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28.11.1980

Umorientierung im Grundverständnis von Software

Dr. Klaus Börning, MOS, Forschungs- Institut für Mikro-ökonomische Strukturen, Kreiensen

Unter (Anwendungs-)Software versteht der Benutzer als EDV-Laie die Menge aller Einzelprogramme.

Ein Einzelprogramm ist eine Arbeit mit einem eigenen visuellen Output (Druck und/oder Bildschirm) sowie einer eigenen Sortierfolge und Abarbeitungshäufigkeit.

Die Software im kommerziellen Bereich leidet darunter , daß

- die Herstellung der Einzelprogramme unbezahlbar und

- die Änderung vorhandener Einzelprogramme unmöglich ist.

Die Ursachen hierfür liegen in der abartigen und unvollständigen Systemsoftware. Diese wurde 1960 kritiklos aus dem Wochenbett der EDV, den technisch-mathematischen Anwendungen, in das Kaufmännische Lager übernommen. Die Anforderungen kommerzieller Problemlösungen an die Kupplungs- Steuerrungssoftware (Systemsoftware) sind durch die in der Kommerz-EDV existierenden

-großen Datenmengen,

- tiefen Strukturen in den Datenspeichern und visuellen Outputs sowie

- trivialen Rechenvorschriften

total entgegengesetzt zu den Anforderungen technisch-mathematischer Lösungen an die Systemsoftware.

Für Kommerz-Computer muß also eine funktional und strukturell andere Systemsoftware (Betriebssystem, Datenverwalter, Sprachübersetzer) konzipiert und gebaut werden.

Bevor dieses jedoch möglich ist, muß ein neues Grundverständnis für die Kommerz-EDV aufgebaut werden. Besonders erschwert wird dieses durch die Software-technologische und methodologische Konzeptionslosigkeit in der Herstellung und Änderung von Anwendungs-Software.

Jeder EDV-Insider muß selbst kritisch zugeben, daß noch nie perfekte Technologien und Methoden für Software-Herstellung und -Änderung vorhanden waren. Bis heute jedenfalls wurden keinerlei zeitliche und kostenmäßige Vorteile erreicht. Woran liegt das ?

Alle Methoden und Werkzeuge konzentrieren sich heute auf die Unterstützung eines Software-Profis bei der Anfertigung eines Einzelprogrammes in einer unverständlichen

synthetischen (Programmier-)Sprache.

Tatsächlich jedoch liegen die Probleme auf einer wesentlich tieferen Ebene, nämlich in der richtigen strukturellen Verknüpfung aller Einzelprogramme mit allen ver- und entworfenden Dateien. Dieses Software-Fundament möchte ich als "Baseware" bezeichnen.

Seit Jahren wurde an der wahren Software-Problematik vorbeigedacht. Man hat bis heute noch nicht einmal erkannt, daß jede kommerzielle Programmiersprache total überflüssig ist und nur eine unüberwindliche Verständnisbarriere zwischen dem Sachkenner als EDV-Laien und dem Software-Profi aufbaut. Die natürliche (Mutter-)Sprache erfüllt denselben Zweck entscheidend besser. Alle Anweisungen für die Programm- und Dateiensteuerung eines jeden Einzelprogrammes sind nämlich automatisierbar und im Software-Fundament Baseware schon erkannt und abgestellt

Gestern wurden Methoden und Werkzeuge für vorgestern entwickelt, die heute nur mit Polypenarmen zu hantieren sind.

Die Software-Profis der Kommerz-EDV verharren in ihren zu engen Denkmustern und sind überzeugt, ohne Programmiersprachen ginge nichts, denn eine Automation sei bei der hohen Variabilität von Anwendersoftware unmöglich. Auf der Ebene, auf der sie denken, haben sie sogar recht. Aber das ist eben die falsche Ebene - eine Ebene zu hoch.

In der Baseware liegt die Kernproblematik - aber auch der Segen. Werkzeuge, welche Baseware automatisch errichten, sind um mindestens das Zwanzigfache komplexer und komplizierter als die heutigen Generatoren, die nicht einmal Natursprache in Maschinencode übersetzen können. Ist jedoch dieses strukturelle Problem gelöst, ist das Software-Elend ausgerottet.

Voraussetzung aber ist, daß eine fundamentale Umorientierung im Grundverständnis von Kommerz-EDV stattfinden muß. Wenn dies gelingt - und das gilt für alle Computerhersteller, Softwarehäuser und Beratungsunternehmen steht eine hochprofitable Welt offen.

Die meisten der nachstehend aufgezeigten Erkenntnisse werden sehr bald Gesetzeskraft erhalten.

Die zehn Erkenntnisse für ein neues Grundverständnis von Kommerz-Software:

1. Ein Softwaresystem ist ein teleologisches (zielgerichtetes) System. Das Ziel ist, stets aktuelle Informationen zu gewinnen - und nicht, Daten zu verarbeiten.

2. Was ist eine Information im erkenntnistheoretischen Sinne? Sie ist eine quantifizierende Datenart, die klassifiziert ist durch wenigstens eine identifizierende Datenart.

3. Ein Softwaresystem besteht aus einer unendlichen Menge von Einzelprogrammen. Ein Einzelprogramm visualisiert sachlogisch verbundene Informationen (Zielfelder).

4. Das logische unteilbare Element eines jeden Softwaresystems ist die Datenart, der Feldname.

5. Jedes Softwaresystem ist ein Logistiksystem. Die Versorgung aller Zielfelder erfolgt in der letzten Konsequenz immer durch Quellfelder, die in Dateien gehortet sind.

6. Die Versorgung aller Zielfelder des Softwaresystems kann nur auf der Ebene aller Einzelprogramme (Baseware) erfolgen.

7. Bevor nicht die Baseware völlig logistikfehlerfrei ist, darf kein Einzelprogramm hergestellt werden.

8. Jede Ergänzung oder Änderung des Softwaresystems darf nur auf dem sicheren Fundament der stets logistikfehlerfreien Baseware erfolgen.

9. In der Kommerz-Software ist jede synthetische (Programmier-) Sprache überflüssig. Die natürliche Sprache erfüllt denselben Zweck.

10. Die stets aktuelle Dokumentation von Baseware und Software muß total verständlich für jeden EDV-Laien vollautomatisch erfolgen.

Die Computerhersteller und großen Softwarehäuser werden Millionen in die neue Systemsoftware investieren müssen. Aber es wird sich lohnen, denn der Anwender ist seine Softwaresorgen los. Je früher die heutige Un-Systemsoftware verschrottet wird, desto besser und billiger. Und desto vorteilhafter für den Anwender. Aber wer denkt schon an den Anwender.