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17.09.1993

Um benutzerfreundliche Programme einzusetzen Der DV-Koordinator braucht den methodisch erfahrenen Vorturner

Ohne eine fundierte Ausbildung schafft der DV-Profi nicht den Sprung zum Koordinator. Zu leicht kann er im Konflikt Fach- contra DV-Abteilung unter die Raeder kommen. Bruno Grupp* schildert seine Erfahrungen als Ausbilder von etwa 850 Koordinatoren.

70 Prozent der Koordinatoren ueben diesen Job nebenamtlich aus und muessen in den Kurs bestenfalls das Wissen eines PC-Fans einbringen. Die Organisationskenntnisse fehlen weitgehend und lassen sich ohne eine professionelle Ausbildung zum Organisator auch nicht erwerben. Auf dieser Basis laesst sich die in der CW verlangte "optimale Programmumsetzung" wohl kaum erreichen.

In DV-Projekten geraet ein DV-Koordinator leicht zwischen die Fronten: Vertritt er die Meinung der DV-Seite, wird er als Ueberlaeufer angeprangert. Als reiner Interessenvertreter seiner Abteilung wird er im Projekt als Bremser abqualifiziert, der sich nicht von den gedanklichen Zwaengen des herkoemmlichen Ist-Zustands befreien kann. Eine erhebliche Beanspruchung des DV-Koordinators kann sich bei der Motivation und menschlichen Betreuung unzufriedener Bildschirmsachbearbeiter ergeben.

Dieser Punkt gehoert unbedingt in die von der CW aufgezaehlten Jobinhalte. Der DV-Koordinator kann bei einem ungeliebten Rationalisierungsprojekt leicht zum Opfer erbarmungsloser Mobbing- Hackereien werden.

Gefragt ist eine hohe Kooperationsbereitschaft

Drei Voraussetzungen sind fuer einen effizienten Einsatz von DV- Koordinatoren unerlaesslich:

- Aufgaben und Pflichten sind gemeinsam mit der DV-Abteilung zu erarbeiten. Dazu gehoert auch die Steuerung der Ausbildung. Vorteilhaft fuer den DV-Koordinator ist ein "Pate" im DV-Bereich, der ihn bei schwierigen Arbeiten unterstuetzt (Beispiele: Bearbeitung eines Wartungsantrags oder Nutzenformulierungen).

- Mit der Ernennung zum DV-Koordinator und einem auf wenige Tage beschraenkten Intensivtraining kann der DV-Koordinator noch laengst nicht die im CW-Artikel aufgezaehlten Jobs ausfuehren. Es bleibt unerlaesslich, dass in einem Projekt ein DV-Organisator oder erfahrener Organisationsprogrammierer als methodisch erfahrener "Vorturner" taetig ist und den DV-Koordinator bei seinen Arbeiten anleitet. Wir erwarten heute, dass ein DV-Profi in der Projektarbeit benutzerfreundliche Arbeitsmethoden anwendet, die auch ein Fachabteilungsmitarbeiter versteht.

- Waehrend einer Projektabwicklung und im anschliessenden Anlaufstadium eines neuen DV-Anwendungssystems benoetigt der DV- Koordinator eine ausreichende Rueckendeckung seines Fachbereichs. Neben der Projektgruppe muss ein Benutzerausschuss (auch Abstimmgruppe oder Projektausschuss genannt) aus Fuehrungs- und Fachkraeften seines Anwenderbereichs dem DV-Koordinator die noetige Sicherheit geben. Der DV-Koordinator gehoert beiden Projektinstanzen an.

Bei hohen Anspruechen an die DV-Koordination infolge einer Dezentralisierung der Datenverarbeitung oder bei einer festgestellten Ueberforderung von Linienmitarbeitern in dieser Funktion sind in neuerer Zeit Unternehmen immer wieder dazu uebergegangen, die Koordinationsstellen mit einem professionellen Organisator oder Organisationsprogrammierer zu besetzen.

Besonders dann, wenn bei einem solchen Mitarbeiter aus frueheren Projekten Kenntnisse aus dem Anwendungsbereich vorliegen, kann eine solche Alternative Vorteile bringen. Mitarbeiter hierfuer finden sich in DV-Abteilungen, die durch den Einsatz von Standardsoftware oder Dezen- tralisierungs-Bestrebungen nicht mehr benoetigt werden.

Nur die Sonnenseite

des Berufes gesehen

In der CW Nr. 30 vom 23.07.1993, Seite 37: "DV-Koordinatoren muessen die Sprache des Anwenders kennen", ging es um das Berufsprofil des Koordinators. Unter anderem war zu lesen: "Im Idealfall spricht der DV-Koordinator zwei Sprachen: die der Anwender und die der DV-Spezialisten. Im Verlauf der Entwicklung einer Softwareloesung weist er immer wieder auf die fachlichen Notwendigkeiten und die spezifischen Wuensche der Benutzer hin und traegt so dazu bei, das Programm optimal an die gegebenen Anforderungen anzupassen." Fuer Bruno Grupp ist diese Darstellung zu optimistisch: "Der durchschnittliche DV-Koordinator kann sich mit diesem Idealtyp nur selten messen".

*Dr. Bruno Grupp ist DV-Berater und -Ausbilder in Mainz.