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25.05.1984

Umstellung auf MVS: User fordern effektivere Unterstützung

Obgleich IBM-Benutzer durch die Ankündigung von VSE 2.1.0 (CW, Nr. 20 vom 11. Mai 1984, Seite 1) und der damit verbundenen Erweiterung des virtuellen Adreßraumes von bisher 16 auf 40 MB wieder etwas "Luft" bekommen haben, führt langfristig offensichtlich kein Weg an MVS vorbei. DOS-User folgen dem Aufstiegspfad in Richtung des Jumbo-Betriebssystems jedoch derzeit nur ungern, da sich der MVS-Einsatz als zu kostenintensiv darstellt und andererseits - so die Meinung von Rolf Decke von den Stadtwerken in Lübeck - noch zu wenig "effektive" Konvertierungshilfen bereit stünden. Umstellungsprobleme treten nach Ansicht von DV-Verantwortlichen insbesondere bei der Anpassung von "angestaubten" Batchprogrammen auf. Eckehardt Schwonke von der Johnson & Johnson GmbH rät deshalb migrationswilligen Kollegen rechtzeitig Standardsoftware einzusetzen, die sowohl auf VSE, als auch auf MVS ablauffähig ist. kul

DV-Leiter, Stadtwerke Lübeck

Die Stadtwerke Lübeck betreiben derzeit zwei CPUs IBM 4341, Modell 1, mit jeweils 4 MB unter Einsatz des Betriebssystems OS/VS 1. Dieses Betriebssystem bietet keine Mehrrechnerunterstützung und hat nur einen maximalen Adreßraum von 16 MB virtuell für alle Benutzer.

Die beiden Rechner sind daher in eine Test- und eine Produktionsmaschine aufgeteilt. Die Magnetplatten lassen sich von beiden Anlagen ansprechen. Generell wurde darauf geachtet, daß Bandeinheiten, UR-Einheiten sowie die Terminals umschaltbar sind. Es ist daher möglich, bei Ausfall der Produktionsmaschine umgehend den Betrieb auf das Testgerät zu verlagern.

Überlegungen zur Umstellung von OS/VS1 auf MVS wurden in unserem Hause schon vor längerer Zeit angestellt. Es hat sich aber bald herausgestellt, daß ein Übergang auf MVS zum derzeitigen Zeitpunkt nicht wirtschaftlich ist da wir von der Größe der Anwendungen beziehungsweise der Hardware noch nicht an der Grenze für eine Umstellung angelangt sind. Die Umstellungszeiten (auch von VSI) betragen immer noch etwa ein Jahr. Außerdem würden erhebliche Mehrkosten an Hardware (4341 Modell 2 mit mindestens 8 MB) und für MVS anfallen.

Wir sehen im Moment nur eine Interimslösung, und zwar die Installation von VM/370 da der absehbare Engpaß die Große des virtuellen Speichers sein wird (maximal 16 MB). Der Übergang auf VM/370 bietet die Möglichkeit, mehrere OS/VS 1-Betriebssysteme mit Jeweils maximal 16 MB virtuellem Speicher auf einem Rechner zu betreiben. Außerdem ist VM/370 für den späteren reibungslosen Übergang auf MVS unserer Meinung nach sowieso erforderlich.

Da mittelfristig kein Weg an MVS vorbeiführen dürfte, hofen wir abschließend wenigstens auf effektivere Unterstützung für eine Umstellung, denn mit einer Umstellungsdauer von einem Jahr können wir uns nur sehr schwer anfreunden.

Eckehardt Schwonke

Referent Methoden, Johnson & Johnson GmbH, Management-Informations Systeme, Düsseldorf

Nach neuesten Informationen, die sowohl in den USA wie auch in Europa publiziert wurden, hat die IBM den gesamten Systementwicklungsbereich neu strukturiert. Der Hersteller unterscheidet zwischen:

Information Systems & Communications Group.

Hier sind neben den Entry Systems (PCs, 5280 und ähnliche) die Communications Products - wie 8100 - enthalten. Zusätzlich enthält dieser Bereich die Systems Products der Serien 4321 4331 und 4361 unter DOS/VSE und SSX/VSE wie auch die Produkte 3705 und /38 mit den entsprechenden Betriebssystemen.

Information Systems & Technology Group.

In diesem Bereich sind die Serien 308X, 303X, 4341 und 4381 unter MVS/SP/XA beziehungsweise VM/SP/XA angesiedelt. Ergänzend muß berücksichtigt werden, daß Future-Systeme mit einem Durchsatz bis zu 50 Mips (Millionen Instruktionen pro Sekunde) heue Maßstäbe für die Betriebssysteme setzen werden. Diese Entwicklung ist die eine Indikation für unsere Entscheidungsfindung. Eine andere ist unsere strategische Planung. In diesem Systemplan beschreiben wir Projekte, unsere Anwendungsstrategie, den Personalplan und natürlich auch den Budgetplan.

Aus dieser Konzeption leiten wir den Ressourcenbedarf wie die CPU und das Betriebssystem ab. Unsere Entscheidungen werden somit von der technischen Entwicklung und von den erforderlichen Kapazitäten bestimmt. Zusätzlich wollen wir während der Umstellung zur Bedingung machen, daß keine Beeinträchtigung der laufenden RZ-Produktion und Projektentwicklung und keine Störung der Anwender (Online) entsteht. Außerdem muß das Umstellungsverfahren kosten- und zeitgünstig sein.

Ein besonderes Problem ist häufig die Umstellung der Anwendungssoftware. In unserer Softwarestrategie planen wir den Einsatz von Standard-systemen, die sowohl unter DOS wie MVS eingesetzt werden können. Die Umstellung soll in zwei Phasen erfolgen:

Umstellung vom DOS auf VM.

Nach bisher vorliegenden Erkenntnissen ist diese Phase als nicht besonders problematisch anzusehen.

Implementierung M VS.

Ist die Hardware ausgetauscht, wollen wir uns der Möglichkeiten des VM als Hypervisior bedienen und unter Berücksichtigung der genannten Prämissen die MVS-Umstellung durchführen. Unser Weg heißt also: Vom DOS über VM zum MVS.

Lothar Köbnick

Produktionsleiter, Börsen-Daten-Zentrale GmbH, Frankfurt

Das Beständigste in der EDV ist nach wie vor die Unbeständigkeit, obwohl mehr evolutionäre Tendenzen sichtbar sind - mindestens in Richtung Fachabteilung des Anwenders. Im DOS hat die Aussage "Die nächste Umstellung kommt bestimmt" noch ihre Aussagekraft. Wer DOS fährt, hat mit Sicherheit sein größtes Umstellungsabenteuer noch vor sich. Das Wachstum fordert unerbittlich seine Konsequenzen, denn der Appetit kommt beim Essen. DOS, das bedeutet: klein, überschaubar, alles begreifen können. MVS ist gleichbedeutend mit groß, nicht mehr so leicht durchdringbar, noch mehr Spezialisierung. Aber beide haben etwas gemeinsam: Der Anwender wächst und damit platzt eines Tages sein Anzug, der DOS-Anzug. Dieses neue Gewand, so scheint es, wärmt auch nur, aber für das doppelte Geld.

Warum also trotzdem umsteigen? Die Antwort ist einfach: Mit zwei Apfelsinen kann man, ohne sie fallen zu lassen, leicht jonglieren. Können Sie das gleiche auch mit 10 oder 15, ohne daß etwas herunterfällt? Sie wären schon ein sehr großer Künstler.

Mit MVS kauft man sich neben besserer Performance, vor allem die komfortableren äußeren Steuerungsmechanismen und damit Sicherheit und Stabilität ein. Denn: DOS zu MVS heißt auch (DOS-Fans mögen es mir verzeihen): EDV zu Fuß gegen ingenieurmäßige Vorgehensweise (oder mindestens jedoch die Möglichkeit und Basis dazu herstellen).

Damit ist meines Erachtens auch bereits das Hauptproblem des DOS-MVS-Übergangs angesprochen - die Umstellung der Mitarbeiter auf die neue Philosophie, auf neue Techniken. Denn Sicherheit heißt in diesem Falle auch, RZ-Organisation nutzt sehr viel stärker vorgegebene Softwaremöglichkeiten, bis hin zum AV- und Operator-armen Betrieb.

In der Börsen-Datenzentrale wurde wegen der starken Datenintegration der Weg der Stichtagumstellung gewählt, in dem wir uns an den Betriebssystemschnittstellen kompatibel machten (ähnlich Duo). Rückblickend läßt sich sagen, der Erfolg gab uns recht. Aber glauben Sie mir: Fast zwei Jahre nach der Umstellung ist sie immer noch nicht abgeschlossen. Für die Mitarbeiter beziehungsweise die gänzlich andere Philosophie gibt es keine Umstellhilfen, da sich Erfahrung nicht aus Büchern oder in der Schule aneignen läßt.

Mein Rat an "Noch-nicht-Erleuchtete": Nicht morgen, sondern heute umsteigen. Der Umstellungsaufwand je Programm steigt stark progressiv an. Der Übergang von klein auf groß ist keine Stolperstufe sondern fließend und vollzieht sich unbemerkt. Mit wenigen Programmen ist der Weg noch einfach. Holen Sie sich erfahrene MVS-Strategen dafür ins Haus, es zahlt sich aus.

Mein Rat an IBM: Nicht morgen, sondern heute DOS sterben lassen. Auch wenn Umstiegshilfen wie Duo (meiner Meinung nach auch zu spät von der IBM gebracht) dem Anwender helfen, sie verdecken nur das Übel der Wurzel. Stattdessen sollte ein abgemagertes MVS, aber eben ein OS (wenn auch im Kleinformat) zur Verfügung gestellt werden, selbst für den kleinsten Rechner. Obwohl IBM bekanntlich die Hardware über die Softwareausdehnung verkauft, hat sie doch durch die DOS/VSE-Stufe einen früheren Umstieg verzögert und schnelleres Wachstum verhindert. Die vermeidbare Umstellungsphase, egal ob vorher oder hinterher, bedeutet zwei Jahre Stillstand.

Diese Zeit wird nicht wieder aufgeholt: Denn EDV-Wachstum wird durch den manuellen Entwicklungstakt bestimmt und der wird gerade erlernt.