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13.09.1991 - 

In Zukunft 40 000 ACE-kompatible Anwendungspakete

Ultrix-Entwicklungen sind binärkompatibel zu ACE-ODT

Das Ziel von ACE (Advanced Computing Environment) ist die PC-Welt einerseits und die Unix-Welt andererseits jeweils in sich binärkompatibel abzustimmen und ein gemeinsames Anwendungsportfolio für zwei Standard-CPU-Architekturen anzubieten.

Die Suche nach Lösungen für die 90er Jahre brachte 22 führende Hard- und Softwarehersteller zusammen. Dazu zählten die Digital Equipment Corporation, Microsoft, Santa Cruz Operation (SCO), Compaq und Mips ebenso wie Control Data, NEC, SNI, Silicon Graphics und Zenith.

Erklärtes Ziel war, eine zukunftsweisende gemeinsame Strategie zu entwickeln, mit der sich MS-DOS-/Windows-NT-PC und Unix/RISC-Systeme in einer einheitlichen System- und Anwendungsumgebung zusammenführen lassen. Das fertige Konzept mit der Bezeichnung ACE (Advanced Computer Environment) wurde in diesem Frühjahr der Öffentlichkeit vorgestellt. Die ACE-Initiative unterstützen mittlerweile 60 DV-Unternehmen, deren Umsatzstärke zusammengenommen bei über 50 Milliarden Dollar liegt.

IBM "verschuldet" ersten PC-Industriestandard

Die Bedeutung der ACE-lnitiative und das Potential, das damit entfaltet werden kann, wird deutlich, wenn man die bisherige Entwicklung des Desktop-Markts betrachtet. Die gesamte DV-Branche wurde in den 80er Jahren durch die Vorstellung des Personal Computers mit dem zugehörigen Microsoft-Betriebssystem MS-DOS umgekrempelt. Daß hier der erste Industriestandard in der Cornputerwelt geschaffen wurde, hatte - wahrscheinlich unbeabsichtigt - der Monopolist IBM "verschuldet".

Entscheidend war aber, daß die Anwender den Standard wollten, egal welche Schwächen er aufwies. Innovation war für lange Zeit "out", "IBM-kompatibel" wurde zum Markenzeichen. Der Industriestandard garantierte einen problemlosen Einsatz der zigtausend im Handel erhältlichen PC-Programme. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich das PC-Geschäft von einem beratungsorientierten Geschäft zum Massenmarkt. Anwender konnten aus der breiten Palette kompatibler PC ein auf die Bedürfnisse zugeschnittenes Gerät, dem jeweiligen Bedarf und den Preisvorstellungen entsprechend, auswählen.

Mittlerweile hat sich die Leistungsfähigkeit der PC um ein Vielfaches gesteigert, und moderne grafische Benutzeroberflächen, wie Windows von Microsoft und die Apple Macintosh-Oberfläche haben den PC noch anwenderfreundlicher gemacht. Allein in Deutschland wurden 1990 zirka 1,5 Millionen DOS-PC verkauft.

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre erzeugte die neue Rechnerkategorie der Workstations eine ähnliche große Nachfrage wie bei den PC. Füllten diese Systeme doch die Leistungslücken zwischen Abteilungsrechnern und den PC. Für den Erfolg sorgte vor allem das Betriebssystem Unix.

Das hochportable Betriebssystem wurde schon Ende der 60er Jahre entwickelt und stand allen Hardware-Herstellern zur Verfügung. Dadurch, daß für die Hardware-Hersteller bei Unix kaum Eigenentwicklungsaufwand bestand konnte sich dieses Betriebssystem als ideale Software-Basis im Workstation-Markt etablieren. Seine Funktionalität erlaubte es, die Vorzüge des Desktop-Computing zu nutzen, ohne auf Multiuser-, Netzwerk- und Datenbankfähigkeiten verzichten zu müssen. Da jedoch viele Hersteller den vorhandenen Betriebssystemkern beliebig um individuelle Funktionen erweitern konnten, mußten Anwender auf Kompatibilität verzichten und proprietäre Unix-Versionen in Kauf nehmen.

Die Anwendungsprogramme liefen folglich nur mit den Betriebssystemversionen der jeweiligen Hersteller. Das ist um so mehr ein Nachteil für den Anwender, da die Kaufentscheidung primär über die jeweils verfügbare Anwendungssoftware fällt. Für unabhängige Software-Entwickler im Unix-Bereich bedeutet das, daß eine einmal entwickelte Anwendungssoftware auf verschiedene Plattformen mit manchmal erheblichem Aufwand portiert werden muß. Dabei sollte doch die Devise lautem: Kompilieren statt portieren. Das Ziel konnte also nur ein einheitlicher Unix-Markt sein, um von der Software-Vielfalt für kompatible Hardware in der gleichen Weise zu profitieren, wie man es bereits vom PC- Markt gewohnt ist. Die ACE-lnitiative setzt auf offene Technologien, die keinen Einschränkungen unterliegen. Ein Leitgedanke ist die strikte Trennung von Chip-Technologie und Betriebssystem. Die Unabhängigkeit ist quasi ein Garant für ein Interessengleichgewicht bei den beteiligten Hardware- und Software-Herstellern. Die ACE-lnitiative schließt keineswegs aus, daß die Mitglieder sich eigenständig im Markt positionieren. Ein solcher Zusammenschluß kann und will den Wettbewerb nicht ausschalten. Aber er schafft Voraussetzungen dafür, daß der Wettbewerb - wie auch immer - zu Gunsten des Kunden endet.

Der Anwender sollte frei wählen können

Ausgangspunkt der ACE-Initiative ist es, dem Anwender ein breiteres Anwendungsportfolio auf einer variablen Systemplattform zur Verfügung zu stellen. Er sollte möglichst frei wählen können, seine vorhandene Systemplattformen möglichst weitgehend einbeziehen können und eine größtmögliche Investitionssicherheit erhalten. Die ACE-lnitiative umfaßt deshalb die zwei wichtigsten zukünftigen Standard-Desktop-Betriebssysteme - Windows NT und ACE-ODT (Open Desktop) sowie die am weitesten verbreiteten Desktop-Hardware-Plattformen - Intel 80x86 und RISC Rx000 von der Firma Mips.

Windows NT von Microsoft als Nachfolger der MS-DOS-Erweiterung Windows wird sowohl auf der Intel- als auch auf der Mips/RISC-Plattform laufen. Windows NT basiert auf einer Microkernel- Architektur und wird Posix-, OSF/DCE- und OSF/DME-Schnittstellen enthalten. Heutige Windows-Anwendungen werden kompatibel auf Windows NT laufen. Für den PC-Anwender bedeutet das leichte Migration in die RISC-Welt und Schutz der getätigten lnvestitionen. Was "MS-DOS kompatibel" in den 80ern war, wird "ACE-kompatibel" in den 90ern sein.

Ultrix wird zukünftig auf OSF/1 basieren

ACE-ODT von SCO basiert auf dem OSF/1-Betriebssystem, eine der modernsten und besten Unix-Betriebssystemtechnologien. Es wird kompatibel zu SCO-Unix, zu Unix System V und zum Ultrix-Betriebssystem von Digital Equipment sein. Die Anwender können in Zukunft aus zirka 40 000 ACE-kompatiblen Anwendungspaketen auswählen. Digital hat schon im vorigen Jahr angekündigt, daß zukünftige Ultrix-Versionen auf OSF/1 basieren werden. Diese Betriebssystem-Arbeit wird an SCO weitergegeben als Basis für das ACE-ODT. SCO ist dann verantwortlich für die Integrationsarbeit, die Distribution und Weiterentwicklung. Dabei steht die stabile und gute Implementierung eines Standardprodukts im Vordergrund, nicht die Implementierung der letzten Innovation.

Ein wesentlicher Bestandteil der ACE-lnitiative ist die ARC-Spezifikation (Advanced RISC Computing), die Richtlinien für den Aufbau der MIPS/RISC basierten Systeme festlegt.

Bestandteil der ARC-Spezifikation ist neben der Festlegung der Chip-Architektur der EISA-Bus und der von Digital offengelegte und leistungsfähigste Peripherie-Bus Turbo-Channel. Interessenten, die sich der ACE-Initiative anschließen wollen, haben jederzeit Zugang zu der ARC-Spezifikationen. Somit kann man davon ausgehen, daß sich mehr und mehr Unternehmen der ACE-lnitiative anschließen werden. Die im Rahmen der ARC-Spezifikation entwickelten Rechner können als Workstation, Fileserver, PC-Server, Kommunikations-Server oder Mehrbenutzersystem eingesetzt werden.

Die ersten ACE-Software-Entwicklungssysteme werden Ende '91 zur Verfügung stehen, so daß dann bereits begonnen werden kann, aus heute schon verfügbaren ACE-konformen Anwendungen ACE-kompatible Anwendungen zu machen.

ACE ist eine logische Weiterentwicklung, aber auch Bestätigung der Unix-Strategie von Digital. Das frühe Bekenntnis zu OSF/1 und den anderen OSF-Technologien, die Wahl der Mips/RISC-Prozessorfamilie für die Digital RISC-Systeme und die Einbeziehung der Intel-PC in das NAS-Konzept versetzen Digital in die Lage ACE-konforme Systeme und Anwendungssoftware anzubieten.

Wer heute auf Ultrix entwikkelt, entwickelt binärkompatibel zu ACE-ODT.

*Toni Hein ist Leiter der Unix Focus Gruppe bei Digital Equipment