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29.10.1999 - 

Alle Hoffnungen ruhen auf "Mysap.com"

Umsatzschwäche im Ausland verhagelt SAP die Bilanz

MÜNCHEN (hv) - Einen Gewinneinbruch um 64 Prozent mußte die SAP AG, Walldorf, im dritten Quartal des Geschäftsjahres 1999 verkraften. Der SAP-Vorstand nahm die Präsentation des schwachen Ergebnisses zum Anlaß, die künftige Marschrichtung aufzuzeigen und mit dem Erzrivalen Oracle abzurechnen.

Für die erfolgsverwöhnten Unternehmenssprecher Hasso Plattner und Henning Kagermann war der Gang vor die Presse nicht leicht. Es galt zu erklären, warum der Gewinn im abgelaufenen dritten Finanzquartal nur noch 88 Millionen Mark betrug (3. Quartal 1998: 244 Millionen Mark). Der Umsatz war im selben Berichtszeitraum lediglich um sieben Prozent auf 2,2 Milliarden Mark gestiegen - im Produktgeschäft mußten sogar Einbußen von zwei Prozent verdaut werden.

Plattner versuchte gar nicht erst, die Zahlen schönzureden: "Selbst vor dem Hintergrund des gegenwärtig schwierigen Marktumfelds ist das Ergebnis der ersten neun Monate für uns enttäuschend." Zu dem Geschäftseinbruch hätten insbesondere schwache Resultate in den Niederlassungen Japan und England geführt. In beiden Fällen hat SAP Reorganisationsmaßnahmen eingeleitet und die für das Desaster verantwortlichen Manager hinausgeworfen.

In den USA, wo der Umsatz im dritten Quartal um fünf Prozent auf 962 Millionen Mark zurückging, hätten Anwender ihre Investitionen in betriebswirtschaftliche Standardsoftware hinausgezögert. Als Grund nannte Plattner nicht nur das vielzitierte Jahr-2000-Problem, das in den Unternehmen Kapazitäten bindet und Neuinvestitionen verhindert. Gravierender wirke sich jenseits des Atlantiks der Internet-Boom aus. "Wir haben nicht erwartet, daß ERP-Produkte plötzlich nur noch mit Internet-Funktionalität akzeptiert werden", wunderte sich der technologische Vordenker der SAP.

"Der Markt in den USA ist so stark gekippt, wie es eben nur dort möglich ist." Die Client-Server-Ära gehe zu Ende, PCs und Laptops als Endgeräte seien den Amerikanern mit Blick auf die Total Costs of Ownership (TCO) zu teuer geworden. Anwender interessierten sich nun dafür, über eine Vielzahl von Endgeräten auf Portale, wie das von SAP herausgebrachte "Mysap.com Workplace", zuzugreifen. Über eine personalisierte Browser-Oberfläche nutzen sie dabei nicht nur die von ihnen benötigten internen Unternehmensapplikationen, sondern auch - via Internet-Zugriff - Daten und Anwendungen aus externen Quellen, darunter auch von Kunden und Zulieferern.

"Wenn man einen Produktwechsel vornimmt, und das haben wir mit Mysap.com getan, führt das unweigerlich zur Verzögerung von Vertragsabschlüssen", entschuldigte Plattner den wirtschaftlichen Durchhänger. Er gehe davon aus, daß Neuabschlüsse in den USA künftig zu 90 Prozent auf die neue Software entfielen.

"Zur Konkurrenz sind unsere Kunden nicht abgewandert" - dort wären sie nach Meinung des Unternehmensgründers auch nicht fündig geworden. Vielmehr seien geplante Anschaffungen auf Eis gelegt worden, weil die benötigte Software erst allmählich auf den Markt komme. Plattner räumte ein: "Als das Client-Server-Thema hochkam, haben wir Leadership gezeigt. Im Internet-Zeitalter bisher nicht - das wird sich nun ändern."

Auf den wiederholten Vorwurf, das Internet schlicht verschlafen zu haben, reagierte der SAP-Manager regelrecht wütend. Hintergrund sei eine von Wettbewerber Oracle gesteuerte Kampagne. Der Datenbankspezialist habe in den Vereinigten Staaten Anzeigen geschaltet, in denen Oracle als 100prozentige Internet-Company bezeichnet worden sei, während die Wettbewerber SAP, Baan, Peoplesoft und Siebel als "Null-Prozent-Internet-fähig" abqualifiziert wurden.

Für die erfolgsverwöhnten Unternehmenssprecher Hasso Plattner und Henning Kagermann war der Gang vor die Presse nicht leicht. Es galt zu erklären, warum der Gewinn im abgelaufenen dritten Finanzquartal nur noch 88 Millionen Mark betrug (3. Quartal 1998: 244 Millionen Mark). Der Umsatz war im selben Berichtszeitraum lediglich um sieben Prozent auf 2,2 Milliarden Mark gestiegen - im Produktgeschäft mußten sogar Einbußen von zwei Prozent verdaut werden.

Plattner versuchte gar nicht erst, die Zahlen schönzureden: "Selbst vor dem Hintergrund des gegenwärtig schwierigen Marktumfelds ist das Ergebnis der ersten neun Monate für uns enttäuschend." Zu dem Geschäftseinbruch hätten insbesondere schwache Resultate in den Niederlassungen Japan und England geführt. In beiden Fällen hat SAP Reorganisationsmaßnahmen eingeleitet und die für das Desaster verantwortlichen Manager hinausgeworfen.

In den USA, wo der Umsatz im dritten Quartal um fünf Prozent auf 962 Millionen Mark zurückging, hätten Anwender ihre Investitionen in betriebswirtschaftliche Standardsoftware hinausgezögert. Als Grund nannte Plattner nicht nur das vielzitierte Jahr-2000-Problem, das in den Unternehmen Kapazitäten bindet und Neuinvestitionen verhindert. Gravierender wirke sich jenseits des Atlantiks der Internet-Boom aus. "Wir haben nicht erwartet, daß ERP-Produkte plötzlich nur noch mit Internet-Funktionalität akzeptiert werden", wunderte sich der technologische Vordenker der SAP.

"Der Markt in den USA ist so stark gekippt, wie es eben nur dort möglich ist." Die Client-Server-Ära gehe zu Ende, PCs und Laptops als Endgeräte seien den Amerikanern mit Blick auf die Total Costs of Ownership (TCO) zu teuer geworden. Anwender interessierten sich nun dafür, über eine Vielzahl von Endgeräten auf Portale, wie das von SAP herausgebrachte "Mysap.com Workplace", zuzugreifen. Über eine personalisierte Browser-Oberfläche nutzen sie dabei nicht nur die von ihnen benötigten internen Unternehmensapplikationen, sondern auch - via Internet-Zugriff - Daten und Anwendungen aus externen Quellen, darunter auch von Kunden und Zulieferern.

"Wenn man einen Produktwechsel vornimmt, und das haben wir mit Mysap.com getan, führt das unweigerlich zur Verzögerung von Vertragsabschlüssen", entschuldigte Plattner den wirtschaftlichen Durchhänger. Er gehe davon aus, daß Neuabschlüsse in den USA künftig zu 90 Prozent auf die neue Software entfielen.

"Zur Konkurrenz sind unsere Kunden nicht abgewandert" - dort wären sie nach Meinung des Unternehmensgründers auch nicht fündig geworden. Vielmehr seien geplante Anschaffungen auf Eis gelegt worden, weil die benötigte Software erst allmählich auf den Markt komme. Plattner räumte ein: "Als das Client-Server-Thema hochkam, haben wir Leadership gezeigt. Im Internet-Zeitalter bisher nicht - das wird sich nun ändern."

Auf den wiederholten Vorwurf, das Internet schlicht verschlafen zu haben, reagierte der SAP-Manager regelrecht wütend. Hintergrund sei eine von Wettbewerber Oracle gesteuerte Kampagne. Der Datenbankspezialist habe in den Vereinigten Staaten Anzeigen geschaltet, in denen Oracle als 100prozentige Internet-Company bezeichnet worden sei, während die Wettbewerber SAP, Baan, Peoplesoft und Siebel als "Null-Prozent-Internet-fähig" abqualifiziert wurden.

Oracle hinkt (laut Plattner) im ERP-Markt hinterher

Diese Darstellung sei hanebüchen. Während SAP zum Teil schon jetzt, definitiv aber bis Ende des Jahres, alle Anwendungen einschließlich R/3, Customer-Relationship-Management-Software und Business-to-Business-Procurement unter dem Internet-Portal Mysap.com zur Verfügung stellen werde, hänge Oracle weit hinterher. Erst vor wenigen Wochen mußte die Datenbank-Company den Liefertermin für ihr Internet-fähiges Release 11i des ERP-Pakets "Applications" um fünf Monate verschieben.

Als eines der großen Probleme von SAP bezeichnete Plattner die Rekrutierung und Vergütung hochqualifizierter Mitarbeiter. Im Zuge der sogenannten New Economy, die sich derzeit in den USA etabliere, würden Firmen nach ihrem Börsenwert und nicht nach ihrer Profitabilität beurteilt. Mit der Aussicht auf Aktienoptionen könnten die ergebnisschwachen, aber hochkapitalisierten Newcomer den Arbeitsmarkt abgrasen. Das Nachsehen hätten Großunternehmen, deren Kurse sich nur noch moderat entwickelten. Noch schwieriger sei es für deutsche Firmen, die aufgrund restriktiver gesetzlicher Bestimmungen nicht mit diesem Pfund wuchern könnten.

Kritik äußerte der Vorstandssprecher in diesem Zusammenhang an Paul Wahl, der sein Amt als US-Chef der SAP niedergelegt hatte und nach kurzem Zwischenstop bei einer kleinen Startup-Firma zum Rivalen Siebel Systems gewechselt war. "Wahl ist es gelungen, in erheblichem Umfang SAP-Mitarbeiter mit Stock Options abzuwerben. Da können wir als deutsches Unternehmen nicht mithalten."

Plattner deutete an, SAP werde auf das Vergütungsproblem reagieren, sagte aber nicht wie. Für möglich hält der Konzernchef offenbar, künftig keine Dividende mehr auszuzahlen und statt dessen mehr Kurspflege zu betreiben. "Alle unsere Mitbewerber spekulieren auf ihren Börsenwert. SAP setzt auf Gewinn und Ausschüttung. Kein US-Konkurrent zahlt eine Dividende", so der SAP-Vorstand. Es seien aber die Aktionäre, die entscheiden müßten, ob sich die Walldorfer Softwareschmiede nach deutschen oder nach US-Maßstäben richten solle.

Zu den Perspektiven der SAP äußerten sich beide Vorstandsvorsitzende zuversichtlich. Nach positiv verlaufenen Gesprächen mit den 50 größten Kunden glaubt das Duo an ein Comeback, wenngleich eine Rückkehr zu Wachstumsraten von 50 Prozent und mehr angesichts der Größe von SAP unrealistisch sei. Die Bestandskunden hätten sich sowohl an den Internet-Produkten als auch an den Lösungen im Bereich Kunden-Management und Supply-Chain-Management interessiert gezeigt.

Außerdem ergäben sich durch die neue Internet-Strategie Möglichkeiten, tiefer in den Mittelstand vorzudringen. Mysap.com sei ideal für den zukunftsträchtigen Markt des Application-Service-Providing (ASP) geeignet. Das Konzept sieht vor, daß Dienstleister von ihrem Rechenzentrum aus SAP- und andere Anwendungen für Kunden auf Mietbasis zur Verfügung stellen. Da pro Arbeitsplatz je nach Anwenderprofil abgerechnet wird, können auch kleinere Betriebe das Leistungsportfolio der SAP-Anwendungen nutzen.

Die Walldorfer rechnen im laufenden letzten Jahresabschnitt 1999 mit einem Umsatzzuwachs von 15 bis 20 Prozent. Dabei dürften die Kosten überproportional steigen, da die Softwareschmiede eine großangelegte Marketing-Kampagne für ihr Internet-Produkt starten will. Insgesamt bleibt es bei der bereits vor einigen Wochen veröffentlichten Warnung, der Umsatz werde 1999 nicht wie prognostiziert um 20 bis 25 Prozent, sondern lediglich um 15 bis 20 Prozent steigen. Aufgrund anhaltend hoher Kosten, so führte Kagermann aus, fällt voraussichtlich auch die Gewinnmarge "um einige Prozent" geringer aus als zu Jahresbeginn prognostiziert.

Kagermann rechnete vor, daß der Umsatz im dritten Quartal um zirka 235 Millionen Mark unter Plan gelegen habe. In den USA seien die Einnahmen um 98 Millionen Mark unter dem Forecast geblieben, Japan und England hätten die Planzahlen um 78 beziehungsweise 59 Millionen Mark verfehlt.

Auf die Frage nach den Wachstumschancen erklärte der Vorstandsvorsitzende, nicht nur das letzte Quartal 1999, auch das erste Viertel des kommenden Jahres werde noch unter dem Einfluß der Jahr-2000-Reparaturarbeiten stehen. Aufwärts gehe es voraussichtlich wieder ab dem zweiten Quartal nächsten Jahres, wobei die Internet-Produkte der SAP die nötigen Wachstumsimpulse geben sollen.

Analysten sind geteilter Meinung, was die Perspektiven von SAP angeht. Viele gehen davon aus, daß der ERP-Markt generell gesättigt ist und größere Zuwachsraten unrealistisch sind. Die Zukunft gehört ihrer Ansicht nach Spezialprodukten für dezidierte Märkte, etwa Supply-Chain-Management, Customer-Relationship-Management oder Online-Beschaffungswesen. Solche Dienste könnten unter einem "neutralen" Portal zusammengeführt werden.

Andere Marktbeobachter sehen dagegen SAP auf dem richtigen Weg. "Die Vision hinter Mysap.com ist sehr überzeugend", sagte beispielsweise Kevin Ashton, Analyst der Deutschen Bank in London, dem "Wall Street Journal". Devika Malik von J.P. Morgan teilt diese Einschätzung: "Kurzfristig wird sich das Wachstum in Grenzen halten. Wir behalten aber unsere Kaufempfehlung bei, weil Mysap.com im Laufe des kommenden Jahres für einen Aufschwung sorgen wird."

SAP-Ergebnis im Detail

Der siebenprozentigen Umsatzsteigerung im dritten Quartal 1999 (auf 2,2 Milliarden Dollar) steht ein Kostenanstieg um 23 Prozent auf zwei Milliarden Mark gegenüber. SAP nahm in Europa 13 Prozent mehr ein als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. In Asien wuchs der Umsatz zwar um 51 Prozent, aber auf niedrigem Niveau. In den USA sanken die Einnahmen um fünf Prozent.

Die Walldorfer erwirtschafteten im Produktgeschäft 1,2 Milliarden Mark (minus zwei Prozent). Dabei ging der Absatz neuer Lizenzen um 26 Prozent zurück. Das florierende Upgrade-Geschäft (plus 46 Prozent) sowie Wartungsaufträge (plus 45 Prozent) verhinderten hier schlechtere Zahlen. Der Service-Erlös stieg um 23 Prozent auf 955 Millionen Mark - dabei gab aber der vom Lizenzgeschäft abhängige Schulungsbereich um 17 Prozent nach, während das Beratungsgeschäft um 39 Prozent zulegte.

Für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres verbuchte SAP Einnahmen von 6,77 Milliarden Mark (plus 14 Prozent) bei einem Nettoergebnis von 557,5 Millionen Mark (minus 24 Prozent). Die Produkterlöse stiegen um zwei Prozent auf 3,8 Milliarden Mark bei einem Rückgang verkaufter Neulizenzen um 16 Prozent. Der Servicesektor wuchs um 36 Prozent und erreichte ein Volumen von 2,8 Milliarden Mark.