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20.03.2006

Umstrittene D21-Studie zur Breitbandnutzung

Die Initiative D21 hat eine Studie zur Breitbandnutzung in Deutschland präsentiert, deren Aussagen möglicherweise politisch eingefärbt sind.
Völlig unterschiedliche Angaben gibt es zur Durchdringung deutscher Haushalte mit breitbandigen Internet-Zugängen.
Völlig unterschiedliche Angaben gibt es zur Durchdringung deutscher Haushalte mit breitbandigen Internet-Zugängen.

Auf der CeBIT 2006 stellten unter anderem Bernd Pfaffenbach, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Thomas Ganswindt, Vorstandsvorsitzender der Initiative D21 und Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG, sowie Heinz Paul Bonn, Vizepräsident des Bitkom, die Studie "Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Breitbandnutzung" vor. Diese war im Auftrag des BMWi von der Micus Management Consulting GmbH erstellt worden.

Kernaussagen der Untersuchung sind: Dank breitbandiger Internet-Zugänge könne das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Deutschland bis 2010 um bis zu 46 Milliarden Euro stärker ausfallen. Zudem könnten bis zu 265000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Validität dieser Ergebnisse bestritt Franz Büllingen, Abteilungsleiter Kommunikation und Innovation des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste WIK GmbH. Es sei nicht zu erklären, wie die Aussage der zusätzlichen 265000 Arbeitsplätze ermittelt werden konnte.

Keine Auswirkung auf Jobs

Alle bisherigen Erfahrungen würden zeigen, dass sich die Nutzung neuer Techniken wie in diesem Fall der Breitbandvernetzung nicht auf die Arbeitsmarktstatistik auswirkten. Rechne man die durch neue Techniken entstehenden Arbeitsplätze gegen die aufgrund von Rationalisierungseffekten wegfallenden Jobs auf, sei in der Regel ein "negatives Wachstum" zu verzeichnen. Unternehmen würden die Breitbandtechnik eher dazu nutzen, weiter zu rationalisieren.

Büllingen äußerte sich auch kritisch zu den Aussagen, Deutschland sei im internationalen Vergleich in Sachen Breitbandvernetzung nur europäisches Mittelmaß. Ganswindt hatte gesagt, die Verbreitung von Breitbandtechniken in deutschen Haushalten (DSL, UMTS, Wimax etc.) betrage nur elf Prozent. Dies sei wesentlich weniger als etwa in skandinavischen Ländern.

Büllingen kann diese Rechnung nicht nachvollziehen. 14 Millionen deutsche Haushalte besitzen seinen Berechnungen zufolge einen Breitbandanschluss. Damit seien rund 36 Prozent der insgesamt 39 Millionen Haushalte versorgt - mithin mehr als dreimal so viele wie von der Initiative D21 angegeben. Büllingen vermutet politische Gründe, deretwegen "Deutschland schlechter geredet wird". Erwähnt werden sollte allerdings, dass Büllingens Institut sich ebenfalls um die Abfassung der von Micus erstellten Studie für das BMWi beworben, den Zuschlag aber nicht erhalten hatte.

Gute Noten

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hatte Ende Februar 2006 Zahlen veröffentlicht, die Deutschland im internationalen Vergleich ebenfalls gute Noten ausstellten. Danach hatte sich die Zahl der Breitbandzugänge zum Internet in deutschen Haushalten in den Jahren 2003 bis 2005 von neun auf 22 Prozent mehr als verdoppelt.

Auch der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, räumte Deutschland bezüglich der Verbreitung von breitbandigen Internet-Anschlüssen im europäischen Vergleich eine Spitzenposition ein: Rund 27 Prozent der Haushalte hierzulande würden die schnellen Zugänge nutzen. Das sei europaweit Spitze.

Zunehmender Wettbewerb

Um die wirtschaftlichen Vorteile einer flächendeckenden Breitbandversorgung zu skizzieren, bemühte D21-Sprecher Ganswindt noch einmal das Beispiel Skandinavien. Hier würden wesentlich mehr Arbeitnehmer zu Hause arbeiten, also als so genannte Home-Office-Worker an Telearbeitsplätzen ihrer Beschäftigung nachgehen. Dadurch könnten Unternehmen erhebliche Kosten einsparen, weil sie weniger Miete für Büroräume zahlen müssten und die witterungsbedingten Fehlzeiten von Arbeitnehmern gering blieben. Dies steigere die globale Wettbewerbsfähigkeit der skandinavischen Unternehmen. Ganswindt sagte nicht, ob deutsche Arbeitgeber solch ein Telearbeitskonzept auf breiter Front unterstützen würden.

Positiv werteten die Partner der deutschen Breitbandinitiative (Initiative D21, BMWi und Bitkom), dass der Wettbewerb in diesem Segment in Deutschland erheblich zugenommen habe. Pfaffenbach sagte, mittlerweile besäßen Telekom-Konkurrenten einen Marktanteil von 40 Prozent im Segment der Breitbandanbieter. (jm)