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29.09.2000 - 

Spekulationen um angebliche Marktflaute

Umsatzwarnung von Intel bringt PC-Branche in Erklärungsnot

MÜNCHEN (IDG/CW) - Prozessorgigant Intel hat mit einer Umsatzwarnung für das laufende dritte Quartal für einen Paukenschlag gesorgt. Während die Wallstreet daraufhin die Intel-Aktie mit einem mehr als 20-prozentigen Kursverlust abstrafte, spekulieren Analysten darüber, ob der schwache Geschäftsverlauf bei den Kaliforniern auf hausgemachte Probleme oder eine Flaute im PC-Markt zurückzuführen ist. Letzteres wurde von führenden PC-Herstellern umgehend dementiert.

Die Nachricht, die der Chipproduzent am Donnerstag vergangener Woche unmittelbar nach Börsenschluss in New York Anlegern und Analysten mitteilte, schlug ein wie eine Bombe: Die Einnahmen im laufenden dritten Quartal sollen demnach nur noch zwischen 8,5 und 8,7 Milliarden Dollar betragen und nicht, wie ursprünglich angekündigt, bei rund 9,1 Milliarden Dollar. Damit läge das Wachstum gegenüber dem zweiten Quartal, in dem ein Umsatz von 8,3 Milliarden Dollar erzielt werden konnte, nur noch zwischen drei und fünf Prozent.

Das Echo an der Wallstreet war entsprechend: Die Intel-Aktie verlor bereits unmittelbar nach der Umsatzwarnung im nachbörslichen Handel um teilweise mehr als 20 Prozent und notierte auch Anfang dieser Woche bei Redaktionsschluss noch deutlich unter 48 Dollar. Für das Unternehmen bedeutet dies einen Rückgang der Marktkapitalisierung von rund 90 Milliarden Dollar - mehr als der addierte Börsenwert der US-Automobilgiganten Ford und General Motors. Verheerend auf die Kursentwicklung hatte sich offenbar auch die Tatsache ausgewirkt, dass einige US-Investmentbanken noch wenige Tage zuvor das Papier auf "kaufen" hochgestuft hatten und nun öffentlich zurückrudern mussten.

Hersteller sehen keine Baisse in ihrem GeschäftIntel selbst kommentierte die Hiobsbotschaft vergleichsweise zurückhaltend. Grund für den unvorhergesehenen Einbruch sei eine Nachfrageschwäche seitens der europäischen PC-Hersteller. Zudem machten sich der schwache Euro und die gestiegenen Ölpreise bemerkbar, die die Kauflust vor allem privater PC-Anwender zügelten.

Mit dieser Begründung sorgten die Kalifornier aber erst recht für Turbulenzen im Markt. Führende PC-Hersteller wie Compaq, Dell, Hewlett-Packard und Gateway erklärten umgehend, dass ihre Verkäufe "nach Plan" liefen. Auch wichtige Wettbewerber wie Advanced Micro Devices (AMD), der taiwanische Halbleiterproduzent TSMC und die Siemens-Tochter Infineon verbreiteten, nachdem ihre Aktien teilweise in den Sog des Intel-Papiers geraten waren, Erfolgsmeldungen. Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher stellte sogar für das am 30. September zu Ende gehende vierte Quartal seiner Company einen neuen Umsatz- und Ergebnisrekord in Aussicht - von Nachfrageschwäche auf dem Alten Kontinent also keine Spur.

In der Folge zogen auch viele Analysten die offizielle Intel-Darstellung in Zweifel. Schon seit geraumer Zeit hätten einige namhafte PC-Anbieter, etwa Compaq, mit geringfügigen Umsatzeinbußen in Europa zu kämpfen, von einer allgemeinen Marktschwäche zu sprechen sei aber weit übertrieben. Intel habe offenbar das Comeback des lange Zeit vor sich hin kränkelnden Erzrivalen AMD im PC-Ausrüstergeschäft unterschätzt, dem es in den letzten Wochen durch mehrere Großaufträge gelungen sei, nennenswert Marktanteile zu erobern, wurde in Branchenkreisen weiter spekuliert. Zudem seien im Markt generell immer mehr Zeichen des Wandels vom klassischen PC hin zu mobilen Internet-Endgeräten wie Handhelds und Handys sichtbar - ein Business, in das sich Intel jetzt erst langsam vortastet.