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22.12.1989 - 

Vernetzung lag Anwendern 1989 am meisten am Herzen

Umstrukturierungen gingen über Einzelanschaffungen hinaus

Im Jahr 1989 haben die von der COMPUTERWOCHE befragten Anwender ihre Hände nicht in den Schoß gelegt, sondern zum Teil ehrgeizige Ziele in die Tat umgesetzt. Ihre Antworten auf die Frage nach Veränderungen in den Bereichen Bürokommunikation und Datenverarbeitung sind bunt gemischt, dennoch lassen sich einige rote Fäden ausmachen. So war es nur in den seltensten Fällen mit Einzelanschaffungen getan. Die Unternehmen führten gleich ganze Kommunikations-Verbundsysteme ein, stellten Rechnerarchitekturen sowie Betriebssysteme um und strebten zu neuen Ufern bei der Datenkommunikation mit Filialen oder Werken. Die Devise hieß sinngemäß "Vernetzung und nochmals Vernetzung". Den Aussagen der DV- Verantwortlichen kann man aber auch entnehmen, daß sie, ungeachtet ihrer Integrationsbemühungen bei Edifact, dem Standard zum Austausch von Handelsnachrichten, ISO/OSI oder auch Unix, oft nicht so recht wissen, wo der Hase nun hinläuft. sch

Bei der Bizerba-Gruppe aus Balingen hat in diesem Jahr ein aufwendiges Netzwerk Konturen gewonnen, im Rahmen dessen gleichermaßen Rechner von IBM, DEC, Wang und HP ihre Daseinsberechtigung behalten. Dieter Siedle, Projektplaner in der Hauptabteilung Information und Kommunikation: "Wir fahren auf jeden Fall mehrere Protokolle. Eine OSI-Umgebung ist aber nicht so ohne weiteres realisierbar. Da gibt es im Moment Bedenken. Wir haben Anwendungen, die bereits laufen und weiter bedient werden müssen. Das geht los bei der sternförmigen Bildschirmverbindung mit IBM."

Bizerba setzt sowohl auf 802.3 als auch auf 802.5, wobei ein Glasfaser-Backbone vom Typ 1 das Rückgrat des neuen Kommunikationsverbundes bildet. Das Netzkonzept sieht auch mehrere Verteilerräume vor. An diesen Knotenpunkten lassen sich die einzelnen Protokolle und Architekturen wie SNA und Decnet umrangieren. Das Verkabelungs-Equipment kommt aus dem Hause SEL. Im technischen Bereich hängen VAX- und HP-Rechner sowie Workstations an Ethernet, für den Verwaltungsbereich mit PCs, IBM- und Wang-Bildschirmen wählte das in erster Linie auf Laden- und Industriewaagen spezialisierte Unternehmen Token-Ring. Wichtig ist für Siedle insbesondere, daß über das LAN mittels Multiplexer auch die sternförmigen Verbindungen abgewickelt werden können.

Der Betrieb von Electronic-Mail stand in diesem Jahr ebenfalls zur Disposition. Siedle: "Wir haben ein bißchen was unter CICS laufen, aber nur selbstgestrickte Dinge." Aufgrund der Tatsache, daß nun mehrere Hersteller ihre Produkte liefern wollen, wird die Entscheidung hier nicht umbedingt einfacher.

Bei den Kunert-Werken in Immenstadt zeichnet sich eine dreistufige IBM-Rechnerarchitektur mit Hoste Abteilungs-Rechner und Workstations ab, um ein Mehr an Integration und direkte Datenzugriffsmöglichkeiten via Datex-P zu bewerkstelligen. Anfang Januar kam im Zuge einer /38-Ablösung eine AS/400 ins Haus, in den Werken und Niederlassungen des Strumpffabrikanten hielten die B10-Modelle dieses Rechners Einzug. Die Bürokommunikation über AS/400-Office und ein PS/2-System gewährleistet nun auch, daß von jedem Arbeitsplatz aus Kommunikations-Möglichkeiten über die Postdienste Teletex und Telefax möglich sind.

Die Bürosoftware Office Vision ist für die zweite Jahreshälfte 1990 geplant. DV-Leiter Werner Fetzer: "Wir sehen durch dieses Konzept die Möglichkeit, unsere Situation zu verbessern und im Datenaustausch mit Kunden und Lieferanten Vorteile zu erzielen." Die AS/400 laufe nach gewissen Anfangsschwierigkeiten einwandfrei und besteche vor allen Dingen durch "ihre hervorragende Datenbank". Im internen Bereich sollen die Rechner zusätzlich über ein Token-Ring-LAN miteinander verbunden werden.

Sowohl bei der Bizerba-Gruppe als auch bei den Kunert-Werken trägt man sich mit dem Gedanken, Edifact einzusetzen. Die diesbezüglichen Angaben sind - wie häufig auch bei X.400, X.500 oder weiteren ISO-Standards - recht vage. Anscheinend, dies haben auch schon andere CW-Umfragen gezeigt, denkt man diese Dinge zur Zeit oft an, mehr auch nicht. Siedle: "Wir haben zwar über kurz oder lang vor, mit unseren Lieferanten in irgend einer Form EDI-Verbindungen aufzubauen. Es ist aber noch nicht abzuschätzen, wann das tatsächlich realisiert wird." Die Kunert-Werke praktizieren den elektronischen Datenaustausch mit ihren Kunden bisher über die Gesellschaft für Koorganisation in Köln beziehungsweise den von ihr angebotenen Sedas-Datenservice. Fetzer: "Alle Einzelhandelskonzerne haben sich mehr oder weniger diesem Generalunternehmer verschrieben." Edifact beschäftigt auch sein Unternehmen, aber: "Die vom DIN initiierte Norm hat nur eine andere Struktur oder vielleicht einen anderen Satzaufbau wie die Sedas-Formate, der Inhalt ist jedoch der gleiche. Mit beiden Verfahren kann man bilateralen und multilateralen Datenaustausch durchführen."

Auf lange Sicht soll jedoch auch die vom Textilgewerbe häufig favorisierte DIN-Norm zum Zuge kommen. Fetzer betont, daß beim elektronischen Datenaustausch nicht jeder sein eigenes Süppchen kochen dürfe, sondern eine Einigung auf wenige Standards erforderlich sei. In diesem Zusammenhang begrüßt er es, daß inzwischen auch schon eine Software für einen Übergang von Sedas zu Edifact zur Verfügung stehe.

Aus der Sicht von Joachim Schuh von der Universität Saarbrücken ist das LAN mittlerweile Usus geworden und nicht mehr mit internen Hürdenläufen verbunden. Die Genehmigung von entsprechenden Projekten stellte und stellt natürlich in anderen Fällen auch jetzt noch ein trauriges Kapitel für Unternehmen aus der Wirtschaft, für öffentliche Verwaltungen und für Universitäten dar. Es gilt ja oft, Rahmenpläne einzuhalten. Der Netzgruppen-Leiter: "Wenn man früher mit einer Netzplanung anfing, mußten wir das begründen. Das ist heute keine Frage mehr, sondern wird als Selbstverständlichkeit hingenommen." Die Rechtfertigung sei weggefallen, das lokale Netz als solches einfach ein Standard. So empfehle der EDV-Gesamtplan 3 von Baden-Württemberg hinsichtlich der Ausstattung der Hochschulen von 1989 bis 1994, daß im Zuge der fortschreitenden Netzanforderungen die Hochschulen lokale Hochgeschwindigkeits-Netze installieren sollen, die dem geplanten FDDI-Standard (FDDI: File Distributed Data Interface) entsprechen.

Bei der Ablösung des bisherigen Netzes will die Netzgruppe von innen nach außen vorgehen, sich bei den noch dünn gesäten Glasfaser-Spezialisten wie IPS, Hirschmann, BICC, Fibronics oder Siemens umhören und ein Glasfaser-Backbone mit FDDI-Brücken zu Ethernet implementieren. Schuh: "Wir können jetzt aber nicht einfach alle unsere Geräte, die wir haben, wegschmeißen. Im lokalen Bereich werden die Ethernets weiter ausgebaut, denn es ist die Frage, inwieweit man in jedem Gebäude noch eine Glasfaser-Verkabelung machen kann und wie teuer ein FDDI-Workstation-Anschluß wird." FDDI - so machen es die Ausführungen des Lichtwellen-Leiters deutlich - geht zur Zeit noch ganz schön ins Geld: Für einen FDDI-Knoten, an den man zwei und maximal vier LANs anschließen kann, muß der Anwender zwischen 50 000 und 60 000 Mark berappen. In zwei Jahren sollen die Preise für FDDI-Konzentratoren jedoch nur noch zwischen 15 000 bis 20 000 Mark und für einen Einzelanschluß bei 6000 Mark liegen.

Schuh weist aber im Zusammenhang mit Glasfaser-Planungen darauf hin, daß neben dem eigentlichen FDDI zeitweise noch die CCITT-Empfehlung 802.6 als getaktetes System auf einem Doppelbus mit im Rennen gewesen ist. Erschwerend wirkten sich auch die beiden FDDI-Marschrichtungen in Form von FDDI/1 und FDDI/2 aus. Letztere Version liege wahrscheinlich erst in zwei Jahren als Norm vor, und ein Übergang von FDDI/1 auf FDD2/2 sei nicht möglich, da jeweils ein anderer Chipsatz verwendet werde.

Nach der Normen-Verabschiedung der physikalischen Ebenen bis zur Link Layer bei FDDI/1 - so Schuh weiter - stehe jetzt außerdem noch das Station Management aus.

Im Unternehmen Henniger Bräu aus Frankfurt hieß das beherrschende Thema dieses Jahres Unix. RZ-Leiter Bernhard Hirth: "Bei uns findet eine Umstrukturierung der DV-Weltstatt, daß heißt unser Haus ändert seine Strategie. Wir gehen von der IBM weg hin zur Unix-Welt von Siemens." Noch werden die Filialen über Standleitungen versorgt, doch die Tochtergesellschaften fangen langsam damit an, sich abzunabeln. Der jetzige Zentralbetrieb soll in Zukunft vollkommen entfallen. Von der Implementierung der Unix-Rechner (MX 300 und MX 500) verspricht sich das Brauerei-Unternehmen insbesondere Einsparungen. Im Bereich Bürokommunikation soll alles beim alten bleiben. In jedem Sekretariat steht ein Schreibautomat. Diese Systeme sind nicht miteinander vernetzt und kommunizieren nicht mit anderen Rechnern.

Uwe Kassner, Hauptreferent bei der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) aus Köln sieht gerade in dem immer noch häufig getrennten DV-Betrieb ein großes Manko: "Ziel ist der medienbruchfreie Austausch von Informationen zwischen DV-Anwendungen und Textverarbeitungs-Applikationen, aber die Leute denken nach wie vor nur an ihre DV oder nur an ihre Bürokommunikation und arbeiten nebeneinander her." Für ihn ist es eine zwingende Voraussetzung, die PCs und Abteilungsrechner miteinander zu vernetzen und eine einheitliche Benutzeroberfläche sowie eine einheitliche Datenbank-Schnittstelle zu schaffen. Wolle man heute eine umfassende Technikunterstützung verwirklichen, sei man auf Gedeih und Verderb den großen Herstellern ausgeliefert.

Offene Standards sieht der Spezialist in Sachen DV-Organisation bei den Kommunen als heikle Sache an. Entweder sie fehlten, wie im Bereich Software-Tools, ganz oder sie seien noch nicht ausgegoren. Dies treffe unter anderem bei Dokumentenaustausch- und Office-Verfahren wie Edifact oder ODA/ ODIF zu. Die Anwender sollten die Entwicklung von offenen Systemen forcieren, da ja letztendlich auf Herstellerseite Neigung dazu bestehe, eigene Lösungen als das Nonplusultra darzustellen. Entsprechende Möglichkeiten böte das Engagement in einer UserGruppe. In Hinblick auf die Programmierung von klassischen DV-Anwendungen - im Bereich Kommunalverwaltung sind das unter anderem Einwohnerwesen, Kraftfahrzeugwesen, Personalwesen und Finanzwesen - hält es Kassner für opportun, hier den Hebel erst dann anzusetzen, wenn sich die Normen bei Betriebssystemen, Netzwerken und Benutzeroberflächen konsolidiert haben. Einmal laufende Applikationen im nachhinein zu standardisieren, mache hingegen wenig Sinn.

Zum Schluß soll noch eine Workgruppen-Studie der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung (AWV) erwähnt werden, die Aufschluß über den Status der Bürokommunikation bei insgesamt 100, zumeist größeren deutschen Unternehmen gibt. In die Expertise, erarbeitet unter "Federführung" der Arbeitskreisleiterin und Cognit-Geschäftsführerin Christa Spengler-Rast, wurden Firmen einbezogen, die in ein BK-Projekt involviert waren. Ein wesentliches Ergebnis besagt, daß der Benutzer jeweils mit nur einem Bürosystem arbeitet und erwarte, daß alle für ihn relevanten Funktionen unter einer einheitlichen Benutzeroberfläche zur Verfügung stehen. Zu den gewünschten Funktionen gehören Telekommunikations-Anschlußmöglichkeiten und Datenbankzugriffe.

Als Auslöser für BK-Projekte macht die Untersuchung "konkrete Probleme, Schwachstellen und technischen Erneuerungsbedarf" aus. Bei 53 Prozent der befragten Unternehmen kommen die Verantwortlichen der BK-Vorhaben aus der Organisation.

Es zeigte sich außerdem, daß die Mitarbeit von Fachabteilungen in BK-Projekten stark verbreitet ist, eben weil man im Bereich Office Automation immer mehr die Fachumgebung berücksichtigen muß. Als Konsequenzen von Bürokommunikation wurden in der Regel die Straffung, die Neuorganisation der Abläufe und die Neuregelung der Ablageorganisation genannt.

84 Prozent der Firmen unterstützen die Einführung von BK-Systemen durch eine Testphase, um den praktischen Einsatz auf sichere Beine zu stellen. Dabei steht der Test der Hard- und Software immer noch im Vordergrund.

Die Studie kommt ferner zu dem Schluß, daß die Einführung und der laufende Betrieb von Bürosystemen einer intensiven technischen und organisatorischen Betreuung bedürfen. Der Aufbau einer Benutzerunterstützung sei eine wichtige Aufgabe, wobei der Anwender leicht den damit verbundenen Personalbedarf unterschätze. Bei den eingesetzten Konfigurationen, die im Rahmen der AWV-Untersuchung erfaßt wurden, handelt es sich in erster Linie um Systeme von IBM, Wang, DEC, Olivetti, Siemens, Xerox und Apple, Commodore und HP, wobei als Betriebssystem bei zehn Prozent der Anwender Unix den Status quo abgibt. Als Netze wurden unter anderem SNA, Wangnet, Novell, Token Ring, Qidan, Telenorma und DECnet genannt.

Das Gros der Befragten favorisiert eindeutig Hersteller-Lösungen.