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11.05.2001 - 

Netzbetreiber legen erste Konzepte vor

UMTS: Kosten sparen durch Allianzen

MÜNCHEN (CW) - Angesichts der hohen Kosten, die auf die ohnehin schon arg gebeutelten UMTS-Lizenznehmer noch zukommen, wollen die Anbieter beim Aufbau der UMTS-Netze zusammenarbeiten. Allerdings ist noch zu klären, ob ihre diesbezüglichen Vorschläge den Lizenzauflagen der Regulierungsbehörde entsprechen.

Der Einstieg in die dritte Mobilfunkgeneration Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) kommt die sechs Lizenznehmer teuer zu stehen. Die Unternehmen versuchen daher, die Kosten für den Aufbau der UMTS-Netze durch Kooperationen einzudämmen. Entsprechende Vorschläge haben E-Plus, Viag Interkom, Mobilcom und Group 3G der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) vergangene Woche vorgelegt.

Gemeinsame AntennennutzungBei der geplanten Zusammenarbeit zeichnen sich zwei Möglichkeiten ab: einerseits die gemeinsame Nutzung jeweils einer Antenne, auf der zwei Anbieter mit eigener Frequenz funken. Eine andere Sparvariante bestünde darin, sich den Ausbau der Netze in ländlichen Gegenden zu teilen, um abgelegene Orte nicht mit allen sechs Netzen überziehen zu müssen. Die Kunden könnten sich dann in Netze von Partnern einwählen, wenn ein Betreiber in dieser Region nicht vertreten ist.

Die KPN-Mobile-Tochter E-Plus will ihr bestehendes Netz an den Lizenznehmer Mobilcom vermieten, der kein eigenes GSM-Netz besitzt, als Wiederverkäufer jedoch rund vier Millionen Mobilfunkkunden betreut. Ziel des so genannten National-Roaming-Abkommens mit E-Plus ist es, Kunden, die einen UMTS-Vertrag abschließen, in der Aufbauphase mobile GPRS-Sprach- und Datendienste bundesweit unter der Marke Mobilcom in Anspruch nehmen zu können. Ab Herbst soll die gemeinsame Nutzung des Netzes möglich sein. Auf diese Weise hofft der Service-Provider, in den kommenden Jahren eine beträchtliche Zahl von Neukunden hinzugewinnen zu können. E-Plus will sich über das Abkommen eine höhere Auslastung seines Netzes sichern.

Auch an die Group 3G, ein Konsortium aus dem finnischen Mobilfunkanbieter Sonera und der spanischen Telefongesellschaft Telefónica, will E-Plus GSM-Netzkapazitäten vermieten. Auf diese Weise soll das Konsortium das GSM-Netz von E-Plus in allen Gebieten für Sprach- und Datendienste nutzen können, in denen es selbst kein eigenes Netz hat. Mit speziellen Dual-Mode-Handys sollen 3G-Kunden nahtlos zwischen UMTS- und GSM-versorgten Gebieten wechseln können.

Ökonomische VorteileViag Interkom setzt ebenfalls auf Kooperationen, um die Zahl der für UMTS benötigten neuen Sendemasten in Grenzen zu halten. Von Allianzen - etwa mit der 3G Group - erhofft sich der Mobilnetzbetreiber eigenen Angaben zufolge "sowohl ökonomische als auch ökologische Effekte". Wie die Zusammenarbeit konkret aussehen soll, hänge allerdings von der Entscheidung der Regulierungsbehörde ab.

Die Reg TP hat wiederholt bekräftigt, an den Lizenzbedingungen festzuhalten, nach denen jeder Anbieter sein eigenes Netz aufbauen muss. Die Einhaltung der Auflagen dürfte auch im Interesse der Lizenznehmer liegen. Denn ansonsten wäre zu befürchten, dass Firmen, die bei der Lizenzversteigerung leer ausgegangen sind, vor Gericht ziehen würden. Gleichzeitig hat die Behörde Kooperationsbereitschaft signalisiert. Allerdings ist noch nicht abzusehen, ob die Vorschläge der Netzbetreiber den Lizenzbedingungen entsprechen. Der Regulierer hält sich in dieser Hinsicht noch bedeckt. Erst Anfang Juni soll die Entscheidung fallen.

Lizenzauflagen interpretierbarDie vorsichtige Haltung der Reg TP ist nach Ansicht von Matthias Quaritsch, Pressesprecher von Mobilcom, verständlich. Die Angelegenheit sei sehr heikel, da die Lizenzbestimmungen zum Teil dehnbar seien. Die Frage sei, ob zwei Anbieter gegen die in den Lizenzauflagen geforderte "Funktionsherrschaft" über das Netz verstoßen, wenn sie eine Antenne gemeinsam, aber auf unterschiedlichen Frequenzen nutzen. Andererseits sei die Behörde als Repräsentant des Staates auch in der Pflicht, für die 100 Milliarden Mark, die sie über die Versteigerung der Lizenzen eingenommen hat, den Netzbetreibern entgegenzukommen.

Bei der Gewinnung von Neukunden sind Allianzen ebenfalls sinnvoll - vor allem für die kleineren Anbieter. E-Plus, Viag Interkom und Mobilcom dürften es bei der Migration ihrer Kunden auf UMTS nicht so einfach haben wie die beiden Schwergewichte T-Mobil und Mannesmann Vodafone. Auf Partner regelrecht angewiesen ist die Group 3G. Das Konsortium verfügt weder über ein eigenes Mobilfunknetz noch über Kunden.

Auch für den Mobilfunkvermarkter Debitel, der wie Mobilcom als unabhängiger Makler von Mobilfunkverträgen in Deutschland rund 6,1 Millionen Kunden von T-Mobil, D2-Vodafone und E-Plus betreut, sind Allianzen lebenswichtig. Das Unternehmen verhandelt derzeit mit den Branchenriesen Telekom und Vodafone, auf deren Netzen jeweils 40 Prozent seiner Kunden telefonieren, über eine Mitbenutzung des UMTS-Netzes.

Insgesamt 100 Milliarden Mark haben die Netzbetreiber für die begehrten UMTS-Lizenzen bezahlt. Zudem sind sie jetzt gezwungen, in einen schnellen Netzaufbau zu investieren, wofür sie nochmals jeweils zwischen fünf und sechs Milliarden Euro berappen müssen. Angesichts dieser Kosten ist das Bestreben der Lizenznehmer, beim Aufbau der UMTS-Infrastruktur zusammenzuarbeiten, nachvollziehbar. Die Frage ist allerdings, wann sich die hohen Investitionen der Beteiligten rechnen werden.

Immense finanzielle BelastungKritiker gehen davon aus, dass speziell für die kleineren Anbieter, die ihre Netze völlig neu aufbauen müssen, der Return on Investment (RoI) erst in zehn bis 15 Jahren erfolgen wird - wenn überhaupt. Denn für die Telefongesellschaften stellt die Aufgabe, ihre GSM- und UMTS-Netze gleichzeitig zu betreiben, eine gewaltige finanzielle Herausforderung dar. Zudem ist noch nicht absehbar, wie viele der heutigen Mobilfunkkunden auf UMTS umschwenken werden.

Abb: Umsätze aus 3rd-Generation-(3G-)Services

Eine schnelle Mark ist im UMTS-Geschäft nicht zu machen. Ab 2005 sollen die Umsätze aus Telefondienstleistungen der dritten Generation jedoch steil ansteigen - auf eine Billion Dollar im Jahr 2010. Quelle: Telecompetition Inc.