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16.05.1975

Umstrittener Drei-Schicht-Betrieb

In der Fachpresse war immer wieder die Forderung zu hören, daß die einzelnen Computer-Systeme besser ausgelastet werden sollten. Diese umstrittene Argumentation wurde durchaus von einigen Praktikern unterstützt, die mit Stolz auf ihre Kosteneinsparungen durch Rund-um-die-Uhr-Betrieb verwiesen.

Offenbar ist Drei-Schicht-Betrieb durchaus möglich, aber der Weg dorthin ist sehr schwierig, wobei angezweifelt wird, ob er wirklich lohnend ist. Denn die Möglichkeit eines Maschinenausfalles ist immer gegeben. Im Drei-Schicht-Betrieb gibt es keine Reserve mehr, um die Ausfallzeiten abzufangen, - das ist besonders bei Terminarbeiten eben unerläßlich. Ganz abgesehen davon, daß es nach Meinung fast aller Befragten personelle Schwierigkeiten gibt: "Die ganze Nacht will keine dableiben", "für das Operating-Personal ist es auf die Dauer unzumutbar, ständig wechselnde Arbeitszeit auf sich zu nehmen", "es ist nicht klar, ob und wann eine Tarifvereinbarung hineinkommt" waren besonders markante Aussagen.

Und letztlich müssen bei Mehrschicht-Betrieb Nachtzuschläge bezahlt werden.

Keine Frage, daß die große Mehrzahl der Anwender - auch von Großrechenanlagen - den Drei-Schicht-Betrieb scheut.

CW fragte, wie Praktiker über den Drei-Schicht-Betrieb denken. hö

Manfred Kölzer, Leiter der EDV-Abteilung des Bastei-Verlages, Berg.-Gladbach

Der Drei-Schicht-Betrieb ist für die Verlagsbranche äußerst gefährlich. Generell auch kaum durchführbar, wenn man an Maschinenausfall denkt, der bei voll ausgelasteten drei Schichten nicht mehr abgefangen werden kann.

Wir hier im Verlag fahren derzeit ein- bis eineinhalb Schichten, bedingt durch Feiertage - wenn also nur drei Arbeitstage in der Woche zur Verfügung stehen, gehen wir maximal auf zwei Schichten. Aber wir müssen die Möglichkeiten eines Maschinenausfalls immer einkalkulieren und somit eine Ausweichmöglichkeit für terminliche Arbeiten, de ja ganz besonders stark in der Verlagsbranche anfallen.

Zusätzlich kann ich mir vorstellen, daß ein Drei-Schicht-Betrieb immer personelle Schwierigkeiten mitbringt. Wir fangen meist morgens um 5.00 Uhr an und gehen dann bis in den späten Abend rein. Ich kann mir nicht vorstellen, daß qualifizierte Operatoren bereit sind, ständig wechselnde Arbeitszeit auf sich zu nehmen.

Der Hauptgrund aber bei uns, keinen Drei-Schicht-Betrieb einzuführen ist eben der Termindruck, da unsere Termine auf alle Fälle eingehalten werden müssen und wir sonst gar keine Ausweichmöglichkeit auf andere Zeiten mehr hätten. Diese Sicherheit muß drin sein.

Wir haben zur Zeit zwei Operatoren beschäftigt, und zwar zwei Damen, die an einer Honeywell-Bull-Anlage 128 arbeiten.

Reimund Oberle, Leiter der EDV-Abteilung der Gretsch-Unitas GmbH, Ditzingen

Wir fahren derzeit noch im Ein-Schicht-Betrieb, wollen aber nach und nach auf den Zwei-Schicht-Betrieb übergehen. Ich würde aber auf alle Fälle - wenn es irgend geht - eine Arbeit rund um die Uhr vermeiden. Erstens weil die Maschinen und Programme doch nie so reibungslos laufen wie sie sollten und durch einen Drei-Schicht-Betrieb keinerlei Pufferung für eventuelle Ausfälle vorhanden ist, wo man etwas nachholen kann, wenn irgendwo Fehler aufgetreten sind. Und zweitens ist es meiner Meinung nach für das Operating-Personal auf die Dauer unzumutbar, ständig bei wechselnden Tageszeiten zu arbeiten.

Rein von den Maschinenkosten her wäre es für ein Unternehmen natürlich das beste, rund um die Uhr zu arbeiten. Bei uns kostet derzeit eine Stunde rund 240 Mark. Bei Mehrschicht-Betrieb bezahlen wir noch einmal 20 Mark pro Stunde mehr Miete. Dazu käme dann noch der Mehrschicht-Zuschlag für das Personal, und zwar bereits ab 19 Uhr 50 Prozent Nachtzuschlag. Ich habe das zwar noch nicht durchgerechnet, aber ob sich unter diesen Gesichtspunkten ein Drei-Schicht-Betrieb bezahlt macht, wäre anzuzweifeln.

Wir arbeiten jetzt von 7 Uhr morgens bis etwa 18.30 Uhr und werden demnächst bis etwa 22 Uhr verlängern.

Jörg Pommeranz, Hauptabt.-Leiter Org. + DV der Firma Rudolf A. Oetker Bielefeld

Ich bin durchaus für den Drei-Schicht-Betrieb. Wir haben die Kosten des Computers durch das Einführen des Drei-Schicht-Betriebs ganz erheblich reduziert. Nachteile gibt es eventuell für das Personal, weil sie in drei Schichten arbeiten müssen. Wir haben allerdings keine Schwierigkeiten mit den Mitarbeitern. Die Operatoren sind bereit - und das muß natürlich entsprechend motiviert werden - die unterschiedliche Arbeitszeit auf sich zu nehmen.

Die Maschinen sind so teuer, daß man meiner Meinung nach einfach einen Drei-Schicht-Betrieb fahren muß. Dann erhalten Sie erst eine entsprechende Auslastung. Für das Unternehmen gilt künftig: Drei-Schicht-Betrieb, wie das in Produktionsunternehmen auch üblich ist - und die EDV ist ja letztlich auch ein Produktionsbetrieb. Für die personelle Seite können einige Probleme entstehen, denn es ist nicht klar, ob und wann eine Tarifvereinbarung hinzukommt.

Wir haben hier eine 370/145 mit 512 K und haben durch den Drei-Schicht-Betrieb ganz wesentliche Einsparungen realisiert - wir arbeiten seit ungefähr eineinhalb Jahren so. Auch gibt es bei uns keine große Fluktuation, das kann aber auch daran liegen, daß wir neben zwei namhaften Unternehmen die einzigen unserer Region sind, die interessierten Operatoren das Arbeiten an einer so großen Anlage ermöglichen. In anderen Bundesländern mag das vielleicht etwas anders liegen.

Helmut Rust, Leiter der EDV-Abteilung der Melitta-Werke, Minden

Wir fahren eine 370/145 mit 512 K. Vom Drei-Schicht-Betrieb halte ich nichts, weil man diese Reserve braucht, um bei Maschinen-Ausfall aufzuholen. Ich bin also aus rein arbeitsmedizinischen und -technischen Gründen dagegen.

Wir fahren in Engpässen eine erweiterte zweite Schicht, die läuft von morgens 5.00 Uhr bis teilweise 12.00 Uhr. Da arbeiten die Operatoren gerne ein bißchen versetzt, das heißt, während des Tages ist ein Leerlauf, die Leute kommen später, manchmal erst um 16 Uhr. Aber für die ganze Nacht will keiner da bleiben. Außerdem braucht man immer etwas Zeit, um neue Anwendungen zu testen, TP-Anwendungen zum Beispiel, die nicht in die normale Arbeitszeit hineinfallen dürfen.

Die dritte Schicht sollte auf alle Fälle in Reserve gehalten werden für zum Beispiel auch Maschinenausfälle. Ich kenne das Problem von einer Nachbar-Firma, die den Drei-Schicht-Betrieb eingeführt hat, wenn dort einmal eine Maschine ausfällt, ist das kaum noch einzuholen.

Die 370/145 benötigen wir, um die Tagesarbeit zu erledigen. Mit einer kleineren Maschine kämen wir nicht zurecht. Für uns wäre ein Reduzieren der Kosten und ein Hineingehen in eine dritte Schicht unrentabel, denn wir sind doch an die Arbeitszeiten anderer Büroangestellten gebunden. Wir fahren sehr viel über Belegleser, und das ganze Räderwerk EDV setzt sich erst mit dem Einlesen der Belege in Bewegung. Und die Belege kommen nicht vor 10.00 Uhr. Ich persönlich möchte auf gar keinen Fall den Drei-Schicht-Betrieb einführen.