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15.03.2005

UMTS: Jetzt geht?s erst richtig los

Handys für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS sind keine Mangelware mehr und für die Netzbetreiber der dringend benötigte Schlüssel zu neuen Geschäftsmodellen.

Kein Zweifel, UMTS, die dritte Mobilfunkgeneration (3G), ist da. Nach Jahren des Redens herrschen jetzt die Marktbedingungen, die eine sinnvolle Vermarktung der Dienste erlauben. Besonders bei den Endgeräten, die vergangenes Jahr noch einen Engpass darstellten, hat sich die Versorgungslage entspannt. Kurz vor der CeBIT hagelte es bereits auf der 3GSM World in Cannes eine ganze Serie von Ankündigungen. Lediglich Siemens blieb an der Côte d?Azur ein UMTS-Telefon schuldig, zog aber auf der CeBIT mit dem "SXG 75" nach.

Immer mehr UMTS-fähige Handys genügen mittlerweile den kritischen Ansprüchen der Netzbetreiber, nachdem sie vergangenes Jahr wegen technischer Defizite oft noch durchgefallen waren. Am aggressivsten vermarktet derzeit Vodafone 3G-Produkte und Dienste. Die Düsseldorfer führen bereits zehn Mobiltelefone sowie zwei PDAs im Portfolio und zählen wohl auch die meisten Teilnehmer.

Ende 2004 lag die Zahl nach Angaben von Vodafone bei rund 100000 UMTS-Kunden. Davon entfiel das Gros aber auf Nutzer der Datenkarte "Mobile Connect Card UMTS" und nur ein kleiner Prozentsatz auf Handy-Käufer - mangels Angebot. Insgesamt wurden dem Branchenverband Bitkom zufolge vergangenes Jahr in Deutschland 250000 UMTS-fähige Endgeräte, sprich Datenkarten und Telefone, verkauft. Damit rangierte die Bundesrepublik hinter Ländern wie Japan (8,4 Millionen), Italien (drei Millionen) und Großbritannien (2,5 Millionen). In diesem Jahr soll das Volumen laut Bitkom hierzulande auf 2,5 Millionen steigen.

"Wir wollen deutlich über eine Million UMTS-Kunden", beanspruchte Jürgen von Kuczkowski, Chef von Vodafone Deutschland, auf der CeBIT den Löwenanteil des deutschen Marktes für sein Unternehmen. Entsprechend fiel der Messeauftritt des Netzbetreibers in Hannover aus: komplett auf die neue leistungsstärkere Mobilfunktechnik zugeschnitten.

Ganz im Kontrast dazu stand die Präsenz des Konkurrenten T-Mobile. "Wir wollen keine Abkürzungen, sondern Anwendungen verkaufen", begründete René Obermann, Vorstand T-Mobile, den sparsamen Gebrauch des Kürzels UMTS, brachte aber das Ziel des Unternehmen auf den Punkt, mehr Datenvolumen auf dem Netz zu erzeugen. Unter dem Motto "Office und Internet in your Pocket" will das Unternehmen die Nutzung von mobilen Applikationen befördern.

Die Zeichen dafür stehen laut Obermann gut, weil das Interesse der Kunden steige. Vergangenes Jahr setzte T-Mobile in Europa 210000 Multimedia-Geräte ab. Dieses Jahr rechnet er mit mindestens 500000 bis 600000 Devices, von denen ein Teil auch UMTS unterstützen soll. Die Bonner treiben deshalb neben der Vermarktung von UMTS-Telefonen wie dem "6680" von Nokia auch den Absatz ihrer PDA-Familie voran. Auf der CeBIT kündigte der Netzbetreiber für den Sommer den "MDA IV" an, der UMTS unterstützen wird.

Egal, welche Vermarktungsstrategie die Anbieter bei UMTS verfolgen: Ihr Augenmerk liegt eindeutig darauf, die Kunden zu einem stärkeren Konsum von Datendiensten zu animieren. Ihre bisherige Geschäftspolitik, die hauptsächlich auf Einnahmen aus hohen Sprachgebühren sowie auf Teilnehmerwachstum basierte, ist für die Zukunft nicht mehr tragfähig. "Wir wissen, dass die Tarife unter Druck kommen werden", skizziert Obermann die anstehenden Veränderungen auf dem Mobilfunkmarkt.

Tatsächlich gerät die Branche mehr und mehr in einen Verdrängungswettbewerb, weil sich auf dem deutschen Mobilfunkmarkt kaum noch Neukunden gewinnen lassen. Außerdem werden die Netzbetreiber und Service-Provider aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs ihre Gesprächsgebühren senken müssen. Damit den Anbietern aber keine Umsatzeinbrüche drohen, bleiben ihnen nur drei Möglichkeiten, um gegenzusteuern: Sie müssen dem Festnetz weiter Gesprächsminuten abjagen, die Subventionen für Endgeräte senken und die Verbraucher mit Hilfe der neuen und wesentlich performanteren UMTS-Infrastruktur stärker zur Nutzung datenintensiver Dienste bewegen.

UMTS braucht Subventionen

Den Angriff auf das Festnetz haben sich alle Mobilfunker auf die Fahnen geschrieben und auf der CeBIT angekündigt. Allerdings wappnen sich die Festnetzbetreiber mit neuen Preismodellen und Diensten. Außerdem werden die Mobilfunkanbieter mit Hilfe der vom Festnetz hinzugewonnenen Gesprächsminuten vermutlich nur einen Teil ihrer durch sinkende Sprachtarife wegbrechenden Umsätze wettmachen können. Umso wichtiger ist es deshalb für die Business-Pläne von T-Mobile & Co., mit UMTS-Diensten zusätzliche Einnahmen zu generieren.

Eine enge Verflechtung besteht in Deutschland außerdem zwischen den Tarifstrukturen und Subventionen. Die Gesprächsgebühren sind hierzulande unter anderem deshalb so hoch, weil die Provider die Endgeräte beim Abschluss eines Vertrags oder dessen Verlängerung im Schnitt mit bis zu 200 Euro bezuschussen. Diesen Kreislauf versucht T-Mobile seit dem Sommer letzten Jahres zu durchbrechen. Der Anbieter will die Subventionen zurückfahren und die Einsparungen stattdessen durch günstigere Tarife an die Verbraucher weitergeben.

Tatsächlich haben die Bonner bisher am stärksten an der Subventionierungsschraube gedreht und die Zuschüsse für Telefone in ihren Prepaid-Paketen gedrosselt - nicht ohne Folgen. Im letzten Quartal gewann das Unternehmen die wenigsten Neukunden hinzu. Trotzdem will Obermann, wie er auf der CeBIT bekräftigte, an dieser Strategie festhalten, während die anderen Anbieter ihre Subventionspraxis vorerst weiterverfolgen. "Unsere Politik basiert auf profitablem Wachstum. Solange dies die Basis ist, gibt es keinen Grund, an den Subventionen etwas zu ändern", sagte Vodafone-Chef Kuczkowski. Und auch E-Plus und O2 wollen erst dann die Handy-Zuschüsse kürzen, wenn Vodafone diesen Weg einschlägt.

Von der in Deutschland verbreiteten Gewohnheit, Geschäfts- und Privatkunden durch subventionierte Preise zu binden, werden die Anbieter wohl nur schwer abweichen können, wollen sie ihre UMTS-Services pushen. Um möglichst schnell eine große Dichte an 3G-fähigen Endgeräten im Markt zu erreichen, die datenintensive Anwendungen wie Videotelefonate überhaupt erst ermöglichen, müssen die Netzbetreiber zumindest den Absatz der relevanten Telefone finanziell fördern.

Hoffnungsträger HSDPA

Große Hoffnungen der Provider, den Konsum von Datenservices zu forcieren, ruhen auf dem bei realistischer Betrachtung 1 Mbit/s schnellen Übertragungsstandard High Speed Downlink Packet Access (HSDPA), einer Art Turbo-UMTS (siehe Kasten "Turbo-UMTS"). Die Nachrüstung der Netze mit HSDPA, die wahrscheinlich schon kommendes Jahr erfolgt, ist für die Mobilfunker von größter strategischer Bedeutung. Mit der neuen Technik können sie einen schnellen, kabellosen Zugang zum Internet realisieren und damit eine annähernd adäquate, breitbandige Alternative zum DSL-Festnetznetzanschluss anbieten. Erste Angebote in Sachen mobiler Internet-Access haben O2 mit "Surf@home" und Vodafone mit "Zuhause Web" schon jetzt auf der CeBIT vorgestellt.

Damit sich die hohen Investitionen in UMTS überhaupt rechnen können, wird viel von der Flexibilität der Lizenznehmer abhängen. Einiges spricht dafür, die Netztechnik so schnell wie möglich einer breiten Masse durch Endgeräte und günstige Tarife zugänglich zu machen, anders als bei der zweiten Mobilfunkgeneration GSM geschehen. Die Marktforscher sind zumindest, was den Absatz von UMTS-Endgeräten betrifft, optimistisch. Nach Ansicht von IDC soll der Anteil der in Westeuropa verkauften 3G-Telefone in diesem Jahr bereits 13 Prozent des Gesamtmarktes betragen. Eine von Handy-Hersteller Nokia in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 2005 weltweit rund 70 Millionen UMTS-Geräte über den Ladentisch gehen. Auch beim Datenumsatz sieht es den Finnen zufolge gut aus. Sie rechnen bis 2008 mit einem internationalen Volumen von 160 Milliarden Euro. Derzeit macht das Datengeschäft der weltweit 30 größten Netzbetreiber zusammen nur 7,5 Milliarden Euro aus.