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18.09.1987 - 

Auf Informationen aus dem Computer ist nicht immer Verlaß:

Umgang mit Datenbanken will gelernt sein

18.09.1987

Von CW-Mitarbeiter Egon Schmidt

Umfangreiche Datenbanken, auf deren immensen Gehalt an Informationen per Computer sekundenschnell zugegriffen werden kann. sind von der Theorie her eine feine Sache. Dennoch aber wird von den Anbietern solcher Dienste immer wieder mangelndes Interesse seitens der potentiellen Benutzer beklagt.

Schaut man sich die Angelegenheit einmal näher an, so haben die möglichen Anwender vielleicht gar nicht so unrecht. Denn manchmal scheinen die Computer bei Datenbanken allein schon durch ihre schiere Existenz jegliches Nachdenken zu verhindern. Und so treibt der blinde Glaube an den unfehlbaren Automaten mal wieder die groteskesten Blüten.

Da gibt es beispielsweise eine - angeblich stets aktuelle - Auflistung der wichtigsten Aktienkurse der New Yorker Börsen; also ein vermutlich doch wertvolles Hilfsmittel für jeden, der das Auf und Ab dieser Wertpapiere zeitnah verfolgen möchte. Und der anhand des raschen Vergleichs zu historischen Kurswerten erkennen möchte, ob ein Papier gerade relativ billig ist oder vielleicht schon wieder nahe seinem Höchstkurs notiert.

In dieser Liste findet sich nun unter anderem der bekannte Chip- und Computer-Hersteller Texas Instruments, dem aber laut ausgegebenen Daten in letzter Zeit Schreckliches widerfahren sein muß. Denn er notierte Ende Juni bei gerade noch 61,25 Dollar, hatte heuer aber, laut Kursblatt, schon mal 199,87 Dollar erreicht. Während sein bisheriges Jahres-Tief mit 57,12 Dollar erschreckend nahe dem aktuellen - und mithin ganz offensichtlich "abgestürzten" - Kurs liegt.

So ungefähr die Interpretation der aktuellen Daten durch einen Börsianer, der sich allein auf die Daten des Computers verläßt (was ein erfahrener Börsianer allerdings nie tun würde). Denn nur wer über zusätzliches Wissen verfügt, ersieht aus den vorliegenden Daten, daß da "der Computer", oder besser eigentlich dessen Betreiber, heillosen Stuß produziert hat.

Die banale Wahrheit hinter dem "schrecklichen Texas-lnstruments-Kursverfall" ist nämlich schlicht und einfach die, daß dieses Papier vor kurzem einem "Split" unterlag und daß eine der früheren TI-Aktien mithin einfach in drei "neue" aufgeteilt wurde. Und daß es mithin auch nötig gewesen wäre, die Angaben der Höchst- und Tiefstkurse in der Tabelle entsprechend anzupassen.

Wäre dies geschehen, so würde dem aktuellen Kurs der "neuen" TI-Aktie ein "richtiger" Jahres-Höchstkurs von 66,62 Dollar gegenüberstehen, und auch der Jahres-Tiefstkurs würde nicht mehr zu falschen Schlüssen verleiten. Er nämlich würde dann korrekt auf 39,17 Dollar beziffert werden, war die "alte", dreimal so gewichtige Aktie heuer doch schon mal auf nur 117,50 Dollar gestanden.

Der hier sichtbare, gedankenlos schlampige Umgang mit maschinell verarbeiteten Informationen führte in jener Woche, in der die TI-Aktien im Verhältnis eins zu drei gesplittet wurden, auch noch zu einer besonders aparten Kursnotiz. Denn als der Kurs, infolge des Splits, plötzlich auf 61,50 Dollar lautete, da war in der Spalte daneben, in der die prozentualen Kurs-Veränderungen im Vergleich zur Woche davor angegeben sind, von einem Kurssturz um "-64,6" Prozent die Rede. Ein Fall, der wohl jedem Schwarzen Freitag zur Ehre gereichen würde ....

In Wahrheit kein tiefer Sturz

In Wahrheit allerdings konnte von einem so tiefen Sturz natürlich keine Rede sein - im Gegenteil: Denn bezogen auf die Vorwochen-Notierung der "alten" TI-Aktie in Höhe von 173,75 entsprach die neue Notierung des gedrittelten Papiers sogar noch einem Gewinn in Höhe von 1,06 Prozent. Nur leider: Dem vermeintlich unfehlbaren Computer erschloß sich dieser Sachverhalt nicht. Und auch dem flüchtigen Leser der Tabelle wohl erst, als der erste Schock über mehr als 60 Prozent Verlust schon durchlitten war.

Wäre dies alles nun bloß ein Einzelfall, so konnte man ihn vielleicht ausnahmsweise noch durchgehen lassen und den Betreibern von Datenbanken derart intelligenter Machart als läßliche Sünde verzeihen. Doch leider: Die Sache scheint, siehe Kasten, in Wahrheit Methode zu haben.

Dazu zwei weitere Beispiele, die bei näherer Betrachtung übrigens auf eines hinauslaufen. Und die einmal mehr zeigen, wie gedankenlos Menschen, von denen man eigentlich ein bißchen mehr an eigenem Denken erwarten sollte, oft Computer einsetzen. Da gibt es in den USA seit einigen Wochen eine Firma, "Baker-Hughes" genannt, die aus der Fusion zweier Unternehmen, nämlich Baker International und Hughes Tool, entstanden ist. Und deren Aktien auch brav und treu in New York notiert werden und derzeit einiges über 20 Dollar wert sind.

Nicht so jedoch in den Computer-Listen der hier kritisierten Aufstellung New Yorker Effektenkurse. Dort nämlich sucht man das neue Unternehmen beziehungsweise dessen Kurse vergebens, findet dafür aber sowohl die Firma Baker als auch die guten alten Hughes Tools aufgeführt.

Und zwar beide mit - heute allerdings kaum mehr wichtigen - Jahres-Höchst- und -Tiefstkursen sowie beide mit der exakten Prozentangabe der Kursveränderungen gegenüber der Vorwoche: plus/minus "0,0" Prozent, kann man da lesen.

Doch wüßte man's nicht wieder mal besser als der schlecht programmierte Computer, so könnte man doch glatt fürchten, die Baker- und die Hughes-Aktien seien längst irgendwo auf dem Müll gelandet - als wertloses Altpapier.

Plus/Minus - eine Frage des Rechners?

Zur gleichen Zeit, da ein nachlässig programmierter Computer voller Börsen-Daten aus einem mageren Kursgewinn der TI-Aktie einen erschreckenden Verlust zauberte, erschienen im Output dieses Systems auch andere, ebenso rätselhafte Kurs-Bewegungen.

Hat Apples Kurs Mitte Juni binnen weniger Tage wirklich um 46,8 Prozent nachgegeben, ist also auf 42 Dollar "gestürzt"? Ist der Atari-Kurs wirklich um 49,1 Prozent zusammengeschnurrt - und die Aktie mithin "nur noch" so um die 15 Dollar wert?

Hat American Cyanamid wirklich einen Sturz um 44 Prozent durchgemacht, um fortan bei "nur noch" 52,50 Dollar dahinzukrebsen?

Gab es bei Minnesota Mining ein Desaster In Höhe von 46,6 Prozent des Kurses? Mit der Folge, daß diese Papiere jetzt "schon" für rund 71 Dollar zu haben seien?

Hat es bei Smithkline Beck gleich in Höhe von 49,1 Prozent eingeschlagen, und Ist der Kurs somit auf etwa 60 Dollar "gefallen"?

Wird das Management von Syntex je erklären können, warum die Aktie nur noch' so um die 42 Dollar wert ist? Nach einem Wochenverlust, wie Ihn die Datenbank ausweist, in Höhe von 47 Prozent?

Und wie schließlich steht jetzt eigentlich das Management von Tandem Computers da, gab es dort doch angeblich ein Sieben-Tage-Minus In Höhe von 45,9 Prozent? Was den Kurs auf etwa 36 Dollar "zusammenschnurren" ließ.

Oder könnte es vielleicht sein, daß ein paar Leute hier einfach allzu blind Ihrer EDV vertraut haben? Und im gleichen Moment, da sie den Rechner einschalteten, ihr Gehirn ausgeschaltet haben?