. Die aktuelle Marktkapitalisierung beläuft sich auf 9,4 Milliarden Dollar. Den Plänen zufolge will HP zunächst nur eine Minderheitsbeteiligung erwerben und Blackstone später weitere Anteile abkaufen. Die beteiligten Firmen kommentierten die Meldung nicht.

"Ich bin erstaunt", räumt Christophe Chalons, Geschäftsführer des Münchner Beratungshauses Pierre Audoin Consultants (PAC), ein. Erst kürzlich habe HP-Chef Mark Hurd die Bedeutung des Unternehmens als Produkthersteller bekräftigt. Das Servicegeschäft sei zwar wichtig, HP strebe aber keine wesentliche Erhöhung des Serviceanteils am Gesamtumsatz an. "Eine CSC-Übernahme, die eine erhebliche Investition und einen enormen Einnahmeschub im Servicegeschäft bedeuten würde, fügt sich nicht in diese Strategie ein", wundert sich Chalons. Würde HP allerdings wirklich den Plan verfolgen, zunächst nur eine Minderheitsbeteiligung zu erwerben, gäbe die Transaktion Sinn. "Möglicherweise möchte HP kurzfristig nicht den großen Schritt in den Servicemarkt wagen, sich mittelfristig aber die Option offen halten", lautet seine Erklärung.

HP erlöst heute rund zwölf Milliarden Dollar mit Dienstleistungen und ist damit bereits eine feste Größe im weltweiten Servicegeschäft. Allerdings stammen die Einnahmen zu einem Gutteil - laut Zählung der Analysten von PAC sind es fünf Milliarden Dollar - aus produktnahen Diensten. Im Consulting- und Systemintegrationsgeschäft spielt HP dagegen keine Rolle. CSCs Umsatz beläuft sich insgesamt auf gut 14 Milliarden Dollar, die das Unternehmen vor allem mit Outsourcing-Services erzielt (siehe Grafik "Die weltweit größten IT-Serviceanbieter").

Mit einer CSC-Übernahme würde HP nicht die Schwäche im Consulting-Geschäft beheben. Marktexperte Peter Kreutter von der WHU - Otto Beisheim School of Management, Vallendar, sieht das gelassen: "Aus strategischer Sicht kann es für HP sogar besser sein, nicht das IBM-PWC-Modell zu kopieren, sondern im Sinne einer Differenzierungsstrategie mit einem anderen Angebotsmix, zum Beispiel aus Infrastrukturprodukten und Betriebsdiensten, eigene Akzente zu setzen."

Mit den Gerüchten rückt CSC innerhalb von wenigen Monaten zum zweiten Mal ins Blickfeld der Kapitalanleger. Im November vergangenen Jahres hat Lockheed Martin zusammen mit drei Private-Equity-Unternehmen (darunter auch Blackstone) zwölf Milliarden Dollar für eine CSC-Übernahme geboten. Die Pläne scheiterten daran, dass Lockheed Martin nur am umfangreichen Behördengeschäft von CSC Interesse zeigte und das Unternehmen zerschlagen wollte. Eine Aufteilung spielt in den aktuellen Plänen keine Rolle.

Die Auswirkung der Akquisitions-Diskussion auf das CSC-Geschäft erachtet PAC-Experte Chalons als vernachlässigbar. "Die Verträge sind in der Regel so gestaltet, dass sie ohne weiteres von einem neuen Eigentümer weiterbetrieben werden können." Auch Neukunden dürfte die Diskussion kaum abschrecken, meint Chalons: "Im IT-Geschäft gibt es außer vielleicht IBM, HP, Microsoft und Fujitsu kein Unternehmen, das nicht ein potenzieller Übernahmekandidat wäre. Derartige Marktbewegungen kennen die meisten Anwenderunternehmen zudem aus eigener Erfahrung, denn in fast allen Branchen sind Akquisitionen derzeit an der Tagesordnung."

Stabile Renditen locken Anleger

Für Belebung im IT-Servicemarkt sorgen seit geraumer Zeit nicht zuletzt die Investment-Gesellschaften. Auch Affiliated Computer Services (ACS), US-amerikanischer Outsourcing- und BPO-Spezialist (Business Process Outsourcing), steht vor einer Übernahme durch die Anlagefirmen Blackstone, Bain Capital, Texas Pacific und Silver Lake. "Die Private-Equity-Firmen richten ihren Fokus auf reife Branchen. Das Outsourcing-Geschäft verspricht zwar keine sehr hohen, dafür aber stabile Renditen. Und es bietet eine hervorragende Kalkulationsbasis, was besonders für fremdfinanzierte Akquisitionen wichtig ist", erläutert Kreutter.