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09.03.2001 - 

Lösung berücksichtigt Besonderheiten des Lufthansa-Backbones

Umstieg auf ATM-Technik erfordert neue Billing-Infrastruktur

MÜNCHEN (sra) - Mit dem Wechsel auf ATM-Technik im Backbone der Lufthansa Systems stand das bisherige Billing und Accounting vor dem Aus: Der Technologiewechsel hätte die Kosten für die bisher zum Sammeln der rechnungsrelevanten Daten verwendeten RMON-Probes in den Himmel wachsen lassen.

Früher genügte ein deutschlandweites Netz aus 2-Mbit/s-Standleitungen, um die Anwendungen der Lufthansa und ihrer Töchter zu transportieren. Informationen für die Abrechnung wurden über RMON-Probes (Softwareagenten für das Remote-Monitoring) gewonnen. Mittlerweile reicht eine Bandbreite von 2 Mbit/s nicht mehr: Ein auf Glasfaser basierender ATM-Backbone mit 34 Mbit/s ersetzt das alte Netz. Dieser Technologiewechsel erfordert neue Wege im Billing und Accounting, weil die Probes extra an ATM angepasst werden müssten und daher zu teuer sind.

Lufthansa Systems, IT-Tochter der Lufthansa, erhielt den Auftrag, nach entsprechenden Alternativen zu suchen. Die Accounting/Billing-Lösung soll der Verrechnung mit internen Kostenstellen ebenso dienen wie der Rechnungsstellung für Kunden, die den Backbone mitbenutzen. Dazu zählen neben den Lufthansa-Gesellschaften auch Industrieunternehmen.

Die Wahl fiel auf den "Open Informer" der Uni-X Software AG aus Osnabrück. In die engere Wahl war zudem eine Mischung aus Produkten von Xacct und Portal gekommen. Den Ausschlag für die Entscheidung gaben letztendlich einige Besonderheiten des Lufthansa-Backbones: Die vorhandenen Squid-Proxy-Server (Squid-Source Quench Introduced Delay = Programm, das Web-Inhalte auf einen Unix-basierten Proxy-Server zwischenspeichert) verfügen über spezielle Authentisierungsmechanismen. Außerdem arbeitet die Lufthansa in ihrem Netz viel mit privatem Adressraum und Network Adress Translation (NAT).

Beides wurde von den geprüften Lösungen nicht berücksichtigt. Nach Angaben von Jörg Lenz, Consultant Desktop & Network Services bei Lufthansa Systems, war die Uni-X Software AG jedoch der einzige Anbieter, der die Realisierung der Lösung im akzeptablen Rahmen ermöglichte.

Der heutige Software-Anbieter Uni-X begann als Internet-Service-Provider in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, schuf zunächst eine Lösung für den Eigenbedarf und vermarktet diese inzwischen. Nach der erfolgreichen Implementierung im eigenen Hause vertreibt und integriert auch Lufthansa Systems, in Partnerschaft mit Uni-X, inzwischen Billing-Lösungen auf Grundlage von Open Informer.

Der erste Kontakt zu Uni-X fand im Oktober 1998 statt. Laut Lenz stand im Juli 1999 eine erste lauffähige Version. Lufthansa Systems ist eine der ersten großen Installationen. Daraus ergab sich die Schwierigkeit, dass das Unternehmen genau die Anfangsphase mitgemacht hat, in der noch nicht unbedingt Dokumentationen der nötigen Tiefe vorlagen.

"So haben wir auch an der Produktgestaltung mitgewirkt - schließlich sind bei uns die Anforderungen aufgetreten", führt Lenz aus. Mittlerweile sei das Projekt in eine Phase eingetreten, wo die Funktionserweiterung die Fehlerbehebung längst überholt habe, so Lenz. Auch die Qualitätssicherung wurde erweitert, so dass sie messbare Größen lieferte.

Open Informer basiert auf einer Schichtenarchitektur. In der untersten Ebene finden sich die Netzgeräte wie Firewalls, Router und Server. Diese produzieren rechnungsrelevante Daten und liefern sie entweder selbständig weiter oder werden abgefragt.

Aktiv sind in beiden Fällen die auf der zweiten Schicht angesiedelten Module. Das sind Softwarekomponenten, die jeweils einem Netzgerät zugeordnet und auf dedizierten Devices, so genannten Kollektoren, installiert sind. Die Kollektoren dienen als Zwischenspeicher für die Daten und befinden sich in der Nähe der Netzgeräte. Dort findet auch die Filterung der Logfiles anhand eines Regelwerks sowie die Aussortierung der Dubletten statt.

Im Schichtenmodell ganz oben angesiedelt ist eine zentrale Instanz, der "Global Accounting Master" (GAM). Dieser sorgt dafür, dass die im Netzwerk generierten Daten an die Datenbank weitergereicht werden.

Schichtenmodell erspart Hochverfügbarkeitslösung

Das Schichtenmodell hat einen gravierenden Vorteil: Da die Kollektoren Daten zwischenspeichern, wäre ein Ausfall der zentralen Instanz nicht so schlimm. Es gingen trotzdem keine Daten verloren. So spart der Anwender eine teure Hochverfügbarkeitslösung.

Die Lösung misst das Datenvolumen, das ins Netz hereinkommt, an den Zugangssystemen, nämlich auf Firewalls und Proxy-Servern. In einem Netz, in dem viel mit NAT gearbeitet wird, ist das vorteilhafter als eine zentrale Messung. Die Abrechnung erfolgt in der Regel nach Datenvolumen, aber zeitbasierte Tarife sind ebenfalls möglich. In Kundenprojekten bestehen bereits neue Anforderungen. Der nächste Schritt soll die Abrechnung nach Prioritäten sein.

Abb: Das deutsche Backbone

Die Knoten des Lufthansa-Systems-Netzes sind via Asynchronous Transfer Mode (ATM) verbunden. (Quelle: Lufthansa Systems)