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Nur die Terminologie-Datenbanken werden heute mit Gewinn eingesetzt


25.10.1991 - 

Übersetzungssysteme sind durch die Bank noch nicht praxisreif

Als Marktmacht hat Europa gegenüber den USA oder Japan ein großes Handicap: seine Vielsprachigkeit. Die automatischen Übersetzungshilfen, die die Anbieter vor Jahren versprachen, würden hier gute Dienste leisten - wenn es sie denn gäbe. Wie Karl H. Wehrle* ausführt gelten die existierenden Produkte jedoch unter Fachleuten als nicht praxisreif.

Enthusiastisch wurden in den Jahren 1985 bis 1988 die sogenannten automatischen Übersetzungssysteme gefeiert. Mit diesen hochkomplizierten Computerprogrammen, bekannt unter der Bezeichnung "Computer Assisted Translations" (CAT), wollte man in Wirtschaft und Verwaltung der für die 90er Jahre vorausgesagten Flut von Übersetzungen problemlos Herr werden.

"Mit der automatischen Übersetzung fallen die Sprachbarrieren", hatte die Zeitschrift "Capital" 1987 überschwenglich verkündet. Marktanalysen prognostizierten ein Marktvolumen im Milliardenbereich und außerdem noch beachtliche Wachstumsraten in der nahen Zukunft. Doch heute, nach dem offensichtlichen Scheitern zahlreicher Pilotprojekte, erscheint vieles in einem anderen Licht.

Heute ist es still geworden um die klingenden Namen von einst wie Alps, Logos, Systran oder Metal. Diese Systeme sind allerdings nicht ganz vom Markt verschwunden. So bastelt Siemens dem Vernehmen nach weiter an seinem System Metal, das nach herstellereigenen Angaben schon viele Millionen Entwicklungsgelder verschlungen hat. Und Logos arbeitet derzeit an der Portierung auf Unix. Doch den erhofften Durchbruch am Markt hat keines der genannten Systeme bislang geschafft.

Für das vorläufige Scheitern der Computerübersetzung gibt es einige wichtige Gründe, die man in der Frühphase der mit beträchtlichem finanziellen Aufwand entwickelten Systemprojekte oft nicht sah oder nicht sehen wollte. Dabei spielt es im Prinzip keine Rolle, ob es sich um Batch- oder Dialogsysteme handelte - ein Unterscheidungskriterium, das unter den Fachleuten damals heftig und manchmal Glaubenskrieg-ähnlich diskutiert wurde.

Inzwischen hat sich jedoch die Erkenntnis durchgesetzt, daß sich die Sprache in ihrer Komplexität auch mit ausgefeilten Methoden und mit den Mitteln der künstlichen Intelligenz vorerst nicht befriedigend in einem Computerprogramm einfangen läßt. Übersetzen bedeutet nämlich nicht, Wörter einer Sprache gegen Wörter einer anderen Sprache auszutauschen. Vielmehr ist es notwendig, den übersetzten Text nach den Regeln der Zielsprache zu gestalten. Oftmals müssen Texte in der Zielsprache - im Vergleich zum Ausgangstext - mehr oder weniger umgestaltet werden, um zum Beispiel der landesüblichen Mentalität oder den jeweils gültigen Rechtsnormen Rechnung zu tragen. Gerade hier hat sich das Unvermögen von automatischen Übersetzungssystemen deutlich herausgestellt.

Erhebliche Probleme gab es auch bei der Programmierung der Sprachregeln. Nicht selten lesen sich Computerübersetzungen wie Witzsammlungen, die allenfalls geeignet sind, Heiterkeit beim Leser zu erzeugen. Das gilt auch für relativ einfache Texte wie beispielsweise Bedienungsanleitungen und technische Beschreibungen, die noch am ehesten für maschinelle Übersetzungen geeignet erscheinen.

Zwar boten die automatischen Übersetzungssysteme einen unbestrittenen Vorteil, nämlich die Steigerung der Übersetzungsgeschwindigkeit. Durch die ungenügende sprachliche Qualität der meisten maschinell erzeugten Texte wurde dieser Vorteil jedoch wieder zunichte gemacht.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem ist schließlich die oft fehlende Akzeptanz solcher Systeme bei professionellen Übersetzern. Qualifizierte Übersetzer sehen sich dazu degradiert, nicht mehr kreativ eigene Übersetzungen anfertigen zu können, sondern von früh bis spät mehr oder weniger mißratene Computerübersetzungen korrigieren zu müssen. Nur selten finden sich Fachübersetzer, denen diese Art der Arbeit Befriedigung verschafft.

Was ist nun von den Entwicklungen jener Jahre heute noch für die Praxis verwendbar? Vor allem die im Rahmen der CAT-Systeme entwickelten Terminologieprogramme haben sich als große Hilfe für die Praxis erwiesen und werden demzufolge auch weiterhin mit Gewinn eingesetzt. Solche Programme erlauben es dem Übersetzer, während seiner Übersetzungsarbeit umfangreiche Terminologie-Datenbanken im direkten Zugriff zu haben, was einen erheblichen Rationalisierungseffekt ermöglicht.

Die eigentliche automatische Übersetzung spielt jedoch heute in der Praxis keine nennenswerte Rolle mehr. Unter Fachleuten gelten die CAT-Systeme heute - von wenigen Spezialanwendungen abgesehen, als nicht anwendungsreif. Hier an wird sich auch in überschaubarer Zukunft wenig ändern.