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05.02.1999 - 

Mit Risikokapital den eigenen Umsatz ankurbeln

Umstrittenes Firmengeflecht bringt Lernout & Hauspie in Mißkredit

MÜNCHEN (CW) - Der belgische Spezialist für Spracherkennungssoftware Lernout & Hauspie Speech Products NV (L&H) will mit Hilfe einer eigenen Risikokapital-Gesellschaft Start-up-Firmen im Bereich Sprachtechnologien unterstützen und damit nicht zuletzt die eigene Expansion vorantreiben. Doch der jüngste Schachzug der beiden L&H-Gründer ist bei Experten umstritten.

Mit jeweils 15 bis 25 Prozent soll sich die bereits im Oktober 1998 gegründete L&H Investment Company (LHIC) an entsprechenden Start-ups beteiligen und sie bei ihrer Entwicklung tatkräftig unterstützen. Für die beiden L&H-Gründer und -Lenker Jo Lernout und Pol Hauspie ist die Gründung der Investmentgesellschaft eigenen Angaben zufolge eine logische und unbedenkliche Erweiterung ihrer bisherigen Aktivitäten. Die LHIC sei ein zusätzlicher Baustein ihres "Tech-Farming"-Konzepts, bei dem sich unter anderem auch das Venture-Capital-Unternehmen Flanders Language Valley (FLV) engagiert. Selbiges hat, basierend auf einer Idee der L&H-Gründer, einen speziellen Fonds aufgelegt, mit dem Companies unterstützt werden, die im produktnahen Umfeld der Belgier tätig sind. Die LHIC agiere jedoch unabhängig von dem FLV-Fonds und der eigenen Softwareschmiede L&H, hieß es.

Start-ups kauften L&H-Softwarelizenzen

Gerade dies jedoch bezweifeln Branchenkenner. Zum einen hätten Lernout und Hauspie mehr als die Hälfte ihres gut 20prozentigen L&H-Anteils in die neue Investmentgesellschaft transferiert, zum anderen erwarben drei der fünf Unternehmen, an denen sich die LHIC bisher beteiligte, Softwarelizenzen von L&H, berichtete das "Wall Street Journal". Diese Geschäfte, behaupten Kritiker, wären ohne die Verflechtung der beiden L&H-Gründer mit der LHIC nicht zustande gekommen. Zwar gebe es bis dato keinen Beweis für Unkorrektheiten, doch würden solche Deals es erschweren, die eigentliche wirtschaftliche Situation der L&H Speech Products zu erkennen. Angesichts dieses verheerenden Echos ruderten die L&H-Gründer nun zurück und kündigten vergangene Woche zumindest vage an, das umstrittene Firmenkonstrukt zu überdenken.

Auch die US-amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ist bereits auf die belgische Software-Company aufmerksam geworden. So werden in Washington D.C. derzeit Buchhaltungspraktiken überprüft, die L&H in bezug auf Abschreibungen von Akquisitionen angewendet hat, um mit Hilfe sogenannter Langzeitbelastungen den in der Bilanz ausgewiesenen Profit zu schmälern.

Fakt ist jedenfalls, daß L&H seit seiner Gründung 1987 rote Zahlen schreibt. Zwar ist das Unternehmen, das seit Ende 1995 an der Nasdaq und seit Mitte 1997 auch an der Easdaq in Brüssel notiert ist, in den vergangenen vier Jahren nicht zuletzt aufgrund der Übernahmen zahlreicher kleinerer Softwarehäuser stark gewachsen. So belief sich der Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 1998 auf rund 135 Millionen Dollar; 1994 waren es gerademal zwei Millionen Dollar gewesen. Doch in Sachen Profit hatsich noch nicht viel getan. Ein Minus von 78 Millionen Dollar verzeichneten die Belgier für das erste Dreivierteljahr 1998. Immerhin kann aber L&H seit 1996 zumindest operative Gewinne ausweisen. Da für dieses Jahr keine größeren Übernahmen geplant sind, scheint auch ein kleiner Nettoprofit für 1999 im Bereich des Möglichen. Darüber hinaus prophezeien Analysten dem Weltmarkt für sprachbasierte Technologien ein enormes Wachstum.

Gestört werden könnten die Expansionspläne allerdings durch Microsoft. Der Softwaregigant, der sich im September 1997 mit acht Prozent an L&H beteiligte, um deren Spracherkennungstechnologie in Windows zu integrieren, forciert neuerdings die Entwicklung seine reigenen Software "Whisper". Damit dürfte L&H in absehbarer Zeit nicht nur ein lukrativer (Entwicklungs-)Partner verlorengehen, sondern auch eine mächtige Konkurrenz erwachsen.