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Umdenken in allen relevanten Gruppen erforderlich VDMA besorgt ueber die Zukunft der Mikroelektronik in Europa

01.10.1993

MUENCHEN (kk) - Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. sieht sich in der Klemme. Einerseits trifft die Maschinenbauer der Nachfrageausfall etwa aus der deutschen Automobilbranche, andererseits muessen neue Schluesseltechnologien teuer im Ausland eingekauft werden.

Als Problemfelder macht der VDMA eine Gesellschafts-Technologie- und Standortkrise aus. Ekkehard Suess, Vorsitzender der Fachgruppe Productronic im VMA und Inhaber eines mittelstaendischen Maschinenbauunternehmens, wies in seinem Vortrag anlaesslich einer Pressekonferenz in Muenchen insbesondere auf den teuren Standort Deutschland hin. "Kostenbelastung und Regulierungsdichte treibt die Unternehmerschaft aus dem Lande, wie die Beispiele von Siemens oder Bosch beweisen", so sein Fazit zur Standortproblematik. Die Folge der Desinvestition in der BRD sei unter anderem auch die, dass Werkzeugmaschinen ebenfalls vorort im Ausland produziert werden und die Wertschoepfungen durch Aufstellung, Service und Wartung, die bis zu 60 Prozent ausmache, dann ebenfalls dort erfolge.

Unzufrieden ist der Verband ebenfalls mit dem Transfer von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen zur (mittelstaendischen) Industrie. Unkoordiniert arbeitende Forschungsinstitute, die "wie Kathedralen der Landesfuersten" in den einzelnen Bundeslaendern stuenden und das Fehlen von Risikofinanzierungsgesellschaften fuer die Umsetzung der Ergebnisse fuehre dazu, so Suess weiter, dass die Forschungsgelder vertan seien.

Hier setzte auch Heinz Hagmeister, Chairman von Jessi (Joint European Submicron Silicon), mit seiner Kritik an den unkoordinierten staatlichen Forschungsinstituten an. Eine zentrale Steuerung der Institute sei dringend erforderlich, aber nicht zu verwirklichen. Ausserdem bemaengelt Hagmeister, dass nicht zielorientiert geforscht werde, so dass die Erfolgsquote von Forschungsvorhaben in Deutschland nur zwischen zwei und vier Prozent liege, waehrend die verwertbare Ausbeute in den USA zweistellige Prozentzahlen erreichen wuerde.

Im Jessi-Forschungsprogramm laufen momentan 62 Projekte mit einer Gesamtkapazitaet von 2900 Mannjahren, die sich auf 13 Laender und 150 Partner aufteilen. Die ersten Resultate - beispielsweise der Herstellprozess von Halbleitern in 0,5 Mikrometertechnik - der im Mai 1990 begonnenen Projekte liegen bereits vor und sind fuer Interessierte verfuegbar.

Trotz Erfolgen Finanzierungsluecken

Trotz der Erfolge von Jessi beklagt Hagmeister die entstandene Finanzierungsluecke, insbesondere durch die Bruesseler EG- Verwaltung. Betroffen ist vor allem der Bereich der Grundlagenforschung, den Jessi vollstaendig in die Hand der Eurokraten gegeben hat und der nun nahezu stillstehe, weil Bruessel kein Geld gibt.

Probleme bereitet auch das Bun- desministerium fuer Forschung und Technologie (BMFT), das die Gelder fuer die Halbleiterforschung eingefroren hat und ausserdem der bemannten Raumfahrt Prioritaeten einraeumt. Zwar muessen alle Sprecher konzidieren, dass sich 1993 zu einem fantastischen Jahr fuer die Halbleiterindustrie entwickelt und zweistellige Zuwachsraten erzielt werden, aber fuer die Zukunft malen sie ein duesteres Bild, wenn eine Fokussierung auf die traditionell starken Gebiete der Europaeer nicht erfolge. Dazu zaehlt der VDMA beispielsweise die Herstellung elektronischer Systeme.

Traegheit der Normierungsbehoerden

Am Beispiel Fernsehgeraete und HDTV lasse sich die Traegheit der Normierungsbehoerden aufzeigen, die sich auf keinen Standard einigen koennten, wie Jens Uwe Fuhrmann vom bayerischen VDMA erlaeuterte. Fuer die Bildtelefon-Technologie existiere ebenfalls keine verbindliche Norm, beim digitalen Rundfunk sei ein entsprechendes Chipset bereits fertig, aber die Intendanten der verschiedenen Rundfunkanstalten koennten sich mit der neuen Technik noch nicht anfreunden.

Die Verfallskette beschreibt Ekkehard Suess wie folgt: "Wenn immer mehr Halbleiterfabriken in Europa schliessen, werden mit Zeitabstand die Equipmenthersteller folgen. Das aber wiederum trifft damit einen empfindlich grossen Teil des Maschinenbaus. In der Fortsetzung verschwinden Leiterplatten, dann die Baugruppen und mit einem gewissen Zeitabstand der Verlust von Know-how, das sich in den ASICs manifestiere, die man dann bei der Konkurrenz brennen lassen muesse."