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17.07.2006

UMA: Löst das Handy die Bürotelefone ab?

Mit dem Unlicensed Mobile Access (UMA) sollen Festnetz und Mobilfunk konvergieren.
Prinzipiell funktioniert UMA ähnlich wie das klassische GSM-Netz, nur dass beipielsweise WLAN-Access-Points die Basisstationen ersetzen. Dies soll unter anderem eine bessere Indoor-Abdeckung ermöglichen.
Prinzipiell funktioniert UMA ähnlich wie das klassische GSM-Netz, nur dass beipielsweise WLAN-Access-Points die Basisstationen ersetzen. Dies soll unter anderem eine bessere Indoor-Abdeckung ermöglichen.

Sie haben gerade erst mehrere tausend Euro in neue VoIP-Telefone investiert, um an der viel propagierten Konvergenz von IT- und TK-Welt teilzuhaben? Dann sollten Sie sich nicht wundern, wenn die Industrie Ihnen eine lange Nase zeigt und Sie zu weiteren Investitionen auffordert. Denn das klassische Tischtelefon - egal ob VoIP oder POTS - war gestern, der moderne, auf seine Wettbewerbsfähigkeit achtende CIO kauft jetzt Mobiltelefone, neudeutsch auch als Dual-Mode-Handys bezeichnet. Nur mit diesen, so tönt es aus den Marketing-Abteilungen der Hersteller, lässt sich der Mitarbeiter überall reibungslos in den Kommunikationsfluss und Workflow eines Unternehmens einbinden.

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UMA Plus Minus

-- Schnell zu realisierende Fixed-Mobile-Convergence-Lösung;

- Anwender benötigen lediglich neue Handys;

- keine Roaming-Proble- matik;

- transparente Weiterführung der GSM-Technik.

- Legacy-Technik;

- keine echte Konvergenz;

- kaum Mehrwert durch Konvergenz von Sprach- und Datenwelt;

- Investitionsschutz frag- würdig, eventuell nur Interimslösung.

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Dass die Tage des klassischen Festnetzanschlusses gezählt sind, ist unbestritten. Nach einer Erhebung des Beratungsunternehmens Techconsult GmbH, Kassel, sinkt die Zahl der in deutschen Unternehmen genutzten Festnetzanschlüsse monatlich um rund 8000. "Dabei migrieren 40 Prozent zu VoIP, während 60 Prozent auf eine mobile Lösung setzen", konkretisiert Frank Heuer, Analyst und Leiter des Kompetenzzentrums Communications bei Techconsult, die Zahlen. Zudem wollen in den nächsten zwei Jahren 15 Prozent der mittelständischen Unternehmen zumindest einen Teil ihrer Festnetztelefone durch Handys ersetzen.

Je nach Unternehmensgröße setzen die Anwender dabei aus unterschiedlichen Motiven auf eine mobile TK-Lösung. Bei kleineren Unternehmen, etwa im Baugewerbe, bei Handelsvertretungen oder Dienstleistern steht der Kostenaspekt im Vordergrund. "Für größere Unternehmen zählen dagegen", so Analyst Heuer, "eher Argumente wie Komfort und Integration." Etwa wenn ein Mitarbeiter auf dem Unternehmenscampus überall erreichbar ist und dennoch günstig durch die Anbindung an die eigene TK-Anlage telefonieren kann. Und unterwegs ist der Nutzer dank der Integration überall unter seiner Office-Nummer erreichbar, da die Anrufe entsprechend geroutet werden. Wird der Integrationsgedanke konsequent gelebt, kann der Benutzer unterwegs Applikationen wie das Unternehmenstelefonbuch oder CRM-Anwendungen auf dem Mobiltelefon nutzen.

Wege zur Konvergenz

Solange es um die Vorteile der Verschmelzung von Mobilfunk und Festnetz, die Fixed Mobile Convergence (FMC), geht, herrscht in der Industrie Einigkeit. Anders sieht es dagegen aus, wenn die dahinter liegende Technik zur Sprache kommt. Anfangs galt im Zuge der allgemeinen VoIP-Begeisterung die Erweiterung der IP-Telefonie um Wireless LAN (WLAN) oder Wimax als der Königsweg in Richtung FMC. Mittlerweile propagiert aber eine breite Allianz aus Herstellern und Carriern den Unlicensed Mobile Access (UMA) als Alternative, die schneller und kostengünstiger zu implementieren sei. Namhafte Anbieter wie beispielsweise T-Mobile, Cingular, British Telecom, Kineto Wireless, Motorola, Ericsson, Nokia, Sony Ericsson, Alcatel, Siemens, RIM oder Nortel Networks haben sich im UMA Consortium organisiert, um das Verfahren zu forcieren.

Vorteile von UMA

Glaubt man dem TK-Hersteller Tellabs, der Besucher der amerikanischen ITK-Messe Globalcomm 2006 befragte, so wollen 26 Prozent der Antwortenden in nächster Zeit das Thema FMC mit einem IP-Multimedia-Subsystem angehen, während 13 Prozent UMA bevorzugen.

Einen wichtigen Vorteil der neuen Technik sieht Helge Tiainen, COO bei Clavister, einem Hersteller von UMA Security Gateways, darin, dass damit Mobiltelefone zentral mit Funktionen wie etwa Telefonbüchern in die Unternehmenskommunikation einbezogen werden können. "Und gleichzeitig können die Kosten für die Handy-Nutzung im Unternehmen auf ein Niveau reduziert werden, wie es der Anwender vom Festnetz her kennt", so Tiainen weiter. Ferner könnten so bestehende Dect-Infrastrukturen, die in vielen Unternehmen noch zum schnurlosen, mobilen Telefonieren vorhanden sind, kostengünstig abgelöst werden. Auch Vodafone Deutschland betrachtet UMA als eine interessante Alternative und beobachtet deren Entwicklung genau. "Allerdings können Sie die Integration des Mobilfunks in die Rufnummerngasse eines Unternehmens bereits heute mit Diensten wie unserem ,Wireless Office‘ oder den ,Corporate‘-Varianten realisieren", hält Pressesprecher Holger Witzke die Fahne für die GSM/UMTS-Technik hoch.

Bessere Indoor-Abdeckung

Dass gerade Vodafone und O2 in Deutschland schon innovative FMC-Lösungen auf GSM-Basis entwickelt haben, räumt auch Steven Shaw, Director bei der auf UMA-Lösungen spezialisierten Kineto Wireless, ein. "Allerdings habe ich auch gehört, dass diese Dienste für die beiden Anbieter eine Herausforderung in Sachen Marge und Profitabilität sind", spricht Shaw ein anderes Problem diplomatisch an. Dadurch, dass bei UMA das klassische Internet als Transport-Backbone zum Weiterleiten der Gespräche verwendet werde, sei die Technik nämlich für die Carrier unter finanziellen Aspekten sehr interessant. "Zudem ersparen sich die Carrier mit UMA in Gebäuden mit schlechtem Mobilfunkempfang den kostspieligen Ausbau ihrer GSM-Infrastruktur", legt man bei Nokia nach.

Kostenvorteile

Diese Kostenvorteile sollen vor allem daraus resultieren, dass in den Gebäuden klassische unlizenzierte Funktechniken wie WLAN oder Bluetooth zur drahtlosen Anbindung der mobilen Endgeräte eingesetzt werden. Von den lokalen Funkstationen wird der Verkehr dann per IP-Netz, also via Internet, in das Netz des Mobilfunkanbieters oder Carriers weitergeleitet. Ein Konstrukt, das auf den ersten Blick wie eine reine VoIP-Installation aussieht. In der Praxis wird jedoch bei UMA der Sprachverkehr nicht wie bei VoIP in IP-Datenpakete zerlegt, sondern als native GSM-Verbindung durch das Internet getunnelt.

Die Technik im Detail

Für diesen Ansatz spricht, dass so alle GSM-Funktionen und -Services erhalten bleiben. Auf der anderen Seite bleibt UMA damit eine klassische TK-Technologie, die geswitcht, also verbindungsorientiert arbeitet. "Für den Anwender hat dies den Vorteil", so Clavister-Manager Tiainen, "dass er über UMA genauso sicher telefonieren kann wie über ein GSM-Netz, wenn er in seinem Unternehmen die IPsec-Kommunikation erlaubt." Die WLAN-Access-Points fungieren dabei als Funkbasisstation, vergleichbar einer GSM-Basisstation. Lediglich auf Provider-Seite gibt es einen Unterschied zum klassischen Mobilfunknetz: Anstelle eines Base Station Controllers (BSC) kommt ein UMA Network Controller (UNC) zum Einsatz, dessen Aufgaben aber denen eines BSC entsprechen. "Aufgrund der gleichen Funktionen ist UMA aus Netzsicht letztlich nichts anderes als eine weitere Funkbasisstation", erklärt Kineto-Director Shaw. Dies hat in der Praxis den angenehmen Nebeneffekt, dass das Roaming und Handover zwischen zwei Funkzellen auf denselben Prinzipien basiert wie im GSM-Netz. "Das ist unter anderem der besondere Reiz an UMA", schwärmt Tiainen, "denn es gibt nicht die Probleme wie bei VoIP over WLAN beim Wechsel der Funkzellen." In einem VoIP-basierenden Netz ist, vereinfacht ausgedrückt, der schnelle, unterbrechungsfreie Wechsel von einer WLAN-Zelle in die nächste eine technische Herausforderung, da die WLAN-Standards hierzu ursprünglich keine Mechanismen vorsahen. Ein Ansatz, dieses Problem in den Griff zu bekommen, ist das WLAN-Switching.

Das braucht der User

Betreibt der Anwender bereits eine entsprechende WLAN- oder Bluetooth-Infrastruktur, benötigt er dagegen im UMA-Umfeld nur noch ein IPsec-Security-Gateway, um mit geringem Aufwand an dieser Technik zu partizipieren. "Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass noch entsprechende Dual-Mode-Handys mit integriertem UMA-Client erforderlich sind", ergänzt Shaw. Entsprechende Modelle haben beispielsweise Nokia mit dem 6136 und dem N80, Motorola mit dem A910, Samsung mit dem t709 oder LG mit dem CL 400 im Programm, um nur einige Geräte zu nennen.

Die Suche nach einem Provider, der auf der Netzseite UMA unterstützt, sollte den Anwendern bald auch nicht mehr schwer fallen. In den USA wurde UMA von Betreibern wie Cingular, Rogers Wireless und T-Mobile aus der Taufe gehoben. Derzeit werden dort fünf Projekte kommerziell erprobt und stehen kurz vor dem Vermarktungsbeginn. In Europa existieren laut Clavister-COO Tiainen knapp 15 kommerzielle UMA-Versuchsinstallationen, die kurz vor der Inbetriebnahme stehen. Während sich die deutschen Mobilfunker in Sachen UMA noch bedeckt halten, haben die italienische Telekom, France Telecom, Orange und Telia Sonera bereits angekündigt, dass sie noch im Sommer mit entsprechenden Angeboten auf den Markt kommen. Teilweise ist ein Start noch für Juli geplant.

In diese euphorische UMA-Stimmung platzte erst kürzlich eine Pressemeldung der British Telecom (BT) wie eine Bombe: Die Briten, die in Europa mit ihrem Dienst "BT Fusion" als UMA-Pioniere gelten, wollen im professionellen Umfeld in Sachen Fixed Mobile Convergence gemeinsam mit ihrem Partner Alcatel auf eine klassische SIP-basierende VoIP-Lösung setzen.

SIP im Profiumfeld

Ebenfalls in Zusammenarbeit mit Alcatel hatte BT im Juni 2005 als erster Carrier in Großbritannien im Consumer-Umfeld eine UMA-Lösung eingeführt. Bei dieser telefoniert der User per Bluetooth zu Hause mit dem Handy über DSL und unterwegs über die klassischen Mobilfunknetze. Zwar wird BT dieses Angebot laut Raschid Karabek, Head of Strategy & Business Development bei BT Deutschland, um eine WLAN-Lösung erweitern, doch soll es sich bei dem unter dem Arbeitstitel "Corporate Fusion" beziehungsweise "Enterprise Fusion" für 2007 geplanten Profi-Service um eine reine VoIP-Lösung handeln, die sich nahtlos in die vorhandenen VoIP-Installationen in der Business-Welt integrieren lässt. "UMA ist im Residential-Umfeld eine ideale Ergänzung zu GSM, da es sich schnell installieren lässt", begründet Karabek die strategische Entscheidung, "doch im SIP-orientierten Geschäftsumfeld bringt sie kaum Vorteile." Hier stehen in den Augen von Karabek nämlich nicht nur die reinen Gesprächskosten im Vordergrund, sondern auch Argumente wie die Anbindung an CRM-Prozesse, um die Produktivität zu steigern, "und dies lässt sich nur mit SIP und VoIP über WLAN effizient realisieren".

Ulrich Kemp, Sprecher der Geschäftsleitung bei T-Systems, sieht momentan ebenfalls keine Veranlassung, im Business-Umfeld auf UMA zu setzen. "Warum sollen wir auf eine neue Technik wechseln, wenn wir mit der Kombination aus WLAN und VoIP in Pilotversuchen gute Erfahrungen gemacht haben?", so Kemp.

Nur eine Übergangslösung

Noch deutlicher wird ein Branchenkenner, der mit Rücksicht auf seine vielfältigen Vertragsbeziehungen ungenannt bleiben will. Für ihn ist der Ansatz, bei UMA GSM-Verkehr durch ein IP-Netz zu tunneln, schlicht "pervers, denn dann kann ich gleich auf eine reine VoIP-Lösung setzen". Er ist der festen Überzeugung, dass UMA nur eine Interimslösung auf dem Weg zur reinen IMS-Welt (IMS = IP Multimedia Subsystem) ist und von daher nur eine begrenzte Halbwertszeit hat.