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23.09.1977

Übersetzer Systran ohne "poetische Ader"

Schon vor etwa 25 Jahren begann man, EDV-Anlagen der ersten Generation bei Fremdsprachen-Übersetzungen einzusetzen. Vor allem semantische Probleme und die Große der Wörterbücher sowie deren Abspeicherung ließen Ende der 60er Jahre aber eine gewisse Ernüchterung auf diesem Gebiet eintreten. Fortschritte der Linguisten auf dem Gebiet der Semantik sowie die Entwicklung schnellerer DV-Speichertechniken brachen jetzt aber wieder große Fortschritte.

Anfang des Jahres 1970 wurde das System SYSTRAN von Dr. Peter Toma, Kalifornien, durch das gemeinsame amerikanisch-russische Raumfahrtprojekt Apollo-Sojus populär. Es versorgte die US-Raumfahrtbehörde NASA mit schnellen und genauen Übersetzungen Russisch-Englisch und Englisch-Russisch.

Das System ist inzwischen so weit gereift, daß beispielsweise technisch-wissenschaftliche Texte in Russisch ohne Vor-Redigieren in den Computer eingegeben werden können. Sie werden mit einer Geschwindigkeit von 30 000 Wörtern pro Sekunde "gelesen" und mit einem Tempo von 300 000 Wörtern pro Stunde vollständig übersetzt. Pro Sekunde werden bei Systran ungefähr eine Million logischer Schritte vollzogen. Außer für die bloße Übersetzung soll sich der "programmatische Dolmetscher" auch für Tätigkeiten verwenden lassen, die eine gewisse Intelligenz erfordern. Es könnten zum Beispiel Inhaltsangaben in Kurzform automatisch erstellt werden. Schließlich bietet Systran die Möglichkeit, Systeme zur Beantwortung von Fragen und zur automatischen Trendanalyse zu entwickeln. Das Übersetzungsgrundprogramm ist weitestgehend sprachunabhängig, so daß die Erstellung neuer automatischer Sprachübersetzer für zusätzliche Sprachen sich auf die Bereitstellung von Wörterbüchern und einzelne sprachentypische Module beschränken kann.

Für die "Gilde" der Übersetzer, die um ihre Arbeitsplätze fürchten könnten, eine "Beruhigungspille": Das System ist nicht geeignet für Belletristik aller Art. Hier bedarf es nach wie vor der Übersetzer mit "poetischer Ader".

Für Texte jedoch, bei denen der Inhalt entscheidender als die Form ist, dürfte mit Systemen der beschriebenen Art ein Durchbruch gelungen sein.