Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Interview


07.08.1998 - 

"Umsatz ist, was beim Endkunden ankommt"

CW: Wie kam es dazu, daß Baan Bilanzmanipulation vorgeworfen wurde?

Richter: Der Begriff scheint mir etwas überzogen. Neben der Baan Company gibt es noch die beiden Gesellschaften Baan Business Systems (BBS) und Baan Midmarket Solutions (BMS), die beide zu Vanenburg Ventures (ehemals Baan Investment BV, Anm. d. Red.) gehören und allein in Besitz von Jan und Paul Baan sind. Die Verwirrung entstand, weil wir an BBS Einzellizenzen verkauft und als Umsatz ausgewiesen haben, ohne uns darum zu kümmern, ob die Produkte bereits an Endkunden weitergeleitet worden waren. Wir haben dieses Accounting-Verfahren jetzt umgestellt: Jetzt wird nur noch das als Umsatz ausgewiesen, was nachweislich beim Endkunden angekommen ist.

CW: Was hat Baan unternommen, um der Finanzwelt klarzumachen, daß es intern nichts zu verschleiern gibt?

Richter: Baan Investment wurde umbenannt in Vanenburg Ventures, die BBS und die BMS sollen verkauft werden. Außerdem ist Paul Baan aus dem Aufsichtsrat der Baan Company ausgeschieden und engagiert sich nur noch bei Vanenburg Ventures. Jan Baan hat sich aus dem Vorstand der Baan Company zurückgezogen und geht in den Aufsichtsrat.

CW: Niemand hat gefordert, daß Jan Baan den Vorstand verläßt...

Richter: Er ist ja noch im Aufsichtsrat, hat also noch Einfluß auf das Unternehmen. Daß er diesen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt tut, hat persönliche Gründe.

CW: Werden die Brüder Baan Teile ihres 39prozentigen Firmenanteils verkaufen?

Richter: Soweit ich weiß nicht.

CW: Ist zu erwarten, daß nun die Baan Company die Mittelstandsorganisation BMS von Vanenburg Ventures mehrheitlich übernehmen wird?

Richter: Wir haben bereits einen 15prozentigen Anteil. Daß wir ihn weiter ausbauen, ist möglich.

CW: Wann wird sich das klären?

Richter: Kurzfristig.

CW: Baan hat sich in den letzten Jahren einen Gemischtwarenladen an Produkten zugelegt. War das ein Fehler?

Richter: Aurum, Matrix, Coda, Meta 4, Berclain - das waren strategisch sinnvolle Aufkäufe. Wir sind damit ein Anbieter, dessen Spektrum über den Enterprise-Resource-Planning-Markt hinausgeht. Was in Deutschland mit der Comet-Basis, Strässle etc. gelaufen ist, war nicht von der weltweiten Baan Company zu verantworten, sondern von der Baan Deutschland GmbH. Ich möchte jetzt nicht kommentieren, wie sinnvoll oder unsinnig das war.

CW: Distanzieren Sie sich von den Einkaufstouren Ihrer Vorgänger?

Richter: Nein. Sie passen nur nicht mehr in unsere heutige Politik, weil Baan die Geschäfte jetzt schärfer trennt. Baan Company bedient Großkunden mit mehr als 300 Millionen Mark Umsatz. Der gesamte Markt darunter wird von der Mittelstandsorganisation BMS bearbeitet - und damit ausschließlich von Partnern. Die Q4 IBS, die das Comet-Geschäft betreut, ist aber bisher der Baan Company angegliedert. Ob das so bleibt, ist noch ungewiß.

CW: Gibt es Überlegungen, das Comet-Geschäft wieder abzustoßen?

Richter: Nein.

CW: Wie unabhängig können Sie in Deutschland von Ihrem Headquarter in den Niederlanden entscheiden? Müßte die Übernahme einer Produktpalette ê la Comet heute abgestimmt werden?

Richter: Ich würde kein Unternehmen kaufen, ohne mit dem Headquarter darüber zu beraten, wie es sich integrieren läßt und ob es ins Konzept paßt. Das gibt's doch nirgendwo, daß man so etwas im Alleingang macht.

CW: Man hatte aber in der Vergangenheit den Eindruck, daß in Deutschland sehr selbständig agiert wurde.

Richter: Der Abstimmungsprozeß war sicher nicht so intensiv wie heute. Man hat ganz stark den deutschen Markt betrachtet und nicht so sehr die strategische Ausrichtung des gesamten Unternehmens.

CW: Als Sie die deutsche Geschäftsführung übernahmen, fanden Sie eine teilweise sehr unzufriedene Kundschaft vor.

Richter: Wir haben viele zufriedene Kunden, es sind aber auch einige unzufriedene dabei, das ist richtig. Ich suche den Kontakt zu unseren Anwendergruppen und will mit ihnen diskutieren, wie man Verbesserungen in den Bereichen Support, Mainte- nance, Produktentwicklung etc. erzielen kann.