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09.11.1990 - 

Die GmbH will im Lösungsgeschäft Fuß fassen

Umstrukturierung frißt den Gewinn der deutschen DEC auf

MÜNCHEN (bk) - Die verstärkten Bemühungen um den kommerziellen Markt kommen die Digital Equipment GmbH (DEC), München, teuer zu stehen. Das Geschäftsjahr 1989/90 schloß die deutsche Vertriebstochter mit einem Gewinn nahe der Nullgrenze ab. Ausgewiesen wurden lediglich 153 000 (Vorjahr: 9,8 Millionen) Mark.

"Die Entscheidung, in einen erweiterten Markt hineinzugehen, hat unser Ergebnis enorm belastet", bekannte denn auch Jörg Rieder, Vorsitzender der Geschäftsführung, das schwache Resultat in München. Wie viele andere Hardwarehersteller, die an ewig goldene Zeiten geglaubt hätten, müßte Digital Equipment jetzt den Preis dafür bezahlen, sich mit einem gewaltigen Umstrukturierungsprozeß an neue Marktbedingungen Gesamtlösungen und Integration - anzupassen. Unter den gegebenen Umständen, so Rieder weiter, sei man aber zufrieden, immerhin eine Umsatzsteigerung von elf Prozent auf 1,75 (Vorjahr: 1,58) Milliarden Mark erreicht zu haben, zumal man damit über dem Branchenschnitt von acht Prozent läge.

Die Digital Equipment GmbH ist vehement bemüht, sich neben dem Vertrieb von technisch-wissenschaftlichen Systemen mit kommerziellen Lösungen ein zweites Standbein zu schaffen. Erste Erfolge könne man laut Rieder bereits aufweisen. So erhielten die Münchner den Zuschlag für einige Großprojekte - unter anderem von der DTB Deutsche Terminbörse GmbH, Frankfurt, und der Detecon Deutsche Telepost Consulting GmbH in Bonn -, die der GmbH im Lösungsgeschäft ein Auftragsvolumen von 500 Millionen Mark bescherten.

Neben den Vorleistungen für diese Langzeitprojekte kamen im abgelaufenen Geschäftsjahr Aufwendungen für den Einstieg in neue Geschäftsbereiche (Banken und Versicherungen) hinzu, aber auch - bedingt durch die politischen Ereignisse in Deutschland - für die Etablierung einer neuen Niederlassung in Berlin mit 100 Mitarbeitern.

Das Engagement im neuen Osten der Republik kostet die deutsche Tochter allein 20 Millionen Mark - eine Vorabinvestition, die laut Finanzchef Hans-Joachim Nowak für das Geschäftsjahr 1989/90 nicht einkalkuliert war und bei der sich noch nicht absehen läßt, wann sie sich rentiert. Zumindest für das Geschäftsjahr 1991 habe man noch keine substantielle Gewinnerwartung, rechne aber in diesem Zeitraum mit einem Umsatz von 100 Millionen Mark. In Dresden soll in den kommenden Monaten zudem eine weitere Geschäftsstelle aus der Taufe gehoben werden.

Deutsche Tochter muß kein Personal abbauen

Obwohl die ebenfalls krisengeschüttelte amerikanische Corporation während des gesamten letzten Geschäftsjahres Entlassungen ankündigte und auch vornahm, stellte die GmbH 500 neue Mitarbeiter ein. Damit beschäftigt DEC Deutschland derzeit 4526 Angestellte. Rieder erklärte dazu, von den Personalabbaumaßnahmen der Muttergesellschaft sei man nicht betroffen. Man habe die Mitarbeiterzahl nicht zuletzt aufstocken müssen, um die durch die Ausrichtung auf die neuen Märkte erforderliche Kundennähe zu gewinnen. Im laufenden Geschäftsjahr indes werde die Belegschaft nicht ausgeweitet, vielmehr fahre man fort, die Mitarbeiter weiter "umzuverlagern".

Was das Ergebnis für 1991 anbelangt, wollte sich Finanzchef Nowak nicht festlegen: "Die schmerzlichen Prozesse sind noch nicht beendet. Sie werden auch die Bilanzen der nächsten ein, zwei Jahre belasten." Dennoch hoffe er, daß die GmbH am Ende des laufenden Geschäftsjahres in Sachen Ertrag "deutlich besser dastehe". Die Gefahr eines Verlustes sehe er jedenfalls nicht. Definitiv ausschließen konnte er diesen aber auch nicht.

Ein laut Geschäftsführer Werner Burckhardt "sehr zufriedenstellendes" Geschäftsjahr hat hingegen die Digital Equipment International GmbH hinter sich. Das in Kaufbeuren angesiedelte europäische Fertigungszentrum für Massenspeicher erzielte 1989/90 eine Umsatzsteigerung von 14,6 Prozent auf 511,5 (Vorjahr: 446,2) Millionen Mark und einen Gewinn vor Steuern von 1,7 Millionen Mark, nachdem es im Vorjahr rote Zahlen in Höhe von 38,5 Millionen Mark zu verzeichnen hatte. Der Jahresüberschuß beläuft sich auf 659 000 Mark.