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04.03.1977

Überwiegend Vorteile bei der Online-Programmierung

Mit Dipl.-Kfm. Volker Thiel, Abteilungsleiter EDV bei der Provincial Versicherung Düsseldorf, sprach Dr. Gerhard Maurer

- Sie haben vor einem halben Jahr bei der Provincial Versicherung die interaktive Programmierung über Bildschirm eingeführt. Welche Erwartungen hatten Sie und welche Vorstudien gab es, als Sie sich zu diesem Schritt entschieden?

Wir erwarteten eine Produktivitätssteigerung der Programmierung - und die Ergebnisse in einer einmonatigen Testphase zeigten, daß in der Gruppe, die diesen Test durchführte, eine Steigerung von etwa 50 Prozent der Produktivität erzielt werden konnte. Erst nach diesem Monat der Tests haben wir uns dazu entschlossen, interaktive Programmierung in großem Rahmen einzuführen.

- Wie messen Sie die Produktivität Ihrer Programmierer?

Das ist in der Tat eine knifflige Frage. Wir messen Produktivität nicht in Lines of Code. Wir haben sie in unserem konkreten Fall an der Anzahl der Programme, die in einer bestimmten Zeiteinheit erstellt werden, ermittelt.

- Welche Vorstudien, welche Alternativen gab es vor der Entscheidung?

Es gab für uns natürlich die Möglichkeit, IBM's TSO oder ein anderes Produkt anzuwenden, um Online-Programmierung zu machen. Die bestehende Maschinen-Konfiguration und die Belastung der Maschine erlaubte uns jedoch nicht, TSO einzuführen. Dafür hätten wir etwa 600 K virtuell zusätzlich definieren müssen. Außerdem wäre die CPU-Belastung der Maschine wesentlich größer geworden, die zur Zeit schon sehr stark ausgenutzt ist, denn wir haben tagsüber eine durchschnittliche CPU-Belastung von 72 Prozent.

- Damit also schied TSO aus. Das wird Sie traurig gestimmt haben, denn als vormaliger IBM-Berater hatten Sie ja Erfahrungen mit TSO gesammelt?

Diese Entscheidung ist mir gar nicht schwergefallen. Unter den gegebenen Bedingungen war gar keine andere Entscheidung möglich. Wir mußten etwas suchen, was etwa das gleiche leistete, wie das TSO, die Maschine aber weniger belastete. Das haben wir in dem Programm-Produkt Roscoe gefunden. Wenngleich IBM's TSO nicht lizenzpflichtig, also kostenlos ist, ist unsere Lösung billiger -, obwohl das Produkt Roscoe einen Kaufpreis von 67 000 Mark hat. Wir brauchen heute mit angeschalteten 17 Bildschirmen 292 K virtuell und haben eine durchschnittliche zusätzliche CPU-Belastung von 8-10 Prozent.

- Wieviel Platz brauchen Sie auf den Platten?

Wir haben alle im Test befindlichen Programme auf den Roscoe-Bibliotheken gespeichert. Das ergibt 130 Zylinder 3330, also etwa ein Sechstel Laufwert.

- Lohnt sieh der Aufwand? Wo vor allem liegt der Nutzen?

Wie schon erwähnt, haben wir etwa 50 Prozent Leistungssteigerung in der Programmierung erzielt. Des weiteren wirkt sich das Roscoe sehr positiv in der Arbeitsvorbereitung aus. Wir machen die gesamte Job-Control-Erstellung über den Bildschirm und auch die Job-Control-Änderungen bei gespeicherten Prozeduren. Zum Beispiel ist jetzt die Systemumstellung von 3330- auf 3350-Platten erheblich vereinfacht.

- Bringt die interaktive Programmierung auch Vorteile in bezug auf die Sicherheit?

Die Online-Programmierung als solche bringt keine Verbesserung der Sicherheit. Das kommt erst, wenn man einen Schritt weitergeht. Mit Roscoe ist es sehr leicht, eine Trennung von Test-Bibliotheken und Praxis-Bibliotheken durchzuführen, indem, wie wir es beispielsweise gemacht haben, die Testprogramme ausschließlich in Roscoe-Bibliotheken gespeichert sind und nur auf Testdateien zugreifen können. Des weiteren sind nunmehr sowohl die Testprogramme als auch die neuen Praxisprogramme sehr gut dokumentiert; und das bringt große Vorteile in bezug auf die Sicherheit.

- Wird nun weiter so programmiert wie bisher; nur eben online?

Im Prinzip schon, aber es gibt einige sehr wichtige Erleichterungen durch die Prozedursprache, die eine Bedienerführung am Bildschirm erlaubt.

- Wie geht das im einzelnen vor sich?

Die Änderung eines Programmes läuft nach einem bestimmten Verfahren wird durch die Prozedursprache vorgegeben, so daß der Programmierer gezwungen wird, in diesem Verfahren zu bleiben. Der Programmierer kann ihm vorgegebene Möglichkeiten sich anzeigen lassen. So braucht er nur die Wahl zu treffen zwischen verschiedenen an dieser Stelle allein zugelassenen Operationen.

- Soweit die Erfahrung bei der Änderung. Welche Unterstützung gibt es bei der Neuentwicklung von Anwendungs-Systemen?

Ich möchte noch einmal herausstellen, daß das Hauptanwendungsgebiet die Programm-Wartung und -Änderung ist. Aber auch bei der Neuprogrammierung gibt es gelegentlich Vorteile, dann nämlich, wenn aus bestehenden Programmen einzelne Module oder Bausteine in ein neues Programm übernommen werden können. Außerdem hörte das ganze Theater mit den Lochkarten auf. Des weiteren entfallen die im Handling so aufwendigen Listen. Vor allem aber braucht man bei der Online-Programmierung nicht mehr auf das Rechenzentrum oder auf das Operating zu warten, was bei striktem Closed-Shop-Betrieb, wie wir ihn durchführen, zu erheblichen Verzögerungen und dadurch zu weniger Wartezeiten führte.

- Wie reagierten Ihre Programmierer, als Sie ihnen den Bildschirm auf den Arbeitsplatz stellen ließen?

Heute ist die gesamte Abteilung positiv zum Verfahren der Programmierung über den Bildschirm eingestellt. Wie bei jeder Umstellung gab es hier auch Schwierigkeiten - die bei uns wohl geringer waren, weil die Programmierer zum Teil bereits gewohnt waren, mit dem Bildschirm zu arbeiten und zwar beim Programmieren und Testen von Bildschirmprogrammen für das IMS.

- Wie hoch war der Schulungs-Aufwand, um die Mitarbeiter an das neue Verfahren zu gewöhnen?

Der Schulungs-Aufwand war sehr gering, weil wir von Beginn an die Prozedur-Sprache des Roscoe sehr stark ausgenutzt haben und so die Programmierer von Anfang an sehr stark am Bildschirm geführt wurden. Im Grunde genommen war die Einführung eine Sache von wenigen Stunden.

- In Ihrer Programmierabteilung stehen 14 Bildschirme für 28 Programmierer bereit. In der Systemprogrammierung haben vier Mitarbeiter zwei Bildschirme. Wie sind Sie zu diesem Verhältnis gekommen und hat es sich in der Praxis bewährt?

Das war das Ergebnis der Testphase und es hat sich bewährt - allerdings unter der Voraussetzung, daß in einem Raum jeweils eine gerade Zahl von Mitarbeitern arbeitet.

- Soweit waren dies alles positive Aussagen zur interaktiven Programmierung. Gibt es auch negative Dinge zu berichten?

Die zusätzliche Belastung der Maschine habe ich bereits erwähnt, aber sie ist durchaus gerechtfertigt. Störend wirkt sich aus, daß ein IMS-Anwender und ein Roscoe-Anwender nicht denselben Bildschirm benutzen können, was ein Problem der TP-Zugriffs-Methode ist. Aber auch da wird es bald einen Ausweg geben, wenn wir auf die Zugriffs-Methode VTAM umstellen.

- Können Sie sich erklären, warum interaktive Programmierung eigentlich noch recht wenig verbreitet ist?

TSO ist vielen zu teuer - uns auch. Und zu den anderen Lösungen hat man vielfach nicht das nötige Vertrauen - wir wohl.