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30.09.1994

Umfrage unter Lesern der "Computerworld" US-Anwender halten nichts von Outsourcing und Re-Engineering

FRAMINGHAM (IDG) - Die Anwender wissen echte Trends und Schlagworte zu unterscheiden. Dies ergab eine Leserumfrage der "Computerworld". Besonders Outsourcing und Business Re-Engineering stiessen auf wenig Gegenliebe.

Folgt man dem Votum der rund 300 Befragten, dann stoesst das Auslagern von Mission-critical- oder strategisch wichtigen DV- Systemen zunehmend auf Unverstaendnis. So erlebte Ronn Koester, MIS-Director beim Versandhaendler Hickory Farms Inc., Maumee, Ohio, ein wahres Outsourcing-Desaster. Die Anwendungen im Bereich Auftragsbearbeitung, die heute noch von einem in Dallas angesiedelten Outsourcer betreut werden, sollen in Kuerze aus Kosten- und Ueberwachungsgruenden wieder eingegliedert werden.

"Wann immer Schwierigkeiten auftauchten, mussten wir in Dallas anrufen und hoffen, dass die Leute dort die Dinge erledigen konnten. Meiner Erfahrung nach dauert das aber oft zu lange", berichtet Koester. Solche Zeitverzoegerungen schlagen auf die Kosten, besonders bei einem Versandhaendler, der 85 Prozent seines Umsatzes in den acht Wochen vor Weihnachten realisiert. Waehrend dieser kritischen Zeit kann eine halbe Stunde Wartezeit fuer einen Bandwechsel Hickory Farms 50 000 Dollar kosten. Im vergangenen Jahr brach die Telefonanlage des Outsourcers fuer vier Stunden zusammen. Verlust fuer den Versandhaendler: 500 000 Dollar. Dabei sind unkalkulierbare Schaeden wie Kundenunzufriedenheit noch gar nicht beruecksichtigt. "Selbst wenn wir uns fuer ein Hard- und Softwarepaket sowie einen Dieselgenerator als USV entscheiden, wuerde uns das bei hoeherem Funktionsumfang und mehr Leistung immer noch 150 000 Dollar pro Jahr weniger kosten, als wir jetzt dem Outsourcer bezahlen", bilanziert der IS-Chef.

Andere haben aehnliche Erfahrungen mit dem Auslagern wichtiger Anwendungen gemacht. Seit sich das herumgesprochen hat, stehen IS- Manager dem Outsourcing kritisch gegenueber.

Skeptisch aeusserten sich die Leser der CW-Schwesterpublikation auch ueber Business Re-Engineering. In fuenf Jahren duerften nicht mehr allzu viele Leute ueber das Thema sprechen, geschweige denn Anstrengungen in diese Richtung unternehmen, meinen die Befragten.

Keine Rede mehr von Business Re-Engineering

Die Gruende dafuer reichen von Methodenkritik bis hin zur Ablehnung des Schlagworts selbst:

"Ich halte Re-Engineering fuer ein aufgeblaehtes Zwischenspiel bei dem Versuch, Unternehmen umzugestalten", sagt Chayim Herzig-Marx, Director of Information Resources an der Harvard University. "Ich glaube, es ist nicht der richtige Weg fuer Verbesserungen." Er haelt es fuer sinnvoller, Geschaeftsprozesse Schritt fuer Schritt zu verbessern. "So kommen wir zu hoeherer Flexibilitaet und koennen die Veraenderungen besser managen", begruendet Herzig-Marx.

Eine typischere, aber auch zynischere Ansicht vertritt Jim Harper, Vice-President Information System beim Kleberhersteller Loctite Corp. Fuer ihn ist das Konzept nur alter Wein in neuen Schlaeuchen: "Beim Re-Engineering handelt es sich doch nur darum, Prozesse zu analysieren und um ueberfluessige Funktionen zu bereinigen. Das unterscheidet sich in nichts von dem, was wir schon vor 15 Jahren gemacht haben, bloss nannten wir es damals Systemstudie. Das wird man immer machen, nur wird man in fuenf Jahren wieder einen neuen Namen dafuer gefunden haben."

Ebenfalls Allgemeingut in der IS-Gemeinde ist inzwischen, dass CIOs (Chief Information Officer) mit Management-Erfahrung, aber ohne IT-Hintergrund, nichts taugen. Schliesslich koenne, so der Tenor der Antworten, von Bossen mit rein betriebswirtschaftlichen Werdegaengen nicht erwartet werden, strategisch bedeutsame Technologie-Entscheidungen zu treffen, wenn sie die Funktion einer IT-Abteilung gar nicht verstehen.

Die "Computerworld" fragte ihre Leser auch, welche Technologien in fuenf Jahren die Informationsverarbeitung bestimmen wuerden. Konsens ist, dass weder Apple-Server noch Digitals Alpha-Chip eine grosse Rolle spielen werden. Neben schnellen Technologiewechseln wurde vor allem erwartet, dass Apple und Digital in fuenf Jahren nicht mehr zu den grossen Playern gehoeren. "Ich bin nicht sicher, ob Apple es im heutigen Klima schafft, zu ueberleben", sagt Howard Halpin, Senior Vice-President of Information and Technology beim Verband der Flugzeugbesitzer und Piloten. "Wenn ueberhaupt, dann nur in Nischenmaerkten."

Eine dieser Nischen koennte das PDA-Business sein. Allerdings glauben die meisten "Computerworld"-Leser nicht, dass die persoenlichen digitalen Assistenten in fuenf Jahren von vielen benutzt werden. Immerhin duerften sie aber noch genauso existieren wie Pen-basierte Rechner, neuronale Netze und sprachgesteuerte Computer. "Ich denke, dass keine neue Technologie wirklich stirbt", philosophiert David Lozupone, MIS-Director von Columbia Artists Management Inc., New York. "Entweder enden die PDAs in einer Nische, oder sie werden Baustein fuer etwas Neues."